Industriedenkmal hat neuen Besitzer

Für 305000 Euro ersteigerte eine niederländischen Immobilienfirma das Denkmal. Der Inhaber will die Ruine erhalten und bald ein Nutzungskozept vorlegen. dpa
Für 305000 Euro ersteigerte eine niederländischen Immobilienfirma das Denkmal. Der Inhaber will die Ruine erhalten und bald ein Nutzungskozept vorlegen. dpa

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11. April 2010, 07:14 Uhr

Dannenberg/Dömitz | Die Dömitzer Eisenbahnbrücke gilt als Wahrzeichen des Wendlands. Am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten alliierte Flugzeuge den Koloss aus Stahl und Beton. Der östliche Teil der Brücke versank in der Elbe, die niedersächsischen Reste ragen noch immer weit in das Elbvorland. Seit Sonnabend hat die denkmalgeschützte Ruine an der Grenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Besitzer. Die Brücke kam in Berlin unter den Hammer.

Ein Mindestgebot von 19 800 Euro hatte Auktionator Mark Karhausen von der Karhausen Immobilien Auktionen GmbH festgesetzt. Bei der Versteigerung im Meistersaal des Berliner Borsigturms hätten sich die beiden einzigen Interessenten dann ein halbstündiges regelrechtes Bietergefecht geliefert, sagte Karhausen am Ende. Einer im Saal, der andere am Telefon, "schaukelten" sich beide in Tausenderschritten verbissen und hartnäckig immer höher. Das sei schon ungewöhnlich lange gewesen, zumal es nur zwei Bieter gewesen seien, sagte Karhausen.

Am Ende hatte der Inhaber einer niederländischen Immobilienfirma am Telefon den längeren Atem und erhielt den Zuschlag. Und zwar bei 305 000 Euro, dem mehr als 15-Fachen des Startpreises. Sofort habe der Käufer Bedenken aus der Region an der Elbe zerstreut, sagte Karhausen. Der neue Besitzer wolle die Brücke unbedingt erhalten und ein Konzept für eine Nutzung entwickeln. Zudem habe er angeboten, dabei mit dem unterlegenen Bieter zusammenzuarbeiten.

US-Jagdbomber zerstörten Brücke 1945

Die nach dem mecklenburgischen Städtchen Dömitz benannte Brücke wurde zwischen 1870 und 1873 errichtet. Sie war mehr als 1000 Meter lang und nach ihrer Fertigstellung noch für Jahrzehnte die größte Eisenbahnbrücke Deutschlands. Dömitz war damals eine Landfestung. Bei Planung und Bau der Brücke spielten daher auch militärische Gesichtspunkte eine Rolle. Ein kleiner drehbarer Brückenteil sollte nicht nur Schiffen die Durchfahrt erleichtern, sondern notfalls auch die Eisenbahnlinie schnell und wirkungsvoll unterbrechen können. Außerdem wurden in einem der Strompfeiler Sprengkammern angelegt. Am 20. April 1945 zerstörten fünf US-Jagdbomber die Brücke bei einem Luftangriff - und die wenige hundert Meter weiter über den Fluss führende Straßenbrücke gleich mit. Die erhaltenen Brückenreste im Elbvorland auf dem niedersächsischen Ufer sind immerhin etwa 550 Meter lang. Daran schließt sich ein Bahndamm an, er erstreckt sich fast zwei Kilometer landeinwärts. Den östlichen Teil nutzten die DDR-Grenztruppen als Wachstützpunkt, ehe er 1987 endgültig abgerissen wurde.

Bislang befand sich die Dömitzer Eisenbahnbrücke im Besitz der Deutschen Bahn. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren versucht, die Brücke zu verkaufen oder sogar zu verschenken, doch niemand zeigte Interesse. Deshalb wählte die Bahn nun den Weg der Versteigerung. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg und die Gemeinden, auf deren Gebiet die Brückenreste stehen, hoffen, dass der künftige Besitzer das historische Monument erhält und touristisch nutzt. So wünscht sich Dannenbergs Samtgemeindebürgermeister Jürgen Meyer "eine Lösung, die die Brücke der Öffentlichkeit erhält und zugänglich macht". Auch aus Sicht von Langendorfs Bürgermeister Harald Hintzmann ist die Brücke "ein wichtiges Bauwerk", prägend und touristisch wertvoll: "Sie darf nicht in die Hände von Leuten gelangen, die sie abreißen wollen, das wäre schlimm."

Unmittelbar vor der Versteigerung hatte der Verein zur Förderung von Literaturstätten und -landschaften in einem Appell um "Gnade für ein unverzichtbares nationales Kulturdenkmal" gebeten.

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