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Lokales

23. November 2017 | 14:17 Uhr

Hühnermast bauen oder schrumpfen

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 06:48 Uhr

gallin | Landwirt André Grootes hat sich dafür entschieden, eine Hühnermastanlage zu errichten, um weiter Grund und Boden vom Land pachten und damit die Größe seines Betriebes erhalten zu können. Er bewirtschaftet jetzt gut 1000 Hektar, auf dem vornehmlich Raps, Mais und Getreide angebaut werden. Etwa ein Viertel davon gehört dem Land Mecklenburg-Vorpommern, das dem 40-Jährigen die Flächen verpachtet. Bereits vor längerer Zeit hat das Schweriner Agrarministerium erklärt, dass der Tierbestand im Land zu gering sei und außerdem trotz des Missstandes noch zu viel Fleisch nicht hier veredelt werde. Die Vergabe von Land an Viehhalter genießt deshalb Vorrang. Wie hoch der Tierbestand sein muss, richtet sich nach der jeweiligen Betriebsgröße.

Für Grootes bedeutet die Bestimmung, dass er entweder 500 Rinder oder 300 000 Hühner anschaffen muss, wenn die bisherige Betriebsgröße erhalten bleiben soll. "Das höchste Gut ist Landfläche und selbst wenn ich auf den Anteil verzichten würde, wäre es auch deshalb nicht gut, weil ich dann drei oder vier Leute entlassen und mit großem Verlust für viel Geld angeschaffte Technik abschaffen müsste. Der Bestand ist auf die jetzige Größe ausgelegt", so der Landwirt. Weil er für eine genannte Zahl an Rindern nicht genug Futterfläche vorhalten könnte und außerdem keine Milchquote hat, blieb ihm nur die Wahl zwischen Schweinen und Hühnern. Auf letztere fiel die Wahl auch deshalb, weil Grootes die Abwärme perspektivisch für seine 2006 und 2008 in Betrieb genommenen Biogasanlagen verwerten könnte. Sie produzieren gegenwärtig nur Strom, die Wärme bleibt noch ungenutzt.

Als erster Schritt ist Ende September das Raumordnungsverfahren für die geplante Mastanlage angelaufen (wir berichteten). Die Verlängerung der Pacht ist an den Bau der sechs Ställe mit je 50 000 Tieren gebunden. Die Errichtung der Biogasanlagen, in die Grootes zusammen mit der Deutschen Biogas AG rund 3,6 Millionen Euro investiert hat, reiche nicht aus, sagt er: "Wir haben im Vorfeld mit der Landgesellschaft Leezen - sie verwaltet die landeseigenen Flächen - darüber verhandelt, dass wir nicht noch Geld für Viehhaltung ausgeben müssen und versucht, dass die schon geschaffenen Projekte anerkannt werden. Neben den Biogasanlagen gehört unter anderem ein neues Lager für 7000 Tonnen Getreide dazu. Die Vorgaben vom Ministerium haben es nicht zugelassen."

Die neue Mastanlage mit zwei zusätzlichen Arbeitsplätzen soll 800 Meter vom Dorf entfernt gebaut werden. Geplant ist, hier in acht Durchgängen jährlich insgesamt 2,4 Millionen Tiere aufwachsen zu lassen. Der Mist wird laut Investor im Frühjahr, Sommer und Herbst auf eigenen Flächen umgehend eingearbeitet und im Winter auf einer großen Platte zwischengelagert. Grootes sagt zu, "technisch alles zu tun, was möglich ist", um zum Beispiel eine von vielen Einwohnern befürchtete Geruchsbelästigung zu verhindern.

1993 hatte er die Galliner LPG vom Insolvenzverwalter gekauft. Mitten im Ort gab es damals 1300 Mastplätze für Bullen und Färsen, die auf 80 für Mutterkühe mit Nachzucht reduziert wurden. 1998 verkaufte Brosseit die Standorte Kuppentin und Zahren. "Die Angst ging um, dass der Betrieb geschlossen wird", sagt er. "Dabei habe ich im von mir weiter bewirtschafteten Hauptstandort Gallin die Zahl der einstigen Arbeitsplätze annähernd gehalten. Früher gab es hier 15 Angestellte, heute sind es 13, davon wiederum acht, die schon zu DDR-Zeiten hier waren."

Bereits durch den Umstand, dass früher an jedem Tag Gylle gefahren wurde, sei die Belastung höher gewesen als heute. Unabhängig davon versuche der Betrieb, die (wegen der noch rund eine Woche dauernden Maisernte momentan höheren) Belästigungen in Grenzen zu halten. "Wir haben zum Beispiel eine Kehrmaschine angeschafft, um die Straßen säubern zu können und alle Fahrer geimpft, langsam zu fahren", so Grootes. "Auf den Straßen sind aber auch andere unterwegs und viele scheinen nicht zu bedenken, dass wir hier ebenfalls wohnen, Kinder haben und keinen Ärger wollen."

Wenn zum Beispiel jemand anrufe und mitteile, dass Erntefahrzeuge die Straße verschmutzt haben, sei der Betrieb dankbar: "Besser so, als wenn deshalb - wie schon geschehen - gleich die Polizei geholt wird, ohne mit uns zu reden. Offene Kommunikation ist wichtig."

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