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Lokales

20. November 2017 | 08:54 Uhr

In Deutsch Mittelmaß, Nachzügler in Englisch

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erstellt am 23.Jun.2010 | 08:26 Uhr

Schwerin | Es gibt im Norden Deutschlands weniger gute Schülerinnen und Schüler als im Süden; Mädchen lernen besser als Jungen; Brieftasche und Bildungsniveau wachsen proportional zueinander - alle bekannten Klischees zum Thema Bildung sind wieder einmal mit Testergebnissen untermauert worden und geben Politikern im Land Anlass zu Erklärungen. Für den Ländervergleichs 2009 waren bundesweit Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse neunter Klassen überprüft worden. In Mecklenburg-Vorpommern hatten 9310 Mädchen und Jungen aller Schularten die Tests absolviert.

Die gute Nachricht zuerst: In Deutsch ist Mecklenburg-Vorpommern immerhin Mittelmaß, mit Blick auf die Nachbarn im Norden gar der Spitzenreiter. Im Vergleich der 16 Bundesländer landeten die halbwüchsigen Mecklenburger und Vorpommern auf Platz 7 beim Leseverständnis, beim Hörverstehen und in Rechtschreibung holten sie jeweils 8. Plätze. Zur Erinnerung: Bei der PISA-Studie 2006 hatte die Lesekompetenz hierzulande lediglich für den 14. Platz gereicht. Bildungsminister Henry Tesch (CDU) verbucht die Steigerung als Erfolg. "Das belegt, dass die Maßnahmen zur Entwicklung der Lesekompetenz, wie die individuelle Leseförderung und die Arbeit von Unterrichts- und Fachberatern, Erfolge zeigen und im Rahmen der Selbstständigen Schule fortgeführt werden müssen", sagt er. Das glatte Gegenteil ist von der Lehrergewerkschaft GEW zu hören. Sie hält die Entwicklung der Lesekompetenz für "besorgniserregend". "Eine Mitgliederbefragung der GEW hat ergeben, dass in unserem Bundesland über 60 Prozent der Kolleginnen und Kollegen kein vom Kultusministerium gefördertes Leseförderprogramm kennen", betont Landesvorsitzende Annett Lindner. Hier müsse eindeutig mehr getan werden.

Das dürfte auch für den Fremdsprachenunterricht gelten. Im Fach Englisch gehört Mecklenburg-Vorpommern bundesweit zu den Nachzüglern mit Rang 14 sowohl beim Lese- als auch beim Hörverstehen. Henry Tesch verspricht sich zukünftig ein besseres Abschneiden und verweist auf die flächendeckende Einführung des Englischunterrichts ab Klasse 3 im Jahr 2006. Allerdings räumt er ein Personalproblem ein, dem das Junglehrerprogramm beikommen soll, indem es möglichst gut ausgebildete Englischlehrer anzieht.

Zweifel melden die Grünen an. Sie halten den Fremdsprachenunterricht für das "Stiefkind der Bildungspolitik", wie der bildungspolitische Sprecher der Partei in Schwerin, Andreas Katz, sagt. "Lehrkräfte für Englisch sind Mangelware, unterrichtende Muttersprachler Goldstaub", schätzt er ein und mahnt den Minister, endlich zu handeln.

Ebenso wie die Lehrergewerkschaft GEW sieht die Linkspartei im gegliederten Schulsystem die Wurzel allen Übels. "Erforderlich sind gemeinsames Lernen mindestens bis Klasse 8 sowie mehr Möglichkeiten der individuellen Förderung, die tatsächlich ausfinanziert sein müssen", teilte die Linke-Landtagsfraktion mit. Die FDP-Landtagsfraktion wiederum hob hervor, dass Schüler in Ländern mit bürgerlich-liberaler Politik wie Bayern, wo es ein dreigliedriges Bildungssystem gibt, und Baden-Württemberg besser abgeschnitten hätten als in SPD-geführten Ländern.

Das Süd-Nord-Gefälle gilt auch als Indiz für den Zusammenhang von Einkommen und Bildung. "Der Test belegt erneut die hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Dabei gelingt es den neuen Bundesländern eher, diesen Unterschied geringer zu halten", sagt Henry Tesch und beschwört einmal mehr die Idee von individueller Förderung, die zu Chancengerechtigkeit führen soll.

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