In schweren Stunden Beistand geben

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01. März 2010, 11:33 Uhr

Ludwigslust/Hagenow | "Jedes Mal befindet sich jeder von uns in einer schwierigen Situation, jedes Mal muss man sich darauf neu einstellen. Das sind Momente, die nicht rückgängig zu machen sind", sagt Thomas Linowitzki, wenn er an die schweren Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang in der jüngsten Vergangenheit zurückdenkt. Und an die schrecklichen Bilder der Unfallopfer, die sich tief im Gedächtnis einbrennen.

Der 42-jährige ist nicht nur als Rettungsassistent in der Rettungsdienst GmbH Ludwigslust-Parchim tätig, er leitet seit 2002 auch das Notfallnachsorgeteam des DRK-Kreisverbandes Ludwigslust. In jüngster Zeit wurden Mitglieder seines Teams von den Einsatzkräften vor Ort über die Leitstelle aus Schwerin angefordert, so wie bei dem schweren Unfall nahe Hornkaten. Drei Mal wurde das Notfallnachsorgeteam in diesem Jahr schon gerufen, im vergangenen Jahr standen 25 Einsätze zu Buche.

Notfallnachsorge - dahinter verbirgt sich die Betreuung von Angehörigen von Unfallopfern unmittelbar am Unfallort oder auch später zu Hause. "Wir stehen oft auch vor der schwierigen Aufgabe, wenn uns die Polizei anfordert, mit ein oder zwei Beamten die Todesnachricht überbringen zu müssen", so Thomas Linowitzki. Derzeit gehören dem DRK-Notfallnachsorgeteam 13 Mitglieder an, und das sind nicht nur Rettungsassistenten, da ist auch eine Postmitarbeiterin darunter, gehören Pastoren zu dieser Gruppe, die alle ehrenamtlich arbeiten. Diejenigen, die sich hier engagieren, müssen sich in einer zweijährigen Ausbildung Grundkenntnisse und spezielles Wissen zur Notfallnachsorge aneignen. "Dazu zählen Psychologie, Trauerbegleitung, Trauerform, Religionsarten und Sterbebegleitung."

Aber nicht nur zur Betreuung von Angehörigen nach Verkehrsunfällen wird das DRK-Notfallnachsorgeteam, das dann immer zu zweit im Einsatz ist, angefordert. Thomas Linowitzki erinnert sich an andere, tragische Fälle, so den plötzlichen Kindstod, der Eltern tief trifft oder Fälle von Selbstmord. "Da gibt es schon einiges, das man nicht verdrängt bekommt, ganz gleich, ob es sich dabei um ältere oder jüngere Menschen handelt", ergänzt Thomas Linowitzki. "Aber es steht auch jedem unserer Teammitglieder frei, zu sagen, dass er mal eine Auszeit nehmen möchte, weil die nervliche Belastung doch zu groß ist. Dann wird der- oder diejenige für ein halbes Jahr freigestellt."

Aber auch umfassende Öffentlichkeit ist für die Ehrenamtler wichtig. So waren sie jüngst bei der Ehrenamtsmesse in Schwerin präsent, auch mit dem Ziel, neue Mitglieder zu werben. Ganz wichtig ist für das Notfallnachsorgeteam auch Verkehrspräventionsarbeit an Schulen, Berufsschulen und Gymnasien, wo vor Gefahren im Straßenverkehr wie Alkohol am Steuer, Drogen und Selbstüberschätzung junger Fahrer eindringlich gewarnt wird.

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