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Lokales

24. November 2017 | 04:50 Uhr

In Lenzen kein Fährmann in Sicht

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2010 | 07:43 Uhr

Lenzen | Fährmann Erich Butchereit hat ein Problem: Er findet keinen neuen Kollegen. Seit Monaten sind sie nur noch zu zweit, einen dritten Kollegen bilden sie aus. Er kann frühestens im September nach bestandener Prüfung die Fähre Lenzen-Pevestorf selbstständig fahren.

Deshalb sei die Arbeitsbelastung enorm hoch, immerhin verkehrt die Fähre täglich. "Und es kann ja auch mal einer von uns krank werden", verdeutlicht Butchereit. Außerdem würde der 67-Jährige Eigentümer gerne etwas kürzer treten, "aber mich noch nicht in den Ruhestand verabschieden".

Alle Bemühungen einen vierten Mann zu finden, seien erfolglos geblieben. In Zeitungen habe er annonciert, bei Kollegen nachgefragt, "doch die stehen vor dem gleichen Problem", sagt er. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt und der Arge hat es gegeben. "Gerne hätte ich einen Langzeitarbeitslosen angelernt, aber entweder fehlte ihm die gesundheitliche Eignung oder es scheiterte an der beruflichen Qualifikation."

Fährmann auf der Elbe sei alles andere als eintönig. "Man muss die Fähre stets im Auge haben und beim Anlegen gilt es, den Wind zu beobachten." 180 Fahrtage muss der Kandidat innerhalb eines Jahres nachweisen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Gesundheitsattest, Funkzeugnis und eine Radarausbildung mit abschließenden Patent gehören zu den Grundlagen.

Einen Schiffer zu finden, wäre der Idealfall, "denn der verfügt über Grundkenntnisse, hat schon mal ein Schiff gesteuert", so der Lenzener. Gerade das Steuern sei viel komplizierter, als der Fahrgast vermuten mag: "Es gibt zwei Steuerräder, was viele gar nicht wissen."

Erich Butchereits Worten kann man Glauben schenken. Er ist über Ozeane gefahren, kennt die Fischerei und Flussschifffahrt. An der Elbe aufgewachsen begann er 1958 seine Lehre als Binnenschiffer in Schönebeck. 1965 klappte es mit einer Anstellung bei der Deutschen Seerederei. Butchereit heuerte als Decksmann an, brachte mit der Handelsflotte Heringsfässer aus der Nordsee nach Rostock Marienehe. Als Vollmatrose fuhr er bis Indonesien oder Indien.

1973 entschied sich Butchereit gegen die Seefahrt und für eine Familie, arbeitete fortan in der Wasserwirtschaft Lenzen. Als die Stadt Lenzen 1990 eine Fährmann suchte, sagte er zu und steht seit dem 1. März hinter dem Steuer. 1994 kaufte er die Fähre, baute sie mehrfach um, erst in diesem Frühjahr wurde sie modernisiert.

Auch wenn er noch nicht endgültig von Deck gehen mag, der Ruhestand rückt näher, damit auch die Frage eines Nachfolgers. Um so wichtiger sei es, einen weiteren Kollegen zu finden und auszubilden.

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