Höhere Gebühren für Sportstätten

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Den Sportplatz in der Crivitzer Neustadt nutzen sowohl Schüler der Regionalschule Crivitz - hier bei einem Sportfest - in der Schulzeit als auch Vereine.Archiv

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28. Juli 2010, 07:07 Uhr

Crivitz | Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Gebühren für die Nutzung von Sportstätten in Crivitz steigen. Darauf verständigten sich die Stadtvertreter auf ihrer Sitzung in dieser Woche. Der Beschluss wurde mehrheitlich (neun Ja-und sechs-Nein-Stimmen bei einer Stimmenthaltung) gefasst, nachdem zum Teil heftig diskutiert worden war. Betroffen von der Gebührenerhöhung sind ausschließlich Mitglieder von Vereinen ab dem 18. Lebensjahr - also Erwachsene. Kinder und Jugendliche können ihren Vereinssport nach wie vor kostenlos betreiben. Darauf macht Bürgermeister Ulrich Güßmann ausdrücklich aufmerksam.

Die Nutzung der Sportstätten kostet vom 1. September 2010 bis 31. März 2011 pro Stunde einheitlich 7,50 Euro, egal ob es sich um die sanierte Sporthalle in der Neustadt, die Turnhalle an der Grundschule oder die Sportplätze handelt. Nicht ortsansässige Vereine können sämtliche Sportstätten in Crivitz nutzen - von 8 bis 17 Uhr zu einer Tagespauschale von 150 bzw. 100 Euro. Wird die Halle oder der Sportplatz länger benötigt, fallen pro Stunde weitere 20 Euro an.

Vereine sollen Zeit haben, sich auf neue Bedingungen einzustellen

Diese Regelung sei ein Kompromiss zwischen der Stadt und den Vereinen - Sportverein Crivitz, Sportgemeinschaft, CCC 84 und Karateverein -, betont Güßmann. Denn ein erster Satzungsentwurf wurde gar nicht erst auf der Stadtvertretersitzung im Juni (SVZ berichtete) behandelt, weil noch Klärungsbedarf bestand und im Kultur- und Sportausschuss darüber noch beraten werden sollte. Denn schon im Vorfeld hatten vor allem die beiden großen Sportvereine darauf aufmerksam gemacht, dass die geplanten Gebühren nicht bezahlbar sein werden. So kam jetzt erst einmal eine Übergangslösung zustande. Denn die Vereine, die für das laufende Jahr ihre Planungen abgeschlossen haben, sollen Zeit finden, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen, heißt es von Seiten der Stadt.

Ab 1. April greifen dann erneut andere, höhere Gebühren. Diese werden, wie ursprünglich angedacht, gestaffelt. Für die Nutzung der kompletten Sporthalle in der Neustadt sowie der Sportplätze in der Neustadt und am Geschwister-Scholl-Platz sind dann pro Stunde jeweils 24 Euro zu berappen. Wird die Halle nur zu zwei Dritteln oder gar einem Drittel genutzt - technisch ist dies möglich - reduziert sich die Summe auf 16 bzw. 8 Euro. Die Turnhalle an der Grundschule wird acht Euro pro Stunde kosten. Die Tagespauschalen für nicht ortsansässige Vereine bleiben in der Höhe von 150 bzw. 100 Euro bestehen.

Nunmehr hätten die Vereine die Möglichkeit, ihre Satzungen den veränderten Gebühren anzupassen, erklärte Güßmann. Selbst mit diesen künftigen Mehreinnahmen werde es wohl immer noch nicht gelingen, die tatsächlich entstehenden Betriebskosten für Wasser- und Stromverbrauch sowie Gasheizung in Gänze zu decken. "Wir gehen derzeit davon aus, das die Stadt immer noch bei den Sachkosten zubuttern muss", meint der Bürgermeister, der auf die klamme Stadtkasse verweist. "Crivitz hat deutlich weniger Zuweisungen vom Land bekommen, wir müssen ganz einfach streng haushalten." Und im nächsten Jahr werde sich die finanzielle Situation kaum besser darstellen. Daher müsse sogar geprüft werden, ob die Zuschüsse für freiwillige Aufgaben - Freizeitsport gehört dazu - in der jetzigen Höhe noch aufrechterhalten werden können. Die Stadt unterstützt die beiden großen Sportverein - SV und SG - mit je rund 1500 Euro. Gewiss, so Güßmann, das seien keine Riesensummen. Aber es gibt noch andere Vereine der Stadt, die ebenfalls auf Zuschüsse hoffen. Die Stadt habe sich im Vorfeld der Diskussion über eine Gebührenerhöhung im Umland umgeschaut, konkret in Banzkow und Leezen. In beiden Kommunen seien die Gebühren höher als die jetzt in Crivitz beschlossenen, bemerkt der Bürgermeister.

Es sei aber durchaus vorstellbar, blickt der Bürgermeister voraus, dass die Stadt nach dem ersten Quartal nächsten Jahres eine Art Kostenschau macht. Die Stadt will prüfen, in welchen Verhältnis sich die moderate Gebührenerhöhung und die tatsächlich anfallenden Kosten zueinander verhalten, um gegebenenfalls daraus Schlüsse ziehen.

Auf der öffentlichen Stadtvertretersitzung hatten auch Vertreter der beiden großen Sportvereine teilgenommen. René Stamer, Vorsitzender des Sportvereins Crivitz, ist nach wie vor sauer. "Wir haben dem Kultur-und Sportausschuss Vorschläge unterbreitet, wie der Vereinssport finanziell besser abgesichert werden kann. Doch die wurden in der neuen Satzung leider kaum berücksichtigt, was nicht dem Ausschuss anzukreiden ist. In der Stadtvertretung hat sich eindeutig die CDU-Fraktion mit ihren Vorstellungen durchgesetzt. Es wurde keinem einzigen Vorschlag der Vereine wie dem sozialverträglichen Pooling-System Rechnung getragen", sagt Stamer.

SV-Vorsitzender: Es gibt keine radikale Anhebung der Beiträge

Der SV Crivitz mit knapp 400 Mitgliedern sei mit dieser beschlossenen Entgeltsatzung ab April nächsten Jahres in seiner Existenz bedroht, erklärt Stamer. Eine radikale Anhebung der Mitgliedsbeiträge - sie müssten auf mehr als das Doppelte steigen, um die Gebühren daraus zu finanzieren - komme mit dem jetzigen Vorstand nicht in Frage. "Wir wollen auch in Zukunft jedem die Möglichkeit geben, bei uns Sport zu treiben." Bis Ende Februar wolle sich der SV nach alternativen Sportstätten umsehen. Bis dahin wolle der Verein weiter Aufklärungsarbeit leisten und Bürger mobilisieren, damit bei den Stadtvätern ein Umdenken einsetzt, die Gebühren herabgesetzt werden. Dazu sollen auch offene Briefe genutzt werden.

René Stamer: Der Sportverein bestehe aus einer Mischung von Jung und Alt. Ihm gehören Mitglieder an, die den Beitrag ohne weiteres aufbringen können, anderen hingegen falle es sehr schwer. Einige betreiben Breitensport, andere stehen regelmäßig im Wettkampfbetrieb. Es ist ein soziales Gefühle. Bricht man einen Teil wie den Erwachsenensport heraus, so habe das existenzielle Folgen für den Verein.

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