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Lokales

23. Oktober 2017 | 11:52 Uhr

Im Verein "Erholung" gibt es Stress

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2010 | 06:01 Uhr

Weststadt | Drei Jahre lang war Horst Priewe stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Schwerin, zuständig für Verbands- und Rechtsfragen. Nun hat er sein Amt niedergelegt. "Ich fühle mich aufs Per sönlichste gekränkt", sagt Priewe. Stein des Anstoßes: ein Bau projekt im Kleingarten-Verein "Erholung" in der Weststadt, in dem der 54-Jährige selbst Vorsitzender ist. Priewe hatte den Lauben-Umbau genehmigt, der Kreisverband verhängte einen Baustopp.

Blick auf den Ostorfer See, leichte Hanglage - das Grundstück, auf dem nun die Arbeiten ruhen, lässt das Herz jedes Kleingärtners höher schlagen. Auch der Puls von Horst Priewe steigt, wenn er auf das Thema zu sprechen kommt. "Die neue Eigentümerin wollte das Haus aus den 70er-Jahren sanieren", erzählt er. Das habe ihr der Vereinsvorstand genehmigt, obwohl die Laube mit 36 Quadratmeter Grundfläche größer sei als die heute erlaubten 24 Quadratmeter. "Aber die Häuser aus DDR-Zeiten genießen Bestandsschutz", erklärt der Vereinsvorsitzende. Bei den Bauarbeiten habe sich dann jedoch herausgestellt, dass die jet zigen Wände das geplante neue Dach nicht tragen würden, also seien mit Einverständnis des Vorstandes auch die Wände erneuert worden. "Dabei haben wir nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", betont Priewe.

Dass auf der alten Grundfläche nun praktisch mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen wurde, blieb allerdings nicht ohne Folgen. "Ich erhielt zunäc hst eine Anfrage, in der es unter anderem um den Baulärm und den Bauzau n ging", berichtet der Vorsitzende. Plötzlich seien dann in den Info-Kästen auf dem Vereinsgelände mysteriöse Aushänge aufgetaucht, wonach es künftig erlaubt sei, auf dem Gebiet der "Erhol ung" auch Gartenhäuser mit einer Größe von 36 Quadratmetern und zwei Etagen zu bauen, so Priewe.

Kreisverband ordnete Baustopp an

Kritiker des Bauprojektes hätten sich schließlich an die Stadt gewandt und den Kreisverband der Gartenfreunde als Generalpächter eingeschaltet, schildert der ehemalige stellvertretende Vor sitzende. Konsequenz: Mit Hinweis auf die zuläs sigen 24 Quadratmeter habe der Kreisverband einen Baustopp angeordnet. "Wer soll die Kosten für einen eventuellen Rückbau über neh men?", fragt Priewe. Der Verein "Erholung" könne das Geld jedenfalls nicht auf bringen, sagt der Vereinschef.

Und wie sieht nun die Rechtslage aus? Nach Angaben der Stadt sind Gartenlauben nicht baugenehmigungspflichtig. Die Gartenvereine hätten aber da rauf zu achten, dass die Regelungen zur Laubengröße, zum Laubenausbau und zu weiteren Punkten im Verein eingehalten würden. Alle Kleingärtner müssten sich ihre Bauvorhaben durch den Vereinsvorstand genehmigen lassen. Werde zu groß gebaut, müsse der Vorstand dagegen vorgehen. Bei Überschreiten der erlaubten Laubenmaße könne aber auch das Bauordnungsamt eingreifen.

Die Gretchenfrage im konkreten Fall: Sanierung oder Neubau? Die Antwort aus der Baubehörde nur grundsätzlich: Werde ein Gartenhaus bis auf die Grundplatte abgetragen, handele es sich nicht um eine Sanierung, sondern um einen Neubau, dann erlösche der Bestandsschutz.

So sieht sich auch Wolfram Görs, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Schwerin, mit dem Baustopp im Recht. Es solle kein Präzedenzfall geschaffen werden, betont der Verbandschef gegenüber unserer Zeitung und verweist da rauf, dass er die ganze Sache einem Anwalt übergeben habe. Rechtsbeistand hat sich nach SVZ-Informationen auch die Eigentümerin der umstrittenen Laube geholt.

Horst Priewe bleibt bei seiner Kritik, spricht von "Vertrauensbruch". Er habe sich mehr Unterstützung er wartet, sagt der Chef von 320 Kleingärtnern im Verein "Erholung". Und zur Sache: "Die Frage des Bestandsschutzes ist hier nicht eindeutig."

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