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Lokales

25. September 2017 | 10:01 Uhr

In Stiftskirche das Gymnasium gefeiert

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erstellt am 10.Okt.2010 | 07:47 Uhr

Bützow | Zusammenrücken heißt es an diesem Sonnabend in der Bützower Stiftskirche. Hunderte Frauen und Männer strömen in das Gotteshaus, ganz Junge und ganz Alte. "150 Jahre höhere Bildung in Bützow" wird gefeiert. Marlies Hohmann und Hannelore Engel sitzen in einer der ersten Reihen und tuscheln mit ihren Banknachbarinnen. Die Frauen haben gemeinsam 1968 in Bützow das Abitur abgelegt, wohnten vier Jahre lang im Internat am Schlossplatz. Freudige Erwartung, ein Knistern liegt in der Luft.

Dann wird es still in der Kirche. Ein Intermezzo aus dem "Faschingsschwank aus Wien" von Robert Schumann erklingt. Gespielt auf einem weißen Flügel von Anne-Kathrin Gieseking, selbst Abiturientin, Jahrgang 2008. Die Peenäler-Zeiten von Peter Hollien, Dr. Rainer Boldt, Dr. Jürgen Röwe, Sebastian Constien, Gudrun Lizba und Gunnar Schumann liegen teilweise schon Jahrzehnte zurück. Sie alle lassen die Zuhörer in der Stiftskirche teilhaben an ihren ganz persönlichen Erfahrungen vom Lernen und Lehren in Bützow. Dass diese Zeiten nicht immer erfreulich, teilweise sehr schmerzhaft waren, daran erinnerten vor allem die älteren Redner. Davon, wie die Hoffnung von einem demokratischen Neuanfang von der "Willkür der sowjetischen Besatzung" im Keim erstickt wurde (Hollien), von der Säuberungsaktion in den Jahren 1966/67 an der EOS, die für Schüler und Pädagogen teilweise verheerende Auswirkungen hatte (Dr. Boldt) und im Film "Lebensbrüche" von Gymnasiasten jetzt aufgearbeitet wurden, oder davon, dass er aus dem Elternaktiv ausgeschlossen werden sollte, weil er seinem Sohn die Mitgliedschaft in der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft freistellte (Dr. Röwe). Nachdenkliche Momente lösen sich ab mit heiteren Episoden und Heiterkeit. So, als Dr. Jürgen Röwe erzählt, dass er als Heizer für den erkrankten Hausmeister einspringen sollte. Oder Gunnar Schumann bei der Grundsteinlegung für das neue Gymnasium den damaligen Landrat für den Leibwächter des Ministerpräsidenten hielt und deshalb seinen Spruch zum dritten Hammerschlag vergaß.

Schule, so hatte eingangs Hausherr Pastor Karl-Martin Schabow erklärt, sollte immer ein Ziel haben: "Sie sollte Werte wie Toleranz, Achtung der Würde des Anderen, Verantwortung und Zivilcourage vermitteln." Nehmen Ideologien Einfluss auf Bildung sei dies immer mit Eingrenzung der Freiheit, mit Verletzungen und Gewissenszwängen verbunden. Pastor Schabow wünscht sich für Bützow auch in den kommenden 150 Jahren die "höhere Bildung". Ein Wunsch, den er mit allen trug, die zum Jubiläumsfest kamen, und am Abend im Geschwister-Scholl-Gymnasium weiterfeierten.

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