zur Navigation springen
Lokales

24. November 2017 | 16:11 Uhr

Jagdauftrag: Schmetterlinge und Käfer

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2010 | 06:22 Uhr

Prignitz | Mit Kescher, Streifnetz und Klopfschirm bewaffnet, durchstreiften zehn Berliner Entomologen vier Tage lang die Prignitz. Gestern ging es zurück in die Hauptstadt. Ihre Jagdbeute: Schmetterlinge, Käfer, Bienen und Wespen. Ihr selbst gewählter Jagdauftrag: Die weißen Flecken füllen, die es zum Vorkommen der verschiedenen Insektenarten gibt. Ihre Legitimation: Die Männer sind Mitglieder in der Berliner Fachgruppe Entomologie im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). 35 Mitglieder zählt die Gruppe. Ihr Chef ist Thomas Ziska.

Der sympathische Biochemiker knappste sich die Zeit für das Treffen mit dem "Prignitzer" von seinem Abendbrot ab. "Wenn wir auf Exkursion sind, dienen unsere Mahlzeiten wirklich nur der Lebenserhaltung. Es muss alles schnell gehen. Auch geschlafen wird wenig. Wir wollen so viel wie möglich draußen sein", sagt Ziska, lässt sein Essen kalt werden, um von den Ausflügen in die Prignitzer Botanik zu erzählen.

Zu erst gilt es natürlich die Frage zu beantworten: Wieso ging es in die Prignitz? Die höchst einfache Antwort: "Hier waren wir noch nicht. Hier gibt es höchst interessante Landschaftsformationen. Hier sind noch zahlreiche weiße Flecken auszufüllen." Mit dieser Erklärung macht Ziska auch gleich klar, "dass wir nicht auf der Jagd nach Raritäten sind". Die Entomologen erfassen, welche Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler, also Bienen und Käfer, in einem bestimmten Areal vorkommen. "Wobei man sagen muss, es ist schon eine Freude, wenn einem ein besonderes Exemplar ins Netz geht." Und dann erzählt Ziska vom Veilchen-Scheckenfalter, der sich im Moorgebiet bei Meyenburg im Kescher fand. Dieser Tagfalter sei schon etwas Herausragendes, erklärt Ziska.

Vier Arten Glasflügler konnten die Männer bei ihren Streifzügen im Naturschutzgebiet Krähenfuß in Wittenberge und am Weinberg in Perleberg nachweisen. Auch das sei erwähnenswert, sagt der Entomologe. Die Glasflügler gehören zu den Schmetterlingen, obwohl Laien die eher unscheinbaren Insekten mit dem schnellen Flug für Wespen halten.

"Auch wenn wir mit unserer Jahresexkursion jeweils nur eine Momentaufnahme liefern können, vervollständigt sie doch das Wissen über die Artenvielfalt, ist Teil eines Gesamtbildes, das Rückschlüsse auch auf bedrohte Arten zulässt", beschreiben die Nabu-Mitglieder den Nutzen ihre Tuns. Ihre Unterlagen stellen sie dem Landesumweltamt zur Verfügung. So fügt sich aus vielen Einzelergebnisse nach und nach ein Gesamtbild.

Und was wird aus den Tierchen, die den Insektenjägern in die Netze gehen? "Einige lassen wir nach der Bestimmung wieder frei, andere werden als Teil von Belegsammlungen benötigt, um zu dokumentieren, wo sie wann vorgekommen sind", beschreibt Ziska deren Schicksal.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen