IHK verzichtet auf Problem-Neubau

Überraschung beim gestrigen Neujahrsempfang der IHK zu Schwerin: Der neugewählte Präsident, Hans Thon, will auf den von seinem Vorgänger vorangetriebenen Neubau eines repräsentativen Kammer-Gebäudes vollständig verzichten. Selbst wenn die 14,4-Millionen-Investition nicht mehr gestoppt werden könne, solle das Gebäude vermietet werden.

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08. Januar 2009, 08:23 Uhr

Schwerin | Kein IHK-Mitarbeiter werde in das neue Gebäude einziehen, sagte Thon gestern Abend am Rande des Neujahrsempfangs der Industrie- und Handelskammer. Derzeit werde geprüft, ob der bereits begonnene Bau gestoppt werden könne oder ob dies wegen bestehender Verträge zu teuer sei. Sollte der Bau weitergeführt werden, werde eine Vermietung oder ein Verkauf angestrebt, sagte Thon. Die Kosten für den IHK-Neubau werden derzeit auf 14,4 Millionen Euro geschätzt. Das sei den Unternehmen schwer klar zumachen, sagte Thon vor 400 Wirtschaftsvertretern.

Im Herbst wurde die Vollversammlung unter dem Präsidenten Jörgen Thiele abgewählt, weil offenbar die Mehrheit der Mitgliedsunternehmen auf der Seite der Neubau-Gegner war. Die machten seit der Vorlage der Star-Architektenpläne im Januar 2007 Front gegen die damals 12-Millionen-Investition, da der IHK ohnehin schon ein Gebäude in bester Innenstadtlage gehört.

Dennoch wurde auf Beschluss der damaligen Vollversammlung das Investitionsvorhaben vorangetrieben, für dessen Bauplatz mit Blick auf das Schweriner Schloss IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe schon Anfang der 90er das Grundstück am Burgsee für die Kammer gekauft hatte. Der neue Präsident Hans Thon kündigte gestern an, bis zur IHK-Vollversammlung in zwei Wochen eine Entscheidung zur Zukunft des Gebäudes vorzubereiten. Die IHK haben zweieinhalb Jahre den Eindruck vermittelt, dass es nur um das Gebäude ginge, das sei bedauerlich, sagte Thon gestern. Der Schweriner Unternehmer war Anfang Dezember nach von der zu drei Vierteln neu besetzte Vollversammlung zum neuen Präsidenten gewählt worden.

Das alte Kammerparlament hatte noch in seiner letzten Sitzung unmittelbar zuvor den Wirtschaftsplan für die Bauinvestition bestätigt und damit die Auseinandersetzung geschürt. Zuletzt herrschte zudem Verwirrung um ein Gutachten, das bereits 2007 Kosten von 15 Millionen Euro prognostiziert habe. Das erschütterte das Vertrauen des neuen Präsidiums gegenüber der Hauptgeschäftsführung zusätzlich. Thon: "sollten weitere Personalentscheidungen notwendig sein, werden die umgesetzt."

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