"Immer was Neues, bloß keinen Trott"

<fettakgl>Ungeniert</fettakgl> zeigt die 'Fortuna' des Künstlers Rainer Sperl, was sie hat. Galeristin Sylvia Henschel zeigt in der aktuellen Ausstellung einen 'Art-Mix', also verschiedenste Kunstrichtungen.<fotos> Karina Hoppe</fotos>
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Ungeniert zeigt die "Fortuna" des Künstlers Rainer Sperl, was sie hat. Galeristin Sylvia Henschel zeigt in der aktuellen Ausstellung einen "Art-Mix", also verschiedenste Kunstrichtungen. Karina Hoppe

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27. Juli 2010, 07:12 Uhr

Teterow | Sylvia Henschel sieht aus, wie eine Galeristin auszusehen hat: flottes Haar, schickes Kleid, auffallendes Tuch, prächtiger Silberschmuck. Doch da ist mehr. Allein die Leidenschaft für schöne Dinge ließe sie nicht diesen Erfolg haben mit der "Galerie Am Kamp", die jetzt seit 20 Jahren Künstler und Kunstverliebte in Teterow zusammenbringt. Eine Freundin habe es einmal auf den Punkt gebracht: "Wenn man mich vorne aus der Türe wirft, komm ich von hinten wieder rein." Vor allem Hartnäckigkeit brauche es, um als Galerie zu bestehen. Weitsichtigkeit dazu, Geschmack, eben einen Sinn dafür, was bei den Leuten ankommt. "Dafür auch, wie man die schönen Dinge verpackt!" Künstler haben nach Musik gemalt in der Galerie, Köche machten Kunst schmackhaft, Theatergruppen spielten, es wurde eingeladen zur karibischen Nacht und Künstler ließen ihre Werke direkt auf dem Hof der Galerie entstehen. "Immer was Neues, bloß keinen Trott."

Sonderausstellung "Art-Mix-Teterow"

Mehr als 500 Künstler haben in den zwei Jahrzehnten bei Sylvia Henschel ausgestellt, darunter Inge und Jo Jastram, Feliks Büttner, Günter Kaden, Sabine Naumann oder Jörg Parschau. Anlässlich des Jubiläums "20 Jahre Galerie Am Kamp" läuft die Sonderausstellung "Art-Mix-Teterow". 89 von den bisher 500 Künstlern zeigen je eines ihrer Werke, ob Malerei, Grafik, Plastik, Keramik oder Schmuck. Die Ausstellung läuft bis zum 14. September.

Obgleich das permanent zum Verkauf stehende Kunsthandwerk, darunter viel Schmuck , vor allem von Künstlern aus Mecklenburg-Vorpommern kommt, schaut die 53-Jährige doch weit über die Landesgrenze hinaus. "Das muss ich auch, sonst hätte sich das bald erschöpft." Aus ganz Deutschland kommen die zeitgenössischen Maler, Bildhauer, Grafiker, Keramiker und andere, von Übersee auch. Gleiches gilt für die etwa 800 festen Kunden der Galerie. Hier profitiere Sylvia Henschel vom Flughafen Laage. "Viele Süddeutsche haben ein Domizil an der Ostsee, wenn sie kommen, besuchen sie auch uns."

Sylvia Henschel kommt aus der Keramik. 1989 zogen sie und ihr Mann, der Keramiker Friedemann Henschel, von Havelberg nach Panschenhagen bei Waren. Sie bauten mit einem weiteren Keramiker ein altes Gut aus. Nach der Wende ergab sich in den Räumlichkeiten des "Neuen Forums" die Möglichkeit, auszustellen. In einer "größeren Wohnstube" übte sich Sylvia Henschel als Galeristin auch über die Keramik hinaus und fand Geschmack daran, "obwohl es anfangs doch sehr schwer war, ich kannte ja hier niemanden". Sie fuhr zu den Künstlern nach Hause, warb für ihr Vorhaben, "nicht immer leicht bei den Mecklenburgern, die schauen doch lieber erstmal von weitem, aber wenn man sie für sich gewonnen hat, funktionierts". Die "Kleine Galerie" - so hieß sie damals - zog bald in größere Räumlichkeiten, bis sie schließlich im Schulkamp 5 strandete. Die Träger wechselten, erst gehörte die Galerie zum Thünenmuseum Tellow, dann zur Kulturstiftung Teterower Kreis, später zur Freizeit- und Naherholungsgesellschaft GmbH, bis sie Unterschlupf im Kunstverein Teterow fand. Bei ihm ist Sylvia Henschel auch heute angestellt.

Dennoch, in der "Galerie Am Kamp" geht es eher bergauf, als bergab. Aber man müsse heute mehr dafür tun, als noch vor Jahren. "Du musst den Kunden von zu Hause abholen." Die Stammkunden wollen gepflegt sein, und Künstler entdeckt. Obgleich die Galerie die nächsten Jahre ausgebucht ist, fährt Sylvia Henschel quer durch Deutschland zu Ausstellungseröffnungen, um vielleicht doch noch einen in ihr Konzept passenden Künstler nach Teterow zu locken.

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