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Melkwettbewerb in Güstrow : Höchstleistungen im Morgengrauen

vom

Der Kontrollverein Güstrow hat zum 20. Mal den Leistungsvergleich der Melker ausgerufen. Der theoretische Teil liegt schon hinter den Landwirten. Gestern ging es für die 25 Frauen und Männer an die Tiere.

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2013 | 09:42 Uhr

Mittwochmorgen, kurz nach fünf Uhr. Ein Hahn kräht, langsam erwacht der Tag. In den Ställen der Milchhof GbR Krey / Springborn in Kurzen Trechow herrscht aber schon seit über einer Stunde reges Treiben. Der Kontrollverein Güstrow hat zum Leistungsvergleich der Melker gerufen. Die 20. Auflage des Berufswettbewerbes. Eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen: Das trifft sowohl auf die Teilnehmer zu, als auch auf den Betrieb.

Im gewohnten Rhythmus sind an diesem Morgen nur die rund 320 Milchkühe des Familienbetriebes. "Morgens um 4.15 Uhr geht hier jeden Tag das Melken los", erzählt Andreas Springborn, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Drei der insgesamt acht Mitarbeiter sind normalerweise um diese Zeit im Einsatz. An diesem Morgen sind es ein paar mehr Hände, die zugreifen. Die ersten 13 von 25 Landwirten aus den Altkreisen Bützow, Güstrow und Sternberg, die in diesem Jahr am Wettstreit teilnehmen, haben bereits den theoretischen Teil der Prüfung hinter sich. Jetzt geht es an die Tiere.

Dass der Wettbewerb in seinem Betrieb stattfindet, sei für ihn eine Möglichkeit, in die Öffentlichkeit zu gehen, sagt Andreas Springborn. Die Landwirtschaft sei ins Gerede gekommen. "Wir können so zeigen, dass bei uns ein hochwertiges Lebensmittel in hoher Qualität produziert wird", sagt Springborn, der gemeinsam mit seiner Frau Christine und Harald Krey den Betrieb führt. Erst in der vergangenen Woche bekam die Milchhof GbR das Gütesiegel Qualitätsmilch für 2012. Zum 16. Mal insgesamt, seit 2003 durchgängig (SVZ berichtete). "Gegründet hat den Betrieb als Wiedereinrichter mein Schwiegervater Hermann Krey", so der Trechower. Das sei jetzt 22 Jahre her. Er selbst sei 1996 eingestiegen. Beim Wettbewerb könne man auch sehen, dass junge Leute in dem Beruf noch eine Zukunft sehen.

Zu ihnen gehört zum Beispiel Danny Kozianka von der Agrar eG Reinstorf. Der 24-jährige Bützower nimmt zum dritten Mal an dem Leistungstest teil. "Doch das letzte Mal liegt schon einige Jahre zurück, da war ich noch in der Lehre", erinnert sich der junge Mann, der einst in Viezen aufgewachsen ist. Deshalb sei er schon ein wenig nervös gewesen vor dem Start, zumal er nur noch selten im Stall tätig sei. "Ich bin in der Feldwirtschaft, helfe nur manchmal beim Melken aus." Für den Wettbewerb habe er aber extra geübt. Das er dennoch alles drauf hat, hätten ihm auch die Mitglieder der Jury bestätigt.

"Ich habe die Gene im Blut", erklärt Nadine Bartzsch auf die Frage, warum eine junge Frau in die Landwirtschaft geht. Sie sei bereits die dritte Generation. Mutter Annette Bartzsch hatte am Tag zuvor das Vormelken übernommen. Für die 19-Jährige aus Klein Schwiesow ist der Start beim Berufswettbewerb eine Premiere. Sie fühle sich in ihrem Betrieb, der Agrofarm eG Lüssow, sehr wohl. "Dort stimmt alles und wir haben z.B. geregelte Arbeitszeiten. Das ist nicht überall so." Rund 800 Milchkühe sind zu betreuen und sie habe gute Chancen, übernommen zu werden, erzählt die Auszubildende im zweiten Lehrjahr.

Die Abschlussprüfungen im Blick hat bereits Manuel Bley von der Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Zahrensdorf. Seine Premiere beim Leistungsmelken erlebte der 23-Jährige im Vorjahr. Er hat über Umwege zur Landwirtschaft gefunden. "Ich war erst im Straßenbau. Doch ich habe gemerkt, das ist nichts für mich." Der Golchener wechselte in eine ganz andere Richtung und befindet sich nun auf der Zielgeraden des dritten Lehrjahres. Er fühle sich in der Landwirtschaft richtig aufgehoben.

Nachwuchs zu gewinnen, falle nicht immer einfach, weiß Katrin Kauer, Geschäftsführerin des Bauernverband in Bützow. Dabei mangele es nicht an Bewerbern, aber auch der grüne Beruf erfordert mittlerweile noch mehr Wissen, habe doch auch hier längst modernste Technik Einzug gehalten. Sie müsse nicht nur beherrscht werden, sondern sei auch teuer. "Es scheitert oftmals nicht am Wollen, sondern an den Noten", so Kauer.

Als die ersten Sonnenstrahlen über den Kuhställen in Kurzen Trechow steigen, hat die erste Gruppe fast ihre Aufgaben erledigt. Am Nachmittag um 15.45 Uhr nehmen die nächsten zwölf Teilnehmer des 2013er-Wettbewerbes den Rhythmus der Trechower Milchrinder auf und setzen das Melkzeug erneut an.

Heute Abend erfahren die 25 Frauen und Männer auf welchem Platz sie den Wettbewerb beendet haben.

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