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Lokales

23. September 2017 | 22:07 Uhr

Integrationskurse auf der Kippe

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erstellt am 20.Okt.2010 | 09:54 Uhr

Schwerin | Während es bundesweit Wartelisten für Integrationskurse gibt, sinkt in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der teilnehmenden Migranten. Bildungsträger wie die Volkshochschulen haben teilweise Mühe, ihre Angebote aufrechtzuerhalten. Und das liegt nicht nur an dem ohnehin geringen Ausländeranteil von 2,3 Prozent im Land. Probleme bereiten vor allem die neuen Zulassungsbeschränkungen beim selbst ernannten Prestigeprojekt der Bundesregierung. So müssen freiwillige Teilnehmer seit diesem Sommer mindestens drei Monate nach ihrer Zulassung warten, bevor sie einen Kurs beginnen können. "Dadurch bleiben derzeit Teilnehmer für die geplanten Herbstkurse aus", sagt Susanne Kapellusch vom Volkshochschulverband MV.

"In diesem Jahr werden wir keinen Kurs mehr mit einer Mindestzahl von zehn Teilnehmern zustande bekommen", berichtet beispielsweise Sabine Oswald von der Volkshochschule in Wismar. Der geplante Kurs für Januar 2011 stehe ebenfalls auf der Kippe. "Seitens der Politik wird Integration groß geschrieben. Da ist es bedauerlich, dass sich die Situation in kleineren Städten mit weniger Zuwanderern verschlechtert", kritisiert die Fachfrau.

Hintergrund: Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat das Geld für die Integrationskurse in Deutschland in diesem Jahr zwar auf nunmehr 233 Millionen Euro aufgestockt, doch der Bedarf ist immer noch größer als das Angebot. Weil das Budget zum Ende des Jahres knapp wird, sollen vorläufig nur noch die Pflichtkurse für Zuwanderer durchgeführt werden. Freiwillige Teilnehmer müssen dagegen drei Monate warten. Verpflichtend ist die Teilnahme vor allem für Nicht-EU-Ausländer, die kaum Deutsch sprechen oder diejenigen, die dies als Hartz-IV-Empfänger vorgeschrieben bekommen. Der Anteil der Freiwilligen beträgt etwa 60 Prozent.

Gerade auf diese freiwilligen Teilnehmer seien die Kursträger in den strukturschwachen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns jedoch besonders angewiesen, sagt Susanne Kapellusch. Die Zahl der verpflichteten Migranten alleine reiche nicht aus, um Kurse bilden zu können. "Bei weniger als zehn Teilnehmern können wir nicht mehr betriebswirtschaftlich arbeiten", ergänzt Sabine Oswald. Die Folge: Lernwillige Migranten müssen auf unbestimmte Zeit vertröstet werden. Der politische Integrationsauftrag bleibt in ländlichen Regionen immer häufiger auf der Strecke.

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration nahmen im vergangenen Jahr 989 Personen neu an einem Integrationskurs in Mecklenburg-Vorpommern teil. Im ersten Quartal 2010 waren es 214 - 0,7 Prozent im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet. Deutschlandweit haben seit 2005 mehr als 600 000 Migranten in den Kursen Sprache und Grundkenntnisse über die deutsche Kultur und Gesellschaft gelernt.

Die Integrationskurse beinhalten 600 Sprach- und 45 Orientierungsstunden, die in verschiedenen Modulen zusammengefasst sind. Von den Kosten von 2,35 Euro pro Stunde zahlen die Teilnehmer in der Regel 1 Euro selbst.

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