IHK-Streit: Rothe gibt nicht auf

Tag eins nach seiner Ab berufung als IHK-Haupt geschäftsführer: Seit gestern darf Klaus-Michael Rothe den Kammer-Sitz in der Schlossstraße nicht mehr betreten. Doch will er notfalls auf Wiedereinsetzung klagen. Das IHK-Präsidium richtet sich auf einen längeren Rechtsstreit ein.

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07. Mai 2009, 08:45 Uhr

Schwerin | Ausschlafen werde er trotz seiner Beurlaubung nicht: "Ich wache morgens immer exakt um dieselbe Zeit auf", sagt Klaus-Michael Rothe und ringt sich ein Lächeln ab. Nur wer dem 55-Jährigen in die Augen schaut, kann ahnen, wie es in ihm aussieht. 19 Jahre lang hat er hauptamtlich die Geschicke der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin geleitet, der rund 23 000 Unternehmen in Westmecklenburg angehören. Akribisch, fleißig, machtbewusst, wird gesagt. Am Dienstagabend endete die Ära vorerst, und das unrühmlich: Rothe, der wegen seines Eintretens für den IHK-Neubau am Burgsee verbandsintern in die Kritik geraten war, wurde von der IHK-Vollversammlung als Hauptgeschäftsführer abberufen (SVZ berichtete). Nach einer fünfeinhalb Stunden dauernden Debatte, bei der es bisweilen lautstark zuging, stimmten von 27 anwesenden Mitgliedern 23 für die Abberufung, zwei dagegen, zwei enthielten sich. 13 Vertreter hatten die Sitzung vorzeitig verlassen und nicht mitvotiert.

Seit gestern dürfe Rothe das Kammergebäude in der Schlossstraße 17 nicht mehr betreten, heißt es offiziell. Allenfalls nach vorheriger Anmeldung und dann auch nur in Begleitung. Amtierender Hauptgeschäftsführer ist jetzt Rothes bisheriger Vize, Ulrich Unger.

Das alles will Rothe nicht hinnehmen: "In meinem Dienstvertrag steht explizit, dass ich als Hauptgeschäftsführer der IHK angestellt bin." Notfalls werde er auch vor Gericht seine Wiedereinsetzung einklagen. Denn seine Abberufung sei "rechtswidrig" und eine "eindeutige Abstraf-Aktion". Sein Verhalten sei stets rechtmäßig gewesen, werde jetzt aber als "unbotmäßig" interpretiert. Einen juristischen Streit müsse er nicht scheuen, sagt Rothe: Auch mit Blick auf den Neubau könne er zu jedem Vorwurf "gerichtsfeste Gegenbeweise" erbringen.

Das sieht Hans Thon anders. Seit dem klaren Sieg der Neubau-Gegner bei den Neuwahlen zur Vollversammlung im Herbst 2008 ist der Schweriner Unternehmer neuer IHK-Präsident. Rothe sei nicht gekündigt worden, habe nach wie vor einen Arbeitsvertrag mit der IHK, betont Thon. "Aus seiner Organstellung als Hauptgeschäftsführer und damit zweite Säule der Kammer neben dem ehrenamtlichen Präsidenten ist er jedoch abberufen." Thon ist zuversichtlich, dies auch vor Gericht begründen zu können. "Wie Rothe mit den Ehrenamtlern verfahren ist, die gegen den Neubau waren, hat jegliches Vertrauen zu ihm zerrüttet." Wie berichtet, waren die jetzt das IHK-Parlament dominierenden Rothe-Kritiker gegen den Neubau, weil er überflüssig und mit mittlerweile auf 14,4 Millionen Euro geschätzten Kosten zu teuer sei. Auch fühlten sie sich von Rothe schlecht über das Projekt informiert und im Wahlkampf zur Vollversammlung in demokratischen Rechten behindert.

Da das Arbeitsverhältnis noch bestehe, werde die IHK Rothe nun eine angemessene Aufgabe offerieren, sagt Thon. "Wir werden aber jede mögliche Form der Auflösung des Arbeitsverhältnisses prüfen", fügt er hinzu. "Wir brauchen endlich einen Neuanfang und müssen zur Sacharbeit zurückkehren." Die Zahlung einer Abfindung dürfte für die IHK dabei die schlechteste Variante sein: Von fast einer Million Euro ist Rede, die die Kammer dann an Rothe zahlen müsste, der bis 2016 Vertrag hat.

Auch zum Neubau hat die IHK-Vollversammlung entschieden: Aus vertraglichen und betriebswirtschaftlichen Gründen wird die Kammer einziehen. "Ungern", sagt Hans Thon, "aber alles andere wäre wirtschaftlicher Wahnsinn."

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