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Lokales

18. Oktober 2017 | 13:32 Uhr

Immer mehr häusliche Gewalt

vom

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2010 | 07:48 Uhr

Sternberg | Die häusliche Gewalt, vorwiegend gegen Frauen, ist im Landkreis Parchim im Aufwärtstrend. Das berichtet, Annette von Berg (44), Leiterin der Parchimer Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt. Sie rechnet vor, dass allein im ersten Halbjahr 2010 fast so viel neue Betroffene zu ihr kamen, wie es im gesamten Vorjahr waren, nämlich 35.

Ein besonderes Phänomen ist dabei die deutliche Zunahme von Stalking (deutsch: Nachstellung). Derzeit seien im gesamten Landkreis Parchim bereits zehn Prozent aller bei ihr Hilfe suchenden Gewalt-Fälle Stalkingopfer. Und psychische Gewalt sei es alle Mal, wenn zu jeder Tag- oder Nachtzeit das Telefon klingelt , eine E-Mail-Flut auf dem heimischen PC landet, die bedrängenden oder beleidigenden SMS kein Ende haben oder sich der Stalker ständig in der Nähe des Opfers aufhält. Die physische oder psychische Unversehrtheit der bedrängten Person, und dies sind meist Frauen, ist durch Stalking bedroht oder kann geschädigt werden. Die meisten derartigen Fälle gebe es aktuell im Raum Parchim und Lübz, so die Fachfrau.

Betroffene sollten frühzeitig dagegen vorgehen und Hilfe suchen, rät sie. "Stalkern geht es um Machtausübung und Kontrolle. Er will sein Machtobjekt behalten. Mit Liebe hat Stalking nichts zu tun. Die Opfer, oftmals geschiedene Frauen, sollten ihre Familien, Freunde, Nachbarn, Arbeitgeber und Bekannte informieren, denn auch Öffentlichkeit kann schützen", rät Annette von Berg. Ganz wichtig seien Anzeigen bei der Polizei und das Dokumentieren der Belästigungen in einem "Stalking-Tagebuch".

Häusliche Gewalt könne sehr viele Gesichter haben, erläutert Annette von Berg. Das weite Spektrum reicht von systematischen Gewalthandlungen und Einschüchterungen, über sexuelle Gewalt bis hin zu sozialer und ökonomischer Gewalt. Gerade in letzter Kategorie hat sich im Landkreis mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und vielen Hartz IV-Empfängern eine relativ neue Art von Gewalt herausgebildet. "In den Bedarfsgemeinschaften wandert das monatliche Geld auf das Konto eines Familienmitglieds. Dem anderen wird Einkommen mitunter gänzlich vorenthalten. Da ist auch vom Gesetzgeber her Handlungsbedarf, den jeder in der Bedarfsgemeinschaft sollte sein Auskommen haben", meint die Beraterin. Ähnliche Fälle gebe es natürlich auch in Familien, wo nur einer das Geld erarbeitet, der andere um jede Kleinigkeit betteln muss. Auch dies sei Gewalt, die das Opfer nicht auf Dauer tolerieren sollte.

In all den Fällen sollte der Kontakt zur Beratungsstelle gesucht werden. Hilfe ist anonym und kostenlos. Annette von Berg kommt auch zu den Opfern nach Hause, denn vielen Betroffenen fehlt es an Fahrgeld oder sie können aus anderen Gründen (z. B. Kinder) nicht nach Parchim reisen.

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