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Lokales

12. Dezember 2017 | 01:46 Uhr

In Todesangst mit aller Kraft gewehrt

vom

svz.de von
erstellt am 04.Aug.2010 | 06:50 Uhr

Rostock/Güstrow | Versuchte Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung und Bedrohung wirft die Staatsanwaltschaft Rostock dem Güstrower Andy B. (25) vor. Er soll im Februar eine 44-jährige Altenpflegerin in Güstrow überfallen und sexuell bedrängt haben. Gestern begann vor dem Landgericht Rostock der Prozess.

Es war der 27. Februar, ein Sonnabend und bitterkalt. Die 70-jährige Rentnerin Renate W. aus der Straße der DSF in Güstrow kippte gerade ihr Badfenster als sie schnelle Frauenschritte hörte und dann plötzlich Hilfeschreie. "Ich ging auf den Balkon und da hörte ich wieder diese schrecklichen Schreie", gab die Rentnerin gestern als Zeugin zu Protokoll. "Mein Mann sagte sofort: Ruf die Polizei. Und das tat ich auch." Im Güstrower Polizeirevier hatte gerade die Frühschicht um 5.30 Uhr begonnen als der Anruf der Rostocker Einsatzleitstelle einging, dass eine Frau auf dem Schulgelände an der Bistede um Hilfe ruft. "Wir ließen alles stehen und liegen und fuhren sofort mit zwei Wagen los", schilderte Dienstgruppenleiter Wolfgang M. "Als wir ankamen, erfassten wir einen jungen Mann mit dem Scheinwerferlicht. Er flüchtete, aber wir holten ihn ein. Es war Andy B., für uns kein Unbekannter."

Der Polizeibeamte Thomas S. berichtete gestern: "Wir waren sehr schnell am Tatort. Von der Kellertreppe der Schule kam eine Frau auf uns zu. Wir riefen: Hier ist die Polizei, haben sie keine Angst. Sie zitterte am ganzen Leibe." Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters sagte der Zeuge, dass er seit 18 Jahren im Dienst ist, aber Vergleichbares noch nicht erlebt habe. Ihr Oberkörper war unbekleidet, deshalb hätte er ihr seine Jacke umgehängt. Sie sei völlig verstört gewesen und hätte nur immer gesagt: "Ich muss zur Arbeit." "Sie hatte Todesangst, das sah man." Alle Polizeibeamten gaben an, keine Ausfallerscheinungen bei dem Angeklagten bemerkt zu haben.

Auch das Opfer sagte gestern als Zeugin aus. Der Mann habe plötzlich hinter ihr gestanden, sie zu Boden gerissen. "Ich habe geschrien. Aber er sagte: Wenn du nicht die Schnauze hältst, bringe ich dich um." An der Kapuze ihrer Jacke schleifte er sie die Treppen zur Schule hinunter. Dann habe er von ihr verlangt, sich auszuziehen, aber er habe ihr auch einige Kleiderstücke vom Leib gerissen. "Ich habe mich mit all meiner Kraft gewehrt. Ich erhielt Faustschläge ins Gesicht und an den Körper." Von Tränen unterbrochen musste sie das schreckliche Geschehen noch einmal erleben.

Der Vorsitzende Richter bedankte sich bei der 70-jährigen Rentnerin und bei den Polizeibeamten, die beherzt handelten und der Frau möglicherweise das Leben retteten.

Andy B. dagegen kann sich nicht erinnern. Er verteidigt sich mit einem "Filmriss". Auch dann noch, als die Sachverständige die Ergebnisse der DNA-Untersuchung bekannt gab. So wurden Spuren des Angeklagten an den Fingernägeln des Opfers gefunden, ebenso an ihrer Kleidung. Die Altenpflegerin war über zwei Monate arbeitsunfähig und in psychiatrischer Behandlung.

Der Prozess wird am 25. August fortgesetzt.

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