Hubbrücke ade

Schwaan erhält in den nächsten sieben Jahren eine feste Brücke, die so hoch ist, dass eine Personen-Schifffahrt möglich sein wird. Diese Entscheidung verkündete gestern Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). Damit verliert Schwaan seine Hubbrücke.

svz.de von
15. Juli 2009, 10:20 Uhr

Schwaan | "Vom Verstand her kann ich es nachvollziehen, weil ich auch Steuerzahler bin und es um das Geld geht. Aber innen tut es weh", erklärte Horst Lippert, Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Brückensanierung" seine Gemütslage. Das geschah, nachdem Verkehrsminister Volker Schlotmann gestern Nachmittag die Entscheidung bekanntgegeben hatte, dass nur die bezahlbare Brückenvariante in Schwaan realisiert werden kann. Lippert: "Ich bin in Schwaan geboren, mit der Brücke aufgewachsen. Unzählige Male erlebte ich, wie Touristen die Brücke bestaunten."

Das ist nun Geschichte. Es kommt eine feste Querung, die ihn - den Verkehrsminister - "nicht an den Pranger stellen und nicht im Schwarzbuch des Landesrechnungshofes erscheinen lassen" wird, so Schlotmann. Sie werde jedoch so gebaut, dass eine Personen-Schifffahrt möglich sein werde, erklärte Schlotmann. Erstmals werde bei einem Brückenbau dafür Hochleistungsbeton eingesetzt. Architekten würden eine Konstruktion entwerfen, die "optisch mit der jetzigen Konstruktion vergleichbar sein wird", so der Minister. Außerdem können Einwohner, Vereine und Institutionen ihre Meinung zum Aussehen der Brücke äußern. Das geschehe in einer Einwohnerversammlung nach den Ferien, erklärte Ronald Normann vom Straßenbauamt Güstrow. Die Brücke ist die billigste der sechs Varianten, die vor einigen Wochen in Schwaan vorgestellt wurde. Sie kostet 3,5 Millionen Euro. Darin enthalten sind die reinen Baukosten, die Kosten für die Behelfsbrücke und die Unterhaltung der neuen Brücke. Die Fertigstellung ist für 2015/16 geplant.

Damit fielen zwei favorisierte und gewünschte Varianten durch (wir berichteten): eine neue, bewegliche Brücke mit einer ähnlichen Silhouette wie jetzt (6,3 Millionen Euro) und eine sanierte Brücke (9,7 Millionen Euro). Schlotmann konnte die dafür zusätzlich notwendigen Gelder beim Innenministerium nicht locker machen. Auch die Stadt hätte man mit einem Millionenbetrag nicht belasten können. Entscheidend sei allerdings gewesen, so Schlotmann, der eine Sanierung wollte, dass der Denkmalschutz als Verbündeter ausfiel. Aber nicht, weil er die Behörde zurückgepfiffen habe, wie Horst Lippert in einem Bericht unserer Zeitung vermutete, sondern weil der Status eines Denkmals nicht mehr gehalten werden kann. Über 60 Prozent der Brückenteile müssten erneuert werden. Damit sei sie kein Denkmal mehr, so Schlotmann (wir berichteten).

Bürgermeister Peter Faix (CDU) kommentierte die Entscheidung nicht. Er müsse das erst sacken lassen, erklärte er. Für ihn sei wichtig, dass Fußgänger, Radler, Kraftfahrer und Wasserfahrzeuge die neue Brücke, die zu Schwaan passen muss, ungehindert passieren können. Für Rüdiger Zöllig (Grünen-Stadtvertreter), ein Verfechter der Sanierung, beeinträchtigt die neue Brücke das Stadtbild von Schwaan negativ. Ellen Scharberth (Die Linke) hofft auf die Beteiligung der Schwaaner an der Gestaltung. Vielleicht könne das noch einen "Tick Wiedererkennungswert" erhalten, so das Mitglied der Bürgerinitiative, die 3500 Unterschriften zum Erhalt der Brücke sammelte.

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