zur Navigation springen
Lokales

23. Oktober 2017 | 15:44 Uhr

„Hohles Geschwätz“ aus Potsdam

vom

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2011 | 07:56 Uhr

Einstimmig verabschiedete gestern der kreisliche Schulausschuss eine Resolution. Darin fordert er das Bildungsministerium Potsdam auf, dem Schulamtsbereich Perleberg mehr Lehrerstellen zu bewilligen. Dadurch soll die Einrichtung von vier siebenten Klassen am Gymnasium Pritzwalk ermöglicht werden.

Dies lehnt das Staatliche Schulamt Perleberg bisher ab. 89 Schüler haben sich angemeldet, aber nur 79 sollen in drei Klassen unterrichtet werden. Zwei Klassen mit je 28 Schülern, eine mit 23, da diese ein Integrationsschüler besucht. Die zehn verbleibenden Schüler sollen nach dem Willen des Schulamtes das Gymnasium Wittstock besuchen. Dort werden vier siebente Klassen eröffnet.

„Unsere Personalkapazität reicht nicht“, begründete Schulamtsleiter Karl-Heinz Kowalzik. Aus pädagogischer Sicht würde auch er für mehr und für kleinere Klassen plädieren. „Aber uns fehlen fünf weitere Lehrerstellen“, sagte er.
Das wollen Eltern nicht akzeptieren. Die rund 90 Anmeldungen seien keine Ausnahme. Laut Prognose werden im nächsten Jahr 94 Anmeldungen erwartet. „Dann stünde dieses Problem wieder an“, argumentierte Frank Schröder als Vorsitzender der Schulkonferenz des Gymnasiums. Er sprach von einem „erheblichen Stress“, den Kindern durch den längeren Weg nach Wittstock ausgesetzt seien.

Andere Eltern verwiesen darauf, dass sie in direkter Nachbarschaft des Gymnasiums wohnen. Wie sollten sie ihren Kindern erklären, dass sie dennoch mit dem Bus fahren müssen? Ein Vater mahnte an, die Fahrtzeiten zu berücksichtigen. Sein Sohn wäre morgens und abends jeweils eine Stunde unterwegs – das sei inakzeptabel.

Gabriela Tschorn, Lehrerin am Gymnasium Pritzwalk, sprach das generelle Problem der fehlenden Lehrerstellen an. Die Politiker würden zwar bessere Bildung versprechen, aber dies nicht umsetzen. „Große Klassen sind Stress für Schüler und Lehrer“, sagte sie.

Scharfe Worte an die Landesregierung wählten Ausschussmitglieder: „Wir hören, dass in die Zukunft unserer Kinder investiert werden müsse, aber mir fehlt der Glaube, ich sehe es nicht“, sagte Andreas Giske (CDU). Das Reden über bessere Bildung wolle auch Klaus Petry (SPD) nicht mehr hören. „Das ist hohles Geschwätz, das Personal muss gestellt werden“, sagte er. Es könne nicht sein, dass in der Prignitz fast ausschließlich die maximale Schülerzahl pro Klasse ausgenutzt werde, aber nie die Bandbreite im unteren Bereich. Oft genug sei Geld für andere Maßnahmen vorhanden, nur wenn Bildung mehr kosten soll, seien die Taschen leer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen