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"Ich brauche das Unstete, die Herausforderung Jugend"

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erstellt am 28.Okt.2010 | 12:13 Uhr

Grabow | Bäcker hat er gelernt, der Backstube aber schon vor 17 Jahren den Rücken gekehrt. Animateur war er, allerdings nur anderthalb Jahre. Auf die ließ er fünf Jahre Künstleragentur folgen, in denen er durchschnittlich 160 Konzerte der Rostow Don Kosaken pro Saison managte und schließlich die Pflege Demenzkranker und behinderter Kinder. Nach langem beruflichen Suchen und Finden hat Volker Böhm - junger Vater, Rostocker und derzeit Wahl-Ludwigluster - vor gut einem Jahr erneut umgesattelt. Zum letzten Mal, hofft er.

"Ich mache eine Umschulung zum Erzieher", erzählt der 34-Jährige. Die dauert zwei Jahre, bereitet auf die so genannte Nicht schülerprüfung Staatlich anerkannter Erzieher vor . Es gibt sie seit fast anderthalb Jahren aus einem ganz einfachen Grund, weiß Volker Böhm: "Mehr als 40 Prozent der heutigen Erzieher sind älter als 55 Jahre. Das bedeutet natürlich, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren der Mangel an qualifiziertem Personal in Kinder- und Jugendeinrichtungen dramatisch sein wird."

In MV ist der staatlich anerkannte Erzieher seit langem Muss. Für Volker Böhm jetzt uch. "Die Alternative", sagt er, "wäre der Sozialassistent. Mit himmelweitem Unterschied. Bei zwar gleichen Berufsfeldern sind die Kompetenzen nicht vergleichbar. Als Assistenz darf ich praktisch nichts allein, immer muss ein Erzieher dabei sein."

Ein knappes Jahr noch, dann wird Volker Böhm seine Prüfung machen, der Erzieher und im Job ein stückweit sein eigener Herr sein. An die Ausbildung kam er über die Arge. Nach gerade mal zwei Monaten Hartz IV, schaut Böhm zurück und weiß, dass er unverschämtes Glück hatte. Das will er jetzt probieren und dann mit seinem Erzieher in die Sparte Jugendarbeit gehen. Nach bereits mehreren Praktika, u.a. im Awo-Jugendhaus in Dömitz, anderen Jugendhäusern und derzeit im Kindergarten der Awo in Grabow ist er sich seiner Sache sicher. "Die Arbeit mit den Jugendlichen in Dömitz hat mir richtig viel Spaß gemacht. Da war ich mit den jungen Leuten auf Augenhöhe, war mit Problemen konfrontiert, die mehr Tiefe haben, als den Buntstift richtig zu halten oder die Schuhe richtig anzuziehen", erklärt Volker Böhm. "Nicht, dass ich die Arbeit im Kindergarten nicht Wert schätzen würde. Im Gegenteil. Die Arbeit ist wichtig und zugeschnitten auf die Kleinen. Aber sie ist nicht meins."

Nach fast drei Wochen, in denen der Rostocker Praktika im Kindergarten und Hort der Kindertagesstätte "Märchenland" absolvierte, weiß er das ganz sicher. "Na klar, es ist schon ein tolles Gefühl, wenn die Lütten einen mit ihren großen Augen anstrahlen, wenn sie sich freuen, dass ich da bin und sich an meine Beine klammern, singen und tanzen, wenn ich Gitarre spiele. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, als Mann muss man dafür viel weniger tun, als die Frauen, die tagtäglich gute Arbeit machen. Aber es sind für mich eben auch nur drei Wochen Praktika. Eine überschaubare Zeit, nicht die Ewigkeit", sagt Volker Böhm ganz offen. "Ich will definitiv in die Jugendarbeit, ich brauche das Unstete, die Herausforderung der Jugend und durchgearbeitete Wochenenden."

Auf die wird er noch warten müssen. Nicht so auf die kleine Aktion, die er im Rahmen seines Kita-Praktikums mit den Drei- und Vierjährigen machen musste. Und die war gestern. Gemeinsam ging es zum Müllsammeln in den Wald. Und wahrscheinlich haben die Lütten noch nie mit so viel Begeisterung Papier, Plastik, Pappe und sogar leere Farbbehälter eingesammelt. "Die Idee war entstanden, als wir vor eineinhalb Wochen hier im Wald waren, um mit den Kindern Natur zu entdecken, Fuchs- und Hasenbaue zu suchen, Ameisenhaufen anzuschauen und Bäume. Da fanden wir auch den Müll, den, wie die Kinder jetzt wissen, böse Menschen weggeworfen haben. Gemeinsam haben wir ihn eingesammelt und werden ihn auch gemeinsam ordentlich und für die Kinder anschaulich entsorgen.

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