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Wirtschaft fordert höheren Etat für Standortwerbung : Investorenlotsen fahren mit Grundlast

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Aufschlag für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsförderer: Angesichts des schärfer werdenden Investorenwettbewerbs hat die Wirtschaft mehr Geld für die Investorenwerbung verlangt.

Schwerin | Aufschlag für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsförderer: Angesichts des schärfer werdenden Investorenwettbewerbs hat die Wirtschaft mehr Geld für die Investorenwerbung verlangt. "Wer nicht wirbt der stirbt", erklärte Lothar Wilken, Chef der Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) gestern in Schwerin. Der Etat für die landeseigene Fördergesellschaft Invest in MV müsse aufgestockt werden, forderte Wilken. Das Land hatte Anfang der 2000er-Jahre, als viele Investitionsentscheidungen gefällt worden waren, zu stark auf den öffentlichen Beschäftigungssektor gesetzt statt auf die Investorenwerbung. Noch immer "fährt das Land mit Grundlast, notwendig sind aber mehr projektbezogene Standortwerbung" - z. B. für den Fährhafen Mukran oder den Energiestandort Lubmin. Solche Sonderaktionen können die Invest-Gesellschaft aber nicht leisten.

Die Not ist groß: Bei einem Jahresetat von 1,5 bis 1,9 Millionen Euro summierte sich das Budget der Gesellschaft seit der Gründung der einstigen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) zwar auf 30 Millionen Euro. Allerdings: Wirtschaftsfördergesellschaften anderer Bundesländer haben ein Vielfaches. Und: Von dem Jahrestat bleibt weniger als die Hälfte für die eigentliche Wirtschaftsförderung. 2009 gingen 912 000 Euro für Personalkosten drauf.

Trotz des begrenzten Etats: Ob nahmhafte Ansiedlungen wie Liebherr, Flamm, Nordex, Egger, Kühne oder kleinere Existenzgründer - die Förderer hätten viele Ansiedlungen begleitet, meinte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) im Vorfeld des heutigen Empfangs zum 20-jährigen Bestehen der Gesellschaft. Die Standortwerber hätten entscheidend dazu beigetragen, MV für Unternehmensansiedlungen attraktiv zu machen. Ein Milliardengeschäft: Etwa 18 Milliarden Euro sind seit 1991 in MV investiert worden, unterstützt mit etwa drei Milliarden Euro öffentlicher Finanzhilfe. Rund 94 000 neue Arbeitsplätze sollen dabei entstanden sein. Schätzungsweise jede fünfte Stelle wurde dabei mit Unterstützung der Wirtschaftsförderer eingerichtet. Auch auf Kosten der Beschäftigten: So hatten die Wirtschaftsförderer vor allem auch mit dem niedrigen Lohnniveau als Standortvorteil geworben und dafür massive Kritik von Gewerkschaften geerntet. Die Strategie wirkt noch heute nach: Der Durchschnitt der Bruttolöhne und -gehälter in MV betrug nur noch 78,7 Prozent des Bundesdurchschnitts, ermittelte das Statistische Amt. 2009 waren es noch 79,3 Prozent.

In Zeiten knapper Kassen soll jetzt auf Kooperation gesetzt werden, vor allem mit kommunalen Partnern, so Seidel. Optimierungsbedarf bestehe auch in der Zusammenarbeit des Landesmarketings (Jahresetat 1,8 Millionen Euro) und der Wirtschaftsförderer, erklärte VU-Chef Wilken. Die unterschiedlichen Institutionen sollten "zu einer starken Plattform" zusammengelegt werden, forderte der Chef der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter. "Das gebündelte Know-how kann zu einer Zukunftsagentur werden" - als Anlaufpunkt für Investoren.

Doch Fusionspläne waren schon einmal gescheitert. In den 90er sollte die einstige Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mit der ebenfalls vom Land finanzierten Absatzfördergesellschaft zusammengelegt werden - die Pläne verschwanden sang und klanglos wieder in der Versenkung. Wie auch Privatisierungspläne und die vorgesehene höhere Finanzbeteiligung der Kammern und Verbände. Die Wirtschaftslotsen waren in den vergangenen 20 Jahren wegen Erfolglosigkeit bei der Ansiedlung von Investoren immer wieder in die Kritik geraten: Ex-MBB-Manager Folker Flasse, Ex-Treuhand-Chef Karl Utz, Ex-Stadtrat Jürgen Michael Gahrau: Differenzen zu den Gesellschaftern oder Untreuevorwürfe hatten in Abständen immer wieder zum Führungswechsel geführt - und die Gesellschaft vor sich hindümpeln lassen. Seit 2007 führt der ehemalige Rostocker Wirtschaftsförderer Michael Sturm Invest in MV. Seidem agieren die Förderlotsen eher im Hintergrund. Die Lorberen verdient sich der jeweilige Dienstherr: der Wirtschaftsminister.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 07:13 Uhr

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