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Illegal: Ballerspiele inmitten der Schwinzer Heide

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erstellt am 04.Mai.2010 | 11:45 Uhr

Karow | Der Schrecken schoss Mitgliedern des Fördervereins Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide in die Knochen, als sie dieser Tage nahe Bossow unterwegs waren. Ein seit Jahrzehnten umzäuntes und bis vor kurzem auch streng bewachtes Gelände entpuppte sich nicht nur als Refugium unscheinbarer Naturschätze, sondern auch als Tummelplatz jugendlicher Frevler. Auf frischer Tat wurden zwei junge Männer in Tarnkleidung beim Paintball-Spielen in den Militärruinen ertappt. Unweit hatten es sich die begleitenden Mädchen beim Picknick gemütlich gemacht.

Abgesehen vom unerlaubten Betreten des noch immer gefährlichen Areals bei Bossow, kommt die Ausübung der "Trend-Sportart" hier einer Straftat sehr nahe. Paintball (Gotcha) - das gegenseitige Beschießen mit Gelatinekugeln, die beim Auftreffen zerplatzen und Farbe freisetzen - ist rechtlich höchst umstritten. Als so genannte Markierer wird eine Gasdruckwaffe verwendet.

Der Fördervereinsvorsitzende und Hausherr Ralf Koch hat von einer Anzeige abgesehen, da sich die Jugendlichen einsichtig zeigten und widerspruchslos den Heimweg Richtung Krakow antraten.

Vor gut einem Jahr hatte der Förderverein das einstige Militärobjekt erworben, um u. a. bedrohten Fledermausarten geschützte Quartiere in früheren Munitionsbunkern zu schaffen. Auch Amphibien und Vögel sollten hier günstige Rückzugsbedingungen finden, wo "Natur - grundbuchamtlich gesichert - den Vorrang vor allen anderen Nutzungen haben" würde. So jedenfalls hofften es die ehrenamtlichen Förderer und hauptamtlichen Schützer der sensiblen Naturparkregion.

Wie geeignet das Grundstück als Naturschutzobjekt tatsächlich ist, entdeckte Naturpark-Ranger Steffen Päßler eher zufällig. Im tiefsten Winter hatte er gemeinsam mit anderen Mitarbeitern der Naturwacht in der Krone einer stattlichen Kiefer einen künstlichen Horst montiert, von dem sich die Experten erhoffen, dass er bald von einem Seeadlerpärchen oder anderen seltenen Raubvögeln angenommen werde. Ausgerechnet am Fuße dieses Horstbaumes spross ein unscheinbares Pflänzchen, das das Botanikerherz höher schlagen ließ. "Im unteren Rindenbereich der Kiefer wächst sprossender Bärlapp", hat Steffen Päßler der überraschten Naturparkverwaltung gemeldet. Die Frühlingssonne enthüllte eines der größten Vorkommen dieser streng geschützten Art in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

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