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Lokales

18. November 2017 | 13:24 Uhr

Ingenieurin lässt Denkmalhaus liften

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erstellt am 27.Feb.2013 | 06:47 Uhr

Bad Wilsnack | An die 150 Jahre alt dürfte das Fachwerkhaus in der Lindenstraße 3 wohl sein. Gerade erfährt es ein umfassendes "Lifting" und soll bereits Anfang September wieder in alter Schönheit erstrahlen. Annette Schulze macht kein Hehl aus ihrer großen Liebe zu alten Gemäuern. Auf das Einzeldenkmal in der Lindenstraße hatte sie schon länger ein Auge geworfen. Die Kommune wollte es veräußern. "Der damalige Bauamtsleiter Ulrich Torney sprach mich persönlich an. Da nahm die Idee dann recht schnell Formen an", erinnert sich die Bauingenieurin.

Seit 14 Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Potsdamerin in Grube. "Dort habe ich mein Büro quasi in der Veranda. Ich wollte Wohnen und Arbeiten räumlich trennen", erzählt sie ihre Beweggründe für das Projekt. "Die Lage hier ist gut, es ist ein schönes Haus, und ein Neubau kam für mich eh nicht in Frage." Sanierung ist auch ihr beruflicher Schwerpunkt. Zudem kann die Gruberin Fördermittel aus dem ILE-/Leader-Topf der EU in Anspruch nehmen. Gute Aussichten also für das denkmalgeschützte Gemäuer, das viele Wilsnacker aus DDR-Zeiten noch als Milchladen kennen dürften. Zuletzt diente es zwölf Jahre lang - bis 2012 - als Antiquariat.

Vor der Milchladen-Ära jedoch war es die Notschlachterei. Nicht nur das Innenleben des Hauses, sondern auch das Nebengelass auf dem Hof war eigens für diese Zwecke eingerichtet und ausgestattet. Annette Schulze weist auf die dicke Metalltür zum früheren Kühlraum: "Die bleibt natürlich erhalten. Dahinter werde ich das Archiv für mein Ingenieurbüro einrichten." Die Bauherrin kann sich an kleinen Dingen, an Details erfreuen, die dem ungeübten Auge vermutlich verborgen bleiben würden. "Hier hingen früher die Würste und die Schinken - hier an diesen Metallhaken, die wie Kuhköpfe geformt sind." Sehens- und erhaltenswert seien zudem die Jugendstilfliesen im früheren Verkaufsraum, auf dem Fußboden und an den Wänden. Fehlstellen sollen möglichst mit Original-Fliesen ausgebessert werden. Größte Sorgfalt lässt Annette Schulze in Abstimmung mit dem Denkmalschutz auch bei der Dacheindeckung, bei der Gestaltung der Fenster und Türen sowie bei der Farbgebung walten. Großes Glück habe sie mit der Substanz des Holzes: "Das meiste ist wirklich noch tiptop."

Neben ihren eigenen Geschäftsräumen wird das Gebäude künftig Wohnungen beherbergen, zwei im Obergeschoss werden gleich mit ausgebaut, zwei weitere sind in einem zweiten Bauabschnitt im Dachgeschoss geplant.

Bereits im Frühling vergangenen Jahres ließ sie die vielen Nebengebäude auf dem rückwärtigen Grundstück abreißen. 40 Jahre standen sie leer. "Das waren inzwischen totale Ruinen", sagt Annette Schulze. Der hintere Teil des großen Geländes ist schon als Streuobstwiese bepflanzt. Seit zwei Wochen geben sich in der Lindenstraße 3 Handwerker und Bauleute die Klinke in die Hand. Annette Schulze verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: "Am 5. September möchte ich hier Einweihung feiern." Spätestens dann soll das Haus wieder seine ganze Persönlichkeit in der Wilsnacker Altstadt entfalten. "Häuser müssen ein Gesicht haben", sagt die Bauingenieurin aus tiefster Überzeugung. Vielleicht lächelt ihr Denkmal ja ab dem kommenden Sommer sogar - wenn man ganz genau hinschaut.

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