"Ich bin dann mal weg..."

Feierte gestern seinen 60. Geburtstag im Wald mit Freunden, Kollegen und Familie: Herbert Fuchs Katharina Hennes
Feierte gestern seinen 60. Geburtstag im Wald mit Freunden, Kollegen und Familie: Herbert Fuchs Katharina Hennes

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20. November 2010, 01:57 Uhr

Radelübbe | Genau so hat er sich seinen Abschied vorgestellt: keine großen Reden, dafür viele Freunde und Kollegen um sich und eine lange Exkursion durch den Radelübber Wald. 35 Jahre lang hat Herbert Fuchs hier als Revierförster gearbeitet. Auch im Ruhestand bleibt das sein Traumberuf. "Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden", sagt er. "In keinem anderen Beruf ist man so naturverbunden, kann den Wald verändern, ihn formen und wachsen sehen." Herbert Fuchs ist Förster aus purer Leidenschaft, sagt auch sein Chef Christof Darsow. "Kein Ja-Sager. Einer, der selbstständig arbeitet. Der manchmal auch knorrig werden kann, wenn andere anderer Meinung sind. So knorrig, wie eine seiner Eichen." Darsow meint das positiv. "Denn genau das macht seinen standfesten Charakter aus."

Gestern verabschiedete Forstamtsleiter Darsow seinen Revierförster ganz offiziell in den Ruhestand. "Er war immer auf der Suche nach Inspirationen fürs Revier und hat nach 35 Jahren hier viele Spuren hinterlassen." Den hochgewachsenen Küstentannenwald gleich gegenüber vom Forstamt, zum Beispiel. Oder das Waldstück bei Radelübbe, das Fuchs 1982 mit Lärchen, Douglasien, Fichten und Kiefern bepflanzte und mit Sommerlinde und Buche unterbaute. "Das hast du gut gemacht", sagten die Studienfreunde gestern, als sie unter den hochgewachsenen Lärchen standen. Der "Vier-Nadelbaumarten-Wald" ist einer der Ausflugsziele der mehrstündigen Exkursion, die sich Herbert Fuchs zum Abschied aus dem Forstamt gewünscht hat. Mehrere Stunden fuhr er mit allen durch das 1800 Hektar große Gelände, stoppte in dem Waldstück, wo er 1975 gleich nach Dienstantritt mit der Buchenpflege begonnen hatte und im Munitionsgebiet Viezer Heide, wo er mit gepanzerten Traktoren erste Mäh- und Pflegeversuche unternehmen ließ.

Jetzt, mit 60, ist Schluss, sagt er. Er sei ja nicht aus der Welt. "Ich werde hier immernoch jagen, mein Brennholz holen und meine Kollegen besuchen", sagt er. Doch die meiste Zeit gehört ab jetzt der Familie, seiner Frau Margret und dem Enkel.

Wandern will er. Mehr denn je. Nach seinem letzten Urlaub, den er zu Fuß auf dem Weg von Stralsund nach Bakendorf verbrachte, will er jetzt 400 Kilometer von Sachsen nach Thüringen an die Rhön wandern und später auch in Spanien auf dem Jakobsweg. Am liebsten allein. Mit sich und der Natur und den vielen spannenden Menschen, die man unterwegs so trifft und bei denen man eingekehrt."

Ein Abschied mit Wehmut? "Nein. Die Freude auf die Zukunft überwiegt", sagt Fuchs. "Ich kann alles machen, wozu sonst nur im Urlaub Zeit blieb. Und noch viel mehr."

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