Horst brannte ab, zwei Adler gerettet

<fettakgl>Auf diesem Mast </fettakgl>befand sich der Fischadlerhorst. Das Nest brannte ab. Nur zwei der drei Jungtiere überlebten das Unglück.
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Auf diesem Mast befand sich der Fischadlerhorst. Das Nest brannte ab. Nur zwei der drei Jungtiere überlebten das Unglück.

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08. Juli 2010, 09:33 Uhr

Nisbill | Aufregung um einen Fischadlerhorst in Nisbill. Das Nest auf einem Hochspannungsmast mitten auf einem Getreideschlag brannte ab. Ein junger Adler verendete, zwei versengten sich die Federn. Sie werden jetzt im Natur- und Umweltpark in Güstrow aufgepäppelt und später wieder frei gelassen.

"Der Horstbetreuer vermutet, dass die Alten einen größeren Ast verbaut haben, der am Montagabend beim Regen nass wurde und den Kurzschluss ausgelöst hat", berichtet Jan Lippke, stellvertretender Leiter der Naturparkverwaltung. "Hansi" Simann, ein Wariner Bürger, hatte die verletzten Tiere entdeckt und die Pflanzenbau e.G. informiert, die den Schlag bewirtschaftet. Über sie erfuhr Jagdpächter Achim Diederichs von dem Vorfall und schließlich auch die Naturparkverwaltung.

"Die beiden Jungadler wurden von uns gut gefüttert und machen einen mobilen Eindruck", berichtet Jan Lippke. "Ein Dank gilt dem aufmerksamen Bürger Herrn Simann, der uns das gemeldet hat, den Kollegen von den Angelteichen Klein Labenz, die eine Forelle gesponsert haben und dem Jagdpächter Achim Diederichs, der uns bei der Bergung und Unterbringung der Jungvögel bei seinem Bruder unterstützt hat." Auf dem Gehöft von Reno Diederichs in Neperstorf blieben die Greifvögel, bis sie in den Umweltpark nach Güstrow gebracht wurden.

Früher haben Fischadler in Bäumen gebrütet, aber nachdem in den 30er-Jahren die ersten Überlandleitungen gebaut wurden, haben sie den Platz auf den Masten entdeckt, berichtet Wolfgang Köhler, Horstbetreuer in Westmecklenburg und Experte für die Fischadler im Land. Die Horste lassen sich gut auf den Strommasten verankern, und die Greifvögel haben eine weite Rundumsicht. Sowohl die 20-kV- als auch die 110-kV-Trassen haben sich die Greifvögel erwählt. Auf 380-kV-Masten nisten sie nicht, da die Induktionsspannung der Leitungen zu groß ist.

Dass die großen Vögel in Freileitung verunglücken, selbst wenn sie dagegen fliegen, kommt selten vor. Die 110 kV-Leitungen sind so abgesichert, dass es zu keinem Stromschlag kommen kann, erklärt der Adler-Experte. Und bei den 20-kV-Leitungen droht nur noch Gefahr an den stehenden Isolatoren, die aber umgerüstet werden.

Bisher haben Energieunternehmen künstliche Unterlagen für die Horste angebracht, um Konflikte mit den Adlern zu reduzieren. Jetzt bieten sie den Greifvögeln zunehmend Alternativen und stellen neben den Freileitungen gesonderte Masten für Horste auf. So verhindern die Versorger nicht nur, dass es durch herabfallende Äste aus den Horsten zu Kurzschlüssen kommt, sondern auch, dass Stromabschaltungen für die Beringung der Jungvögel nötig sind. Eine solche Lösung ist auch für Nisbill geplant, erklärt Wolfgang Köhler.

Die Fischadlerbestände sind in Mecklenburg-Vorpommern seit fünf Jahren mit knapp 170 Brutpaaren etwa konstant.

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