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Im Einsatz für Sicherheit, Service und Sauberkeit

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erstellt am 30.Jun.2011 | 10:20 Uhr

Rostock | Er wird auch der Kümmerer vor Ort genannt. Dabei ist Ingo Mau, der Leiter des Managements am Rostocker Hauptbahnhof, längst nicht nur für diesen einen Bahnhof zuständig. Auch Gelbensande, Bützow, Mölln und Neubrandenburg fallen in sein Aufgabengebiet. Insgesamt betreut er 66 Bahnhöfe. "Der Rostocker ist aber der wichtigste", sagt Mau. Hier steigen täglich 22 000 Reisende ein und aus. Im Gespräch mit NNN-Reporterin Rebekka Poesch spricht der 53-Jährige über Sicherheit, Service, Sauberkeit und andere Herausforderungen, die sein Job mit sich bringt.

Im Vergleich zu manch anderem Bahnhof ist der Rostocker Hauptbahnhof hell, freundlich und sauber. Wie schaffen Sie es, dass Reisende sich hier wohlfühlen?

Mau: Wir begehen den Bahnhof täglich und überprüfen dabei unter anderem die Technik. Zum Glück haben wir sehr gute Dienstleister, die schnell reagieren, wenn zum Beispiel die Beleuchtung nicht funktioniert. Auch der Branchenmix bei unseren Mietern trägt dazu bei, dass sich die Reisenden wohlfühlen. Vom Bäcker bis zum Zeitschriftenladen - hier gibt es alles, was sie brauchen. Hinzu kommt, dass die Verbindung zum Öffentlichen Personennahverkehr optimal ist, genauso wie die Lage. Nur zehn Minuten und man ist in der Innenstadt.

Seit Mai finden sich dank Tastschrift auch Blinde und Sehbehinderte am Bahnhof zurecht. Wo besteht im Hinblick auf die behindertengerechte Ausstattung noch Verbesserungspotenzial?

Zurzeit sind wir nah am Optimum dran. Dennoch: Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer. Und im Laufe des Jahres werden wir sicher noch Hinweise der Behindertenverbände bekommen, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Denn wir wollen den Bahnhof so angenehm wie möglich gestalten. Pro Jahr zählen wir 2000 Hilfeleistungen für Menschen mit Handicap oder auch Mütter mit Kindern, die sich über unsere Mobilitätszentrale anmelden können. Weiter verfügen wir über Mobilitätsteams, die zu kleinen Bahnhöfen fahren und beispielsweise beim Umsteigen auf andere Transportmittel helfen. Das kommt rund 600-mal pro Jahr vor.

Welche Projekte haben Sie in den vergangenen Jahren sonst noch umgesetzt?

Von 1999 bis 2003 wurde der gesamte Bahnhof umgebaut. Das hat 77 Millionen Euro gekostet. 43 Millionen Euro davon sind in die Straßenbahnunterführung geflossen, der Rest unter anderem in die Bahnsteige, das Empfangsgebäude, die Gleisanlagen und die Aufzüge. Von 2008 bis 2011 kamen dann eine Fahrgastinformationsanlage, eine Fahrradabstellanlage sowie eine neue DB Information hinzu. Außerdem wurde der Bahnhof mit Automatik-Türen und neuem Inventar wie Sitzgruppen ausgestattet.

Welche Projekte stehen in den kommenden Jahren noch an?

2012 wollen wir gegenüber von Gleis 6 eine neue Bahnsteigkante bauen. Denn ab Dezember 2012 fahren wir in Spitzenzeiten nicht mehr im 10-, sondern im 7,5-Minuten-Takt nach Warnemünde. Dafür reicht die derzeitige Kapazität nicht aus. Mit der neuen Bahnsteigkante muss natürlich auch das Wegeleitsystem angepasst werden. Darüber hinaus soll in Zusammenarbeit mit Stadt und Verbänden die Radfahrersituation verbessert werden.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Streiks. Wie gehen Sie mit Ausnahmesituationen wie diesen vor Ort um?

Dazu muss ich sagen: Wir wollten diese Streiks nicht und waren gleichermaßen wie die Kunden davon betroffen. In solchen Fällen erhalten die Reisenden eine umfassende Betreuung und dazu Verzehrgutscheine. Außerdem richten wir einen zusätzlichen Informationsstand ein und helfen bei der Weiterreise.

Im März haben Jugendliche eine 21-Jährige am Hauptbahnhof überfallen. Und am Herrentag wurde ein Mann am Bahnhof in Warnemünde zu Tode geprügelt. Was tun Sie, um für mehr Sicherheit zu sorgen?

Uns ist ganz wichtig, dass es hier hell ist. Wir wollen keine dunklen Ecken. Des Weiteren arbeiten wir eng mit der Landes- und der Bundespolizei sowie mit der Feuerwehr zusammen. Mit der Bundespolizei treffen wir uns einmal pro Monat zu einer Beratung. Vor Großveranstaltungen kommen wir sogar noch häufiger zusammen. Unser Hauptziel ist die Prävention. Bei einem Hansa-Spiel bedeutet das zum Beispiel, dass der Fahrdienstleiter die Züge anders leitet. Wenn aus Greifswald und aus Hamburg Züge voll mit Fans ankommen, können diese nicht am selben Bahnsteig halten. Die Polizei ist aber auch darüber hinaus mehrfach täglich auf dem Bahnhof unterwegs. Kommt es dennoch zu Straftaten, helfen oftmals die Kameras bei der Aufklärung. Als Bahnmitarbeiter sehen wir die Aufzeichnungen aber nicht, dazu ist nur die Bundespolizei berechtigt.

In den Sommermonaten ist der Bahnhof von Touristen stark frequentiert. Wie stellen Sie sich auf diesen Ansturm ein?

Wir haben saisonal abgestimmte Dienstpläne. Außerdem verstärken wir zu bestimmten Anlässen das Personal. So kommen zur Hanse Sail Auszubildende aus Berlin und unterstützen uns. Und auch wir Führungskräfte sind dann im Einsatz. Denn es soll keine Schlangenbildung geben. Da die Schließfächer an solchen Tagen schnell überfüllt sind, richten wir einen Stand ein, an dem wir Gepäck annehmen und es verwahren. Und unsere Mitarbeiter werden, auch was Fragen zur Stadt und zur jeweiligen Veranstaltung betrifft, gut geschult. Das gehört einfach dazu.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Rostocker Hauptbahnhofs?

Dass noch mehr Bürger die Bahn von und nach Rostock nutzen. Und dass sowohl Reisende als auch Mieter und Mitarbeiter stets zufrieden sind. Ich wünsche mir auch, dass die Schmierereien nachlassen, derer wir uns kaum erwehren können. Wir malern und malern und entdecken am Tag darauf doch wieder einen Kringel.

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