Im Dienst der Forschung

Viel Fingerspitzengefühl braucht Glasbläser Matthias Auer bei seiner Arbeit. Geos
Viel Fingerspitzengefühl braucht Glasbläser Matthias Auer bei seiner Arbeit. Geos

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27. April 2010, 12:14 Uhr

Rostock | Quarzsand, Pottasche, Kalk und diverse Zusatzstoffe bilden die Arbeitsgrundlage von Glasbläser Matthias Auer. Mit seinem gasbetriebenem Spezialbrenner, viel Fingerspitzengefühl und sensibler Puste bringt er Glasröhren und -stäbe verschiedener Durchmesser in komplizierte Formen. Auer stellt bei der Langen Nacht der Wissenschaften am Donnerstag die Attraktion des Leibniz-Instituts für Katalyse (Likat) dar. Wie die anderen wissenschaftlichen Einrichtungen Rostocks öffnet es zwischen 18 und 23 Uhr seine Türen, um den Besuchern die Arbeit seiner Angestellten vorzuführen.

Ohne Auers Tätigkeit im Likat wären einige Wissenschaftler in ihrer Forschung kaltgestellt. Dort arbeitet der Glaskünstler seit mehr als drei Jahren in der hauseigenen Werkstatt. "Das ist für mich noch interessanter und anspruchsvoller als meine vorherige Arbeit an der Uni", sagt er. Die Wissenschaftler kommen mit ihren Vorstellungen zu ihm und dann heißt es beraten und tüfteln. "An der Uni wurde viel repariert, hier wird viel neugebaut", sagt der 45-Jährige. Da müsse man sich trauen und Vorstellungsvermögen haben. "Es ist immer wieder schön zu sehen was man machen kann", sagt Auer

Arbeit überzeugt den Bundespräsidenten

Von seinen Fähigkeiten hat sich sogar schon Bundespräsident Horst Köhler überzeugt. Bei einem Besuch im Jahr 2008 begutachtete er unter anderem auch Auers Glasapparatur - eine sogenannte Wasserstoff-Fabrik. "Das war schon eine tolles Gefühl." Seine anspruchvollste Arbeit allerdings war ein Quarz-Schwingscheibenviskosimeter zur Messung von Gasen unter verschiedenen Drücken und Temperaturen. "Vom technischen Anspruch ist das mit das höchste", sagt Auer. Es sei wie bei einem Kartenhaus: geht der letzte Arbeitsgang schief, muss man komplett neu beginnen. Bisher - freut sich Auer ein bisschen stolz - ging aber immer alles glatt. Seinen Alltag prägen allerdings verschiedenste Spezialglasapparaturen für die Forschung.

Mit Auer bietet das Likat den Besuchern eine echte Rarität. Denn die Vertreter seiner Zunft sind in Mecklenburg-Vorpommern rar gesät. "Es gibt Kollegen an der Uni Rostock, an der Uni Greifswald und ein paar Private, mehr nicht", sagt Auer. Einmal im Jahr kommen sie mit Glasbläsern aus der ganzen Republik zum Erfahrungsaustausch zusammen. "Auch Alte lernen noch von den Jungen", sagt Auer. Allerdings gibt es von ihnen nur sehr wenige. Mangels Plätzen hat der Nachwuchs es schwer, überhaupt Fuß zu fassen. "Es ist eine begehrte Zunft", so der 45-Jährige. Der Trend gehe dahin, dass die Institute und Universitäten sich eigene Werkstätten zulegen. Das Likat hatte aber schon immer seit seiner Gründung im Jahr 1952 einen Glasbläser im Haus.

Damals wurde noch viel mit Asbestpapier gearbeitet. Heute werden Ersatzstoffe eingesetzt. "Das Glas hat sich natürlich nicht verändert", sagt Auer. Es ist immer noch sehr schwer zu kontrollieren. Gleichmäßiges Drehen während des Erhitzens und Ausblasens sind gefordert. Dabei trägt Auer eine Spezialbrille, die die gelbe Färbung der Natriumflamme rausfiltert. Die Verletzungsgefahr ist gering, auch wenn er sich schon mal verbrannt oder geschnitten hat: "Glas sieht man eben nicht an, ob es heiß ist." Das Glasblasen ist aber nur eine der von ihm beherrschten Techniken. Dazu kommen noch schneiden, schleifen oder bohren - eben alles, was am Glas anwendbar ist.

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