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Aufgeklärt : Ingolf P. ließ Totschläger selbst ins Haus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Homosexuelles Opfer beschäftigte mutmaßlichen Täter als Haushaltshilfe / Messerstecher sitzt in Polen in Haft

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 06:00 Uhr

War es der Liebhaber? Offiziell spricht die Polizei von einer männlichen Haushaltshilfe. Aber sie bestätigt: Der Kontakt zwischen Ingolf P. und seinem mutmaßlichen Totschläger kam über einschlägige Magazine zustande. Am 7. Dezember 2012 war der 70-jährige homosexuelle Ingolf P. mit mehreren Messerstichen in seiner Wohnung in der Warnemünder Schillerstraße 3 tot aufgefunden worden.

Über DNA-Spuren und Telefonnachweise konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter, einen 40 Jahre alten Polen, ausfindig machen. „Er sitzt bereits in einem polnischen Gefängnis“, sagt Holger Schütt, Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft. Ein Geständnis hat der der Mann bisher nicht abgelegt. In Haft sitzt der 40-Jährige erst einmal noch bis Oktober und wegen mehrerer Straftaten, welche ihm die Behörden des Nachbarlandes vorwerfen. Unter anderem soll der Mann in Polen einen weiteren Menschen getötet haben. Dazu laufen die Ermittlungen.

Der alleinstehende und kinderlose Ingolf P. war polnischer Spätaussiedler und lebte seit 2008 in einer Wohnung einer Warnemünder Villa, die Ex-Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf gehören soll. Der 70-Jährige arbeitete zu DDR-Zeiten als Fischer und pflegte Kontakte nach Polen. Mehrmals im Jahr fuhr er dorthin. So auch im November 2012. Mit seinem Mercedes Sportcoupé war Ingolf P. dieses Mal unterwegs in Richtung Stettin, um seinen mutmaßlichen Mörder zu treffen. Am 23. November 2012 reiste Ingolf P.in dessen Begleitung wieder zurück. „Zeugen konnten bestätigen, dass Ingolf P. mit einem jungen Mann in Warnemünde ankam“, sagt Peter Ernst, Chef der Mordkommission.


Tatverdächtiger pflegte Kontakte zu Homosexuellen


Am Tag darauf wurde der Rentner zuletzt gesehen. Zwischen dem 24. und 25. November muss der Täter mit einem Messer auf sein Opfer eingestochen haben, so Peter Ernst. Erst am 7. Dezember wurde Ingolf P. von Polizeibeamten aufgefunden. Verwandte aus Hamburg hatten den Mann telefonisch nicht mehr erreichen können. Nachbarn stellten letztlich einen beißenden Geruch fest und riefen daraufhin die Polizei, die schließlich die Tür aufbrach und den leblosen Körper fand.

Über das Motiv können die Ermittler bisher keine Angaben machen. Bekannt ist, dass der 40-jährige mutmaßliche Totschläger als Haushaltshilfe bei seinem Opfer tätig war und dafür nach Deutschland geholt wurde. „Der Verdächtige pflegte auch Kontakte zu anderen Homosexuellen in Deutschland“, sagt Peter Ernst. Über Annoncen in einschlägigen Magazinen hätten Täter und Opfer Kontakt aufgenommen.

Ob Ingolf P. Opfer eines Raubmordes wurde oder seine homosexuelle Neigung eine Rolle spielte, darüber macht die Polizei keine Angaben. „Darüber können wir nur spekulieren“, sagt der Ermittler.

Sichergestellte DNA-Spuren am Tatort sowie von den polnischen Behörden bereitgestellte Kommunikationsdaten konnten den Täter letzten Endes überführen. Aufgrund der umstrittenen deutschen Gesetzeslage bei der Vorratsdatenspeicherung hatte die Kriminalpolizei keinen Zugriff auf die Mobilfunkdaten. Somit waren die Ermittler auf die Informationen des Nachbarlandes angewiesen. „Ohne die Telefondaten wären unsere Ermittlungen deutlich erschwert gewesen“, sagt Kriminaldirektor Peter Mainka. Eine Einsatzgruppe aus 20 Mann, unterstützt von der Mordkommission und den umliegenden Polizeiinspektionen, hatte sich das ganze vergangene Jahr mit dem Fall befasst. „Im Frühjahr war ein Ermittlerteam für weitere Untersuchungen nach Polen gereist“, sagt Peter Ernst.


Kripo muss Fall an das Nachbarland abgeben


Da der 40-jährige mutmaßliche Täter in seinem Heimatland in Gorzów, 80 Kilometer nordöstlich von Frankfurt/ Oder, in Haft sitzt, haben sich die polnischen Behörden des Falls angenommen. Dort soll die juristische Aufklärung erfolgen. „Die Staatsanwaltschaft ist dabei, das Verfahren abzugeben“, sagt Sprecher Holger Schütt. Aus Sicht des Kripochefs Peter Mainka habe die Polizei alles Mögliche für die Überführung des Täters getan. Nun liege es in den Händen der polnischen Behörden, den Mann zu verurteilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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