Hochzeit in Langen Trechower Kleinod

<strong>Hochzeit und Taufe in der Langen Trechower Kapelle:</strong> Christian Schierning mit seiner Ehefrau Nicole und den beiden Kindern Hennecke (l.) und Anna-Luise.  <foto>Nadine Schuldt</foto>
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Hochzeit und Taufe in der Langen Trechower Kapelle: Christian Schierning mit seiner Ehefrau Nicole und den beiden Kindern Hennecke (l.) und Anna-Luise. Nadine Schuldt

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07. September 2010, 01:57 Uhr

Langen Trechow | Sie gelten als Zeugen aus vergangenen Zeiten - Denkmäler begegnen den Menschen in jeder Groß- und Kleinstadt. In dieser Serie wollen wir einige von ihnen aus unserer Region näher beleuchten. Heute: die Kapelle in Langen Trechow.

Wie ein uriges Kleinod steht sie da, die Kapelle in Langen Trechow. Das denkmalgeschützte Gebäude öffnet am 12. September, dem Tag des offenen Denkmals, für alle Geschichtsinteressierten seine Türen.

Für Christian Schierning und seine Frau Nicole war vor mehr als drei Jahren sofort klar, dass sie sich in dem alten Gemäuer das Ja-Wort geben werden. Nicht ohne Grund: Das kleine Gotteshaus gehörte einst den Vorfahren Schiernings, ist nun im Besitz der Gemeinde. "Maria Therese Schierning, eine geborene von Plessen, hat das Fenster hinter dem Alter wieder herrichten lassen und an ihrem 75. Geburtstag der Gemeinde gestiftet", erzählt Christian Schierning, Sohn von Maria Therese.

Doch nicht nur dieses eine kleine Detail wurde an dem Gotteshaus hergerichtet. Seit Bestehen der Kapelle hat es zwei größere Renovierungen des Gebäudes gegeben. "1663 hat Hans Albrecht von Plüskow das Patronat für das Stück Land bekommen, auf dem die Kapelle stand", erläutert Schierning. Plüskow, der immer wieder den schlechten Zustand der Kapelle moniert hatte, begann nun Stück für Stück das Haus wiederherzurichten. Am provisorischen Bau, der durch die Schweden im 30-jährigen Krieg zerstört wurde, wurde zunächst das Dach saniert. "Als die Kapelle nach diesem Krieg aufgebaut wurde, hat man die Gottesdienste unter freiem Himmel abgehalten", erklärt der heutige Burgherr.

1691 starteten die Wiederaufbauarbeiten, sodass schon im darauf folgenden Jahr das Richtfest und dann die Fertigstellung gefeiert werden konnte, berichtet der Landwirt weiter. Deutlich sichtbar im Fachwerk ist noch die ehemalige Eingangstür. Nur ein kleiner Rundbogen erinnert heute noch an der Außenfassade an den Durchgang. "Eigentlich plante von Plüskow auch noch einen Turmin die Mitte des Daches einzubauen", weiß Schierning. Bei jüngeren Renovierungsarbeiten ab dem Jahr 2000 hätten Experten zwei quer liegende Balken entdeckt. Daran hätte ein Turm aufgebaut werden können, fügt er hinzu. Ein barocken Altar sowie eine barocke Kanzel hätte es ebenfalls in dem kleinen Gotteshaus gegeben. Ebenso sei ein Chorgestühl, also eine Art Empore, einst vorhanden gewesen. Altar und Kanzel seien jedoch um 1956 abhanden gekommen.

Besonders stolz ist Schierning auf die bleiverglasten Fenster, die seine Mutter im Jahr 2000 herrichten ließ und der Kapelle stiftete. In dem Fenster sind in kleinen Quadraten die Wappen der einstigen Patronatsfamilien wie beispielsweise der von Plüskow eingraviert. "Das Plessensche Wappen haben einen Stier in der Mitte, was die Nähe zum Herzog beziehungsweise zu den Regierenden hervorhebt", erklärt der 47-Jährige. Das Fenster stelle einen Art Stammbaum dar, durch den nachvollziehbar sei, wer wen geheiratet hat. Auch auf der Taufschale, die neben dem Altartisch steht, sind viele Namen eingraviert. "Es sind die Kinder von den Familien, die hier mal das Gut besessen haben", erklärt er. Die Idee stamme von Anna von Plessen, die 1847 das Gut erworben hat. Neben dem großen Kapellensaal gibt es ein kleines Zimmer, den so genannten Totenraum. "Auch hier gibt es ein Motiv auf dem Fenster. Es symbolisiert den Sensenmann", erläutert Schierning.

Die Familiengruft hat sich ebenfalls mal auf dem Gelände der Kapelle befunden. "Sie war genau unter dem Altar", weiß der Hausherr. "Hennecke von Plessen, mein Großvater, hat sie mit Sand zugeschüttet." Für Christian Schierning hat die Kapelle einen hohen Stellenwert. "Sie markiert den ältesten Punkt Langen Trechows."

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