zur Navigation springen
Lokales

24. November 2017 | 08:31 Uhr

Hoffmanns Hotel - ein Schandfleck

vom

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2011 | 04:35 Uhr

Perleberg | Vor einem Jahr kaufte Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm die Brandruine "Hoffmanns Hotel". "Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass unter Federführung des Altstadtvereins die Sicherung des Objektes angegangen werden kann", so damals der neue Eigentümer. Doch viel passiert ist seither nicht, sagt Bürgermeister Fred Fischer. Redakteurin Doris Ritzka fragte ihn: Welche Chancen hat das denkmalgeschützte Anwesen überhaupt noch?

Der Stadt wird seitens des Vereins nachgesagt, sie habe kein Interesse am Erhalt des ortsbildprägenden Hauses. Vielmehr wolle sie die Baulücke mit Parkplätzen belegen.

Fred Fischer: Überhaupt eine Baulücke hier entstehen zu lassen, diese Behauptung weisen wir entschieden zurück. Der Bau eines Parkplatzes stand seitens der Stadt nie zur Disposition. Der Erhalt des Gebäudekomplexes war und ist ein wichtiger Baustein in der Stadtsanierung.

Wo steht das geschrieben?

Seit 2007 ist der Komplex Bestandteil des Sanierungsplanes "Historische Altstadt" und somit auch förderfähig.

Im Januar 2010 fiel ein Großteil des Gebäudes nun aber den Flammen zum Opfer. Der Rest sollte abgerissen werden, die Stadt zeigte kein Interesse. Doch dann kam der rettende Investor. So jedenfalls stellt es der Verein da.

So ist es aber nicht. Unmittelbar nach dem Brand Am Hohen Ende wurde mit der Unteren Denkmalpflege des Landkreises und dem Landesamt Denkmalpflege und dem Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) nach Möglichkeiten des Erhaltes des Gebäudekomplexes gesucht, da der damalige Eigentümer zwischenzeitlich einen Antrag auf Abriss bei der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB) des Landkreises gestellt hatte.

Das Ergebnis?

Die Abrissgenehmigung hätte auf Grund von zwei unabhängigen Versicherungsgutachten, die einen Totalschaden attestierten, erteilt werden müssen. Bei einem Gesprächstermin mit Eigentümer, UDB, BLDAM, dem Sanierungsträger Big-Städtebau und der Stadt einigte man sich darauf, eine wirtschaftlich vertretbare Nutzung für den Gebäudekomplex zu finden und darüber hinaus auch einen neuen Eigentümer.

Fand sich ein Interessent?

Ja, der Eigentümer verkaufte das Anwesen jedoch nicht an ihn, sondern an Dr. Dieter Hoffmann-Axthelm. Wir haben das zwar nicht verstanden, aber letztlich darauf vertraut, was jener hier vorgab, auf die Beine stellen zu wollen.

Welche wirtschaftliche Nutzung sah der andere Kaufinteressent denn für den Gebäudekomplex vor?

Wohnungen in einem sanierten historischem Gebäude.

Der Altstadtverein kritisiert, dass die Stadt keinerlei finanzielle Unterstützung gewähre.

Seit November 2010 ist das Anwesen im Programm Stadtumbau Ost mit geschätzten 300 000 Euro. Vorbehaltlich des Spitzenförderungszuschusses bedeute dies einen Bauherrenanteil von 93 000 Euro.

So viel Eigenkapital haben offensichtlich weder der jetzige Eigentümer noch der Altstadtverein. Denn sie sprechen immer davon, dass man ihnen Fördermittel verwehrt für die Notsicherung.

Zum einen ist ein Nutzungskonzept die Voraussetzung, zum anderen ist eine scheibchenweise Förderung nicht sinnvoll. Denn wenn bei geringerer Ausreichung der Fördermittel das Weitere nicht realisiert wird, kann ein neuer Eigentümer nicht mehr auf Förderung hoffen. Ohne Förderung fasst heute aber niemand mehr solch ein Objekt an. All das ist der AG-Stadtgestaltung, die laut eigenen Aussagen im Auftrag des neuen Eigentümers Fördermöglichkeiten akquiriert, bekannt. Denn in persona von Jürgen Hennig und Stefan Kunzemann haben sie sich umfassend im Bauamt über diese Modalitäten informiert.

Stichwort Nutzungskonzept: Der Altstadtverein spricht von einem solchen.

Kann schon sein, aber mit keiner Silbe wurde darüber mit der Stadt geredet. In der Stadt gibt es bereits eine Reihe von Einrichtungen, die vieles bedienen. Mit dem "Effi" haben wir ein funktionierendes Jugendzentrum, über das Mehrgenerationenhaus des CJD werden vielseitige Angebote für alle Altersgruppen vorgehalten und mit dem multifunktionalen Gebäude, das auch die Lotte-Lehmann-Akademie beherbergen wird, haben wir in Kürze ein qualitativ hochwertiges Haus für die musikalische Ausrichtung. Auch der Altstadtverein muss einfach einsehen, dass es Akteure gibt, die mindestens schon zehn Schritte weiter sind.

Außer Zweifel steht, der Stand der Dinge ist alles andere als zufriedenstellend, oder?

"Bis Oktober 2010 muss die Notsicherung realisiert sein, sonst ist das Gebäude verloren." Diese Worte von Stefan Kunzemann klingen mir immer noch im Ohr. Bis heute ist die Notsicherung nicht realisiert. Optisch ist Hoffmanns Hotel ein Schandfleck. Fakt ist auch, wenn ich so ein Gebäude erhalten will, kostet das Geld, Geld, das man allein über Spenden kaum zusammenbekommt. Architekten sollten so etwas wissen. Insofern wird in meinen Augen durch den Verein auch bewusst und vorsätzlich falsch argumentiert. Die Stadt und auch die Ordnungsbehörde des Landkreises sind inzwischen nicht länger bereit, Kulanz walten zu lassen beispielsweise hinsichtlich Not- und Verkehrssicherung. Und wenn ich Mieter - wie Künstler, die hier ihre Projekte vorstellen - habe, dann sind Betriebs- und Entsorgungskosten anzumelden. Wird im nächsten Jahr möglicherweise mit der Sanierung des Hohen Ende begonnen, dann fällt auch der Anliegerbeitrag für den Straßenbau an.

Wird aus dem "Weißen Schwan", wie das Hotel einst genannt wurde, ein sterbender?

Muss nicht, denn der Investor von einst hält noch an seinem Kaufangebot fest. Mehr noch, bis nächstes Jahr will er die Planung abschließen, so dass 2013 gebaut werden kann und somit auch die Fördermittel noch abgerufen werden können. Das setzt aber voraus, dass der Altstadtverein sagt, wir schaffen es nicht und der jetzige Eigentümer verkauft. Und das hoffe ich vor allem im Interesse des Gebäudes und der Stadtansicht. Wir als Stadt erklären uns gern auch bereit, wenn gewünscht, die Moderation zu übernehmen. Wir wollen unsere historische Altstadt erhalten, aber nicht als Museum verkohlter Gebäude, sondern als Stadt, in der man leben kann und will.

Vielen Dank für das Gespräch

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen