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Lokales

24. November 2017 | 08:23 Uhr

In Crivitz stehen die Uhren still

vom

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2010 | 09:03 Uhr

Crivitz | Edelgard Hesse fährt gern mit dem Rad in die Crivitzer Altstadt. Die Seniorin schaut sich um, was sich in der Stadt so alles tut. Durch Zufall bemerkte sie bei einem ihre Ausflüge, dass gleich mehrere öffentliche Uhren still stehen. Sie wollte mit dem Zug von Crivitz nach Schwerin fahren. Auf dem Weg zum Bahnhof stutzte sie: Die Kirchturmuhr zeigte eine falsche Zeit an. Am Bahnhof staunte sie erneut. Auch hier stimmte die Angabe nicht. In den Folgetagen schaute Edelgard Hesse gezielter hin. Und dabei fiel ihr auf, dass von sechs dieser großen Uhren immerhin vier defekt waren.

Die Bahnhofsuhr zeigt 18.22 Uhr an, die der Grundschule 11.45 Uhr, die Uhr am Werbeträger in der Weinbergstraße hielt um 16.19 Uhr an und die Kirchturmuhr blieb um 16.05 stehen.

Lediglich zwei Zeitmesser entdeckte unser Leserin in der Stadt, die ihr Tagwerk noch ordnungsgemäß verrichten: Die Uhr beim Fahrradmechaniker Böttcher in der Brüeler Straße und die Uhr am alten Postgebäude am Marktplatz.

"Dabei sind gerade historische Uhren wie die der Kirche oder die an der Grundschule Visitenkarten eines Ortes", meint die Crivitzerin. Stehen gebliebene Uhren hinterlassen auch bei Durchreisenden keinen guten Eindruck. Schnell komme der Eindruck auf, ob das Städtchen die Zeit verschlafen wolle.

Beim Wort Kirchturmuhr muss Peter Wolf, der den Crivitzer Pastor Martin Krämer vertritt, sofort schmunzeln. "Ja, das ist eine Katastrophe", sagt er. Die Uhr sei am 12. September stehen geblieben - nach einem heftigen Gewitter, das abends tobte. Dabei muss ein Blitz die Elektronik beschädigt haben. Das Uhrwerk jedenfalls war defekt. Peter Wolf: Die Uhr raste danach förmlich und hatte begonnen, alle zehn Minuten zu schlagen. Das soll sie aber nur zur vollen Stunde tun. Aus diesem Grunde wurde sie abgestellt. Natürlich solle sie wieder repariert werden, aber es handele sich um einen Versicherungsfall. Daher sei zunächst noch einiges zu klären, so Wolf. Wichtig sei der Kirchgemeinde aber, dass nicht nur die Uhr wieder in Gang gesetzt wird. Es geht um die komplette Elektronik, also auch um die Steuerung des Glockengeläuts. Und es sei kein Geheimnis, dass sich die Kirche zwei neue Glocken anschaffen möchte (SVZ berichtete). Daher wolle man das alles im Blick behalten, wenn das elektronische Steuerungssystem so bald als möglich repariert wird, meint Peter Wolf.

An der Grundschule drehen sich jetzt wieder die Zeiger

Die Uhr an der Grundschule in der Schulstraße geht inzwischen wieder. Mario Franz, Mitarbeiter der Stadt, hat sie jetzt in Gang gesetzt. "Warum sie immer mal stehen bleibt, weiß ich nicht. Das konnten mir auch Fachleute nicht sagen." Bis zu achtmal im Jahr habe sie ihre Mucken und setzt einfach aus. Die Uhr sehe zwar historisch aus, der Schein aber trüge, meint Franz. Alt seien nur noch das Ziffernblatt und die Zeiger. Alles was sich dahinter verberge, stamme aus der jüngeren Zeit. "Die Uhr ist nach der Wende auf Funkuhr umgestellt worden, dürfte also eigentlich nie stehen bleiben", sagt der Crivitzer, der sich mittlerweile bestens mit dem nicht so einfachen Uhrwerk, wie er sagt, auskennt. Eine halbe Stunde brauche er in der Regel, um sie zum Gehen zu bringen. Jetzt drehen sich die Zeiger wieder - auch wenn die Uhr zwei Minuten vor gehe. Mario Franz hofft, dass die Uhr die bevorstehende Umstellung auf die Winterzeit aus eigener Kraft schafft. "Das ist kurios: Die Umstellung kriegt sie immer hin. Aber drei, vier Tage später streikt sie dann oft und ich muss wieder hoch."

Einen traurigen Eindruck macht die Bahnhofsuhr zur Stadtseite, wie das gesamte Gelände ringsherum. Es ist verkauft worden, erfuhr SVZ von der Deutschen Bahn. An eine Immobiliengesellschaft. An der Rückseite des Backsteinbaus wird schon seit längerem keine Zeit mehr angezeigt. Somit gäbe es auf dem Bahnhofsgelände keine öffentliche Uhr mehr, meint Edelgard Hesse.

Zur Uhr in der Weinbergstraße schaut sie häufiger hin, wenn sie unterwegs ist. Sie wohnt ganz in der Nähe. "Das sind vier Uhren an einem Werbeständer, drei davon gehen, eine nicht." Und das sei just die, die zur Stadtseite zeigt. Bei Busreisenden, die in dieser Straße einstiegen wollen, könne dies zu leichten Irritationen führen, findet die Crivitzerin.

Edelgard Hesse fragt sich, ob eine gewisse Gleichgültigkeit eingezogen ist, eine Gleichgültigkeit, die eine schlechte Visitenkarte ist.

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