Jäger erlegt weißen Hirsch

Jäger  Maik Brinker zusammen mit Forstamtsleiter Peter Rabe. steffen oldörp
Jäger Maik Brinker zusammen mit Forstamtsleiter Peter Rabe. steffen oldörp

von
02. November 2010, 08:02 Uhr

Nordwestmecklenburg | Weiße Hirsche in der Natur - das ist ein seltener Anblick. Erst in der vergangenen Woche wurde einer in der Nähe von Brüsewitz kurz vor Schwerin entdeckt. Und nun hat Maik Brinke in der Nähe von Grevesmühlen einen weißen Damhirsch bei einer organisierten Jagd erlegt - rund 30 Kilometer entfernt von Grevesmühlen.

Majestätisch schön sieht der weiße Hirsch aus, der in der Kühlkammer des Forstamtes Schönberg an einem Haken hängt. Mit drei Jahren war das 50 Kilogramm schwere Tier eigentlich noch viel zu jung, um zu sterben. Doch er musste getötet werden, sagt Forstamtsleiter Peter Rabe. Auf seinem Geweih hatte sich ein etwa 4 Kilogramm schweres Bandknäuel verheddert, das Tier konnte nicht mehr richtig gucken: "Er ist jetzt geschossen worden, um ihn von dem ganzen Gebamsel am Kopf zu erlösen. Da ist er jetzt schon fünf Monate mit unterwegs und war sicher stark beeinträchtigt in seiner Lebensqualität."

Wo der Hirsch die Bänder aufgegabelt hat, wissen die Jäger nicht. Den goldenen Schuss hat Maik Brinke aus Warnow abgegeben. Einen Elch hat der 29-Jährige schon geschossen, Rehe und auch Wildschweine - einen weißen Hirsch noch nie. "Das ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Brinke. Als erstes gesehen hat den weißen Hirsch allerdings sein Vater Thomas Brinke. Beide saßen während der Jagd nur 70 Meter voneinander entfernt. "Mein Sohn hat mich angerufen, ob er ihn erlegen soll aufgrund dieser ganzen Bänder, die auf seinem Kopf hängen. Und ich habe gesagt, schieß ihn, bevor er sich aufhängt und elendig kaputt geht."

Nach Angaben des Forstamtes Schönberg war es der erste weiße Hirsch, der in der Region in den vergangenen zehn Jahren erlegt wurde. Normalerweise sehen Damhirsche um diese Jahreszeit grau-braun aus mit weißen Punkten. "Bei weißen Tieren ist das Farbpigment im Haar ausgesetzt, so dass dieser Hirsch quasi kein Pigment im Haar hat und deshalb weiß wirkt", sagt Rabe. Weiße Hirsche sind selten und bei Jägern eigentlich nicht beliebt. Unter ihnen gibt es nämlich den Aberglauben, dass Jäger noch vor Ablauf eines Jahres sterben, wenn sie einen weißen Hirsch schießen. Einem Prominenten soll dieses Schicksal ereilt haben: Erzherzog Franz Ferdinand. Der war begeisterter Jäger und soll 1913, knapp ein Jahr vor seiner Ermordung in Sarajewo, einen weißen Hirsch geschossen haben. Forstamtsleiter Peter Rabe sieht das aber anders: "Wir glauben eher, dass es Glück bringt. Er hat diesen Hirsch erlöst von seiner Pein und ich denke, dass ihm da die Göttin der Jagd eher dankbar ist."

Wollen wir es hoffen. Die Trophäe, also das Geweih, des weißen Hirsches behält das Forstamt Schönberg. Das Fleisch kann gekauft werden, für drei Euro das Kilogramm - zum Beispiel als Weihnachtsbraten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen