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Verbraucherzentrale: Rund 40.000 persönliche Beratungen im Vorjahr : Immer neue Maschen und Probleme

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Dubiose Positionen auf der Telefonrechnung, Dioxin in Lebensmitteln, Abzocke im Internet, Betrug von Partnervermittlern - die Probleme, mit denen sich Verbraucher herumschlagen müssen, werden nicht weniger.

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erstellt am 14.Mär.2011 | 07:35 Uhr

Rostock | Dubiose Positionen auf der Telefonrechnung, Dioxin in Lebensmitteln, Abzocke im Internet, Betrug von Partnervermittlern - die Probleme, mit denen sich Verbraucher herumschlagen müssen, werden nicht weniger. Das spürt auch die Neue Verbraucherzentrale MV. Rund 40 000 Beratungsgespräche führten die Mitarbeiter im Vorjahr, etwa zehn Prozent mehr als 2009. Hinzu kamen an die 34 000 telefonische Anfragen. "2010 war unser bisher erfolg reichstes und stabilstes Jahr", sagte Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Verbraucherzentrale MV, im Vorfeld des heutigen Weltverbrauchertages.

In diesem Jahr muss er aber schon wieder mit spitzerer Feder rechnen. Das große Klimaprojekt ist ausgelaufen, und die Unabhängige Patientenberatung musste fast zwei Monate lang pausieren. Um die geringeren Einnahmen auszugleichen, haben Mitarbeiter ihre Stunden reduziert. Wenigstens zeigt sich das Land als stabiler Partner. In diesem Jahr seien 337 000 Euro als direkte Unterstützung für die Verbraucherzentrale geplant, erklärte eine Sprecherin des zuständigen Ministeriums. Hinzu kämen rund 167 000 Euro für das Ernährungsprojekt und 117 000 Euro für den wirtschaftlichen Verbraucherschutz. Von Idealbedingungen sei man dennoch weit entfernt, so Fischer. Die ins titutionelle Förderung - also ohne die Projektgelder - liege bei rund 20 Cent pro Einwohner. Ein Euro sollte es nach Meinung der Verbraucherschützer jedoch wenigstens sein. "Wir stehen nicht vor dem Untergang. Aber wenn man sich anschaut, wie viele neue Fragestellungen auftauchen und wie schnell Betrüger neue Maschen entwickeln, erkennt man, dass der Beratungsbedarf auch in Zukunft immer größer werden wird", betonte Jürgen Fischer. Neueste Idee der Abzocker: Die Kosten für angeblich abgeschlossene Verträge werden nicht mehr separat, sondern über die normale Telekomrechnung abgerechnet. Und dort würden dann plötzlich vier- oder fünfstellige Beträge erscheinen. "Dass so etwas rechtlich zulässig ist, ist ein Unding", so Fischer.

Auch wenn Jürgen Fischer das Land der Verbraucherzentrale gegenüber durchaus wohlgesonnen sieht, will er den bevorstehenden Wahlkampf für eine Diskussion auch über die Finanzen nutzen. Seine Forderung, die Verbraucherschützer mit mehr Geld auszustatten, richtet sich keinesfalls nur an die Landesregierung, sondern vor allem an Städte und Landkreise. Nach 1990 hatten sich viele Kommunen an der Finanzierung beteiligt, doch dieser Posten sei fast komplett weggebrochen. Lediglich Güstrow, Neubrandenburg und Schwerin lassen sich den Verbraucherschutz noch etwas kosten.

Die sechs Beratungsstellen in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Güstrow, Wismar und Stralsund reichen nicht aus, um jedem Einwohner die Chance zu bieten, sich persönlich beraten zu lassen. Doch das ist häufig nötig. "Viele Fälle sind so komplex, dass man sie nicht am Telefon besprechen kann", so Dr. Jürgen Fischer. Mit Blick auf die Kreisgebietsreform hat er deshalb ein Ziel: "Jeder künftige Landkreis und jede kreisfreie Stadt sollte eine Beratungsstelle haben und sich an den Kosten beteiligen." Das würde bedeuten, dass im Raum Greifswald sowie im Landkreis Ludwigslust/Parchim neue Büros eingerichtet und in Wismar das Angebot ausgebaut werden müssten.

Im kommenden Jahr hat die Verbraucherzentrale ein neues finanzielles Problem: "Unsere Einnahmen aus der Beratung werden voll besteuert. Bei den derzeit rund 120 000 Euro fehlen uns dann schon wieder 25 000 Euro", so Fischer.

Ganz oben auf der Liste der Beratungsthemen steht nach wie vor der Wechsel des Telefonanbieters, gefolgt von Strom- und Gaspreisen und der Abzocke per Telefon. Sichere und gesunde Lebensmittel, Krankenkassen, Partnervermittlung, Altersvorsorge und Geldanlage sowie Probleme mit der GEZ landen ebenfalls in den Top Ten.

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