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Reihe: Leerstehende, geschichtsträchtige Gebäude in Schwerin : Hotel du Nord: Tiefgarage fürs Pferd

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Ein muffiger Geruch wabert durch das alte Gemäuer. Im einstigen prunkvollen Ballsaal hängen Tapetenbahnen und Kabelstränge von den Wänden. Der denkmalgeschützte Komplex steht seit mehr als zehn Jahren leer.

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erstellt am 01.Apr.2011 | 09:02 Uhr

Altstadt | Schwerin um 1845: Das Hotel du Nord erhebt sich mit einer repräsentativen Fassade an der Schlossstraße direkt gegenüber der ehemaligen Königsstraße (heute Puschkinstraße). In das vom damaligen Hofbaurat Georg Adolf Demmler (1804 bis 1886) entworfene Gasthaus kehren aber kaum Reisende ein. Die klassizistische Fassade verbirgt die zugigen und kalten Zimmer im Zwischenflügel des Hotels. Der Fachwerkbau verbindet das Vorderhaus in der Schlossstraße mit dem vor allem wirtschaftlich genutzten Hintergebäude in der Klosterstraße. Dort duftet es aus einer nur etwa 1,50 Meter hohen Zwischenetage nach Heu. Stallburschen versorgen die Kutschpferde im Gewölbekeller. Das Tonnen- und Kreuzgratgewölbe erstreckt sich von einem Torweg in der Klosterstraße unterhalb des Hofes bis hinüber zur Schlossstraße und gleicht dabei einen Höhenunterschied von fünf Metern aus.

"Die erste Tiefgarage Schwerins", sagt Stefan Schlick heute. Der stellvertretende Chef von Schwerins Amt für Liegenschaften sucht einen Interessenten für das geschichtsträchtige Gebäude. Das ehemalige Hotel du Nord aus em 19. Jahrhundert trug sich nicht und musste nach nur knapp zehn Jahren Betriebszeit wieder schließen. Heute wabert ein muffiger Geruch durch das alte Gemäuer. Im einstigen prunkvollen Ballsaal hängen Tapetenbahnen und Kabelstränge von den Wänden. Nach verschiedenen Nutzungen über die Jahrzehnte steht der denkmalgeschützte Komplex seit mehr als zehn Jahren leer. "Wir sind sehr offen, was die künftige Nutzung der Immobilie angeht", sagt Petra Preukschat vom Amt für Denkmalpflege. Gaststätte, Geschäft, Büroräume oder Wohnungen - aus vier Geschossen bieten knapp 1700 Quadratmeter Raum für vieles.

Allerdings will die Landeshauptstadt den Demmler-Bau laut Preukschat nur gemeinsam mit dem daneben stehenden Bürogebäude in der Schlossstraße 10/Klosterstraße 3 verkaufen. Nur die Fassade mit dem Rokokogiebel des im Jahre 1765 gebauten Hauses steht auf der Denkmalliste von Schwerin. 1979 wurde das Gebäude abgerissen und neu errichtet. "Die Immobilie räumt dem Käufer mehr Möglichkeiten ein als das ehemalige Hotel", sagt Preukschat. Der hinten anliegende Hof bietet Parkmöglichkeiten. Dagegen kann der Hof des ehemaligen Hotels nicht einmal bepflanzt werden, weil darunter der historische Gewölbekeller liegt.

Trotz Schwammbefalls und Denkmalschutzauflagen fand das Ensemble nach Angaben von Schlick inzwischen einen Liebhaber. Wenn die Gespräche gut laufen, werden voraussichtlich bald Schweriner im ehemaligen Hotel du Nord wohnen.

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