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Lokales

22. November 2017 | 16:09 Uhr

In der Prignitz noch 650 Sickergruben

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erstellt am 10.Jan.2011 | 06:39 Uhr

Prignitz | Kleinkläranlagen mit biologischer Hauptreinigungsstufe und abflusslose Sammelgruben sind im ländlichen Raum eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative zu der zentralen Abwasserentsorgung, so Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke). Im Landkreis Prignitz sind derzeit rund 7000 Kleinkläranlagen auf biologischer Basis und abflusslose Sammelgruben erfasst. Beides erlaubt das brandenburgische Wassergesetz.

Herkömmliche Sickergruben ohne biologische Klärung dagegen nicht mehr. Sie sollten eigentlich längst umgerüstet sein, weiß auch Bernd Lindow von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Prignitz. Doch noch immer gebe es 650 dieser Anlagen. Lindow macht deutlich, dass die Umrüstung behördlicherseits nicht Knall auf Fall gefordert werden könne. "Da sind Fristen einzuhalten, in der Regel 12 Monate" erklärt er. Derzeit liefen rund 400 offene Sanierungsanordnungen, wie die Forderung auf Umstellung der Sickergruben fachlich korrekt heiße.

Jedes Verfahren sei als Einzelfall zu behandeln, denn die Gründe für die bisher fehlende Umstellung auf biologische Kleinkläranlagen seien sehr unterschiedlich. Nicht selten mangele es einfach an dem dafür notwendigen Geld, verweist Lindow gerade auf die soziale Lage so mancher Grundstücksbesitzer.

Die Anschaffungspreise für neue vollbiologische Anlagen oder auch die Umrüstung der vorhandenen, soweit das technisch möglich ist, koste schon mehrere tausend Euro. Dazu kommen weitere Bewirtschaftungskosten wie die jährliche Wartung und nicht zuletzt die Abfuhrkosten für den Klärschlamm. Gerade zum Jahresende 2010 haben mehrere Zweckverbände auch in der Prignitz die Preise für die Abwasserentsorgung erhöht, darunter auch die für die Entsorgung von Klärschlamm aus biologischen Kleinkläranlagen. Zwar müssen die Besitzer laut brandenburgischer Gesetzgebung dafür keine Grundgebühr zahlen, aber der Kubikmeter-Preis pro Entleerung ist teilweise recht hoch.

Lindow verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Zweckverbände mit der Reinigung auch dieses Klärschlamms größeren Aufwand betreiben müssten. "Es gibt keinen separat anfallenden, kompostierfähigen Klärschlamm aus biologischen Kleinkläranlagen."

Das Klärschlamm-Abwassergemisch, wie es aus den Anlagen gepumpt werde, müsse den gesamten Klärprozess großer Anlagen durchlaufen, um so aufbereitet zu werden, dass am Ende "super gereinigtes Wasser und ebenso reiner Klärschlamm raus kommt". Dieser Reinigungsprozess sei in den biologischen Kleinkläranlagen nicht möglich.

Mit Ausnahme einiger weniger Anlage-Typen, schränkt Lindow ein. Allerdings seien die nicht nur in der Anschaffung sehr teuer, sondern hätten auch "ein hohes Reinigungspotenzial" und wären nicht einfach in der Unterhaltung.

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