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Imkernachwuchs dringend gesucht : Imkerei als Wahlpflicht in der Schule

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Jeder Schüler, der teilnehmen möchte, bekommt zum Winter eine alte Beute aus dem Wanderwagen und kann sie aufarbeiten, um dann selbst Honig zu erzeugen, kündigt Willfried Klammer an.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 07:24 Uhr

Brüel | Jeder Schüler, der teilnehmen möchte, bekommt zum Winter eine alte Beute aus dem Wanderwagen und kann sie aufarbeiten, um dann selbst Honig zu erzeugen, kündigt Willfried Klammer an. Der Vorsitzende des Imkervereins Sternberg und Umgebung und seine Frau Rita hatten der sechsten Klasse aus der Regionalen Schule Brüel viel Wissenswertes über die Welt der Bienen vermittelt. Und zur Theorie gab es Anschauungsunterricht; Drohnen, die stachellosen Bienenmännchen, gingen von Hand zu Hand.

Die zwei Unterrichtsstunden in ungewohnter Umgebung sollten eine Art Schnupperkurs sein. Am Montag erwarten die beiden Hobbyimker noch die siebente Klasse. Ab dem neuen Schuljahr kann die Brüeler Schule Imkerei als Wahlpflichtfach anbieten, wöchentlich drei Stunden. Die Anregung kam von Biologielehrerin Silke Völzow, die auch federführend für den Gesundheitsunterricht ist, erzählt Rita Klammer. Beim einheimischen Imkerverein traf die Idee sofort auf Gegenliebe. Mecklenburg-Vorpommern habe bundesweit die wenigsten Imker, und deren Altersdurchschnitt liege bei 70 Jahren. "Mit Mitte 50 gehören wir zu den Jüngsten. Ich finde, da kann man sich schon Sorgen machen. Wenn es immer weniger Imker werden, gibt es auch weniger Bienen. Der Schaden für die Pflanzenwelt ist nicht vorstellbar. Dabei ist die Imkerei so ein schönes Hobby", sagt die Brüelerin, eine ehemalige Biologielehrerin. Willfried Klammer nennt noch einen Fakt: "80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen, etwa zwischen 2000 und 3000 Arten, sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen."

Das Ehepaar ging einst gemeinsam zur Schule. "In der fünften Klasse haben wir in Biologie einen Imkerwagen besucht. Das war ein Erlebnis, das sich bis heute eingeprägt hat", erzählt der Brüeler. Im Imkerverein habe es lange keine aktive Jugendarbeit gegeben. "Das wollen wir ändern. Auch ein Bienenlehrpfad soll entstehen. Anträge auf Förderung, die für Jugendarbeit gewährt wird, sind gestellt, wie für Schutzbekleidung. Vom Landwirtschaftsministerium kam bereits eine Zusage", so der Vereinschef.

Die Schüler seien sehr aufmerksam gewesen und interessiert, hat Rita Klammer festgestellt. Schade, dass etwa die Hälfte weg gehe zum Gymnasium. Vielleicht könnten sich wirklich Interessierte in einer Arbeitsgemeinschaft wiederfinden, denkt Rita Klammer laut nach. Drei Jungen hätten sich spontan für das neue Wahlpflichtfach entschieden. Der Anfang solle mit sechs bis acht Schülern erfolgen. Auch Lehrerin Petra Zimmermann zeigt sich sehr angetan. Es sei schon erstaunlich, wie überaltert die Imkervereine sind. "Deshalb finde ich es gut, verstärkt an junge Leute heranzugehen, damit die Imkerei erhalten bleibt. Wenn sich Schüler zwei Jahre im Wahlpflichtunterricht damit befassen, bleibt vielleicht mancher dabei."

Zwei Voraussetzungen gäbe es jedoch, bekamen die Mädchen und Jungen mit auf den Weg. Sie müssten sich trauen, dürften keine Angst und keine Al lergie gegen Bienenstiche haben. Und die Schüler sollten an die leckeren Schnitten denken, für die sie den Honig dann als Jungimker im Unterricht selbst herstellen könnten.

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