Pampowerin bekam trotz Mutterschutz Einladung zum Beratungsgespräch : Hochschwangere zum Jobcenter zitiert

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Aus allen Wolken fiel Manuela L., als sie im Mai eine Einladung des Jobcenters für den Landkreis Ludwigslust erhielt: Man wolle mit ihr über ihre berufliche Situation sprechen. Der Termin: fünf Tage nach der Entbindung.

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10. August 2011, 09:07 Uhr

Pampow | Aus allen Wolken fiel Manuela Lorenz *, als sie Mitte Mai dieses Jahres eine Einladung des Jobcenters für den Landkreis Ludwigslust erhielt: Man wolle mit ihr über "ihr Be werberangebot bzw. ihre berufliche Situation sprechen". Und weiter hieß es: "Wenn Sie ohne wichtigen Grund dieser Einladung nicht Folge leisten, wird ihr Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld um 10 Prozent des für sie nach § 20 Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) maßgebenden Regelbedarfs für die Dauer von drei Monaten gemindert."

Termin fünf Tage nach der Entbindung

Eine wichtigen Grund hatte Lorenz, und der sei dem Jobcenter auch bekannt gewesen. "Ich befand mich im Mutterschutz", berichtet die 36-jährige Pampowerin. Das habe das Jobcenter aber auch nicht davon abgehalten, Ende Mai eine weitere Einladung zu schicken. Am 7. Juni sollte Lorenz ins Jobcenter am Margaretenhof in Schwerin kommen. "Diesen Termin konnte ich ebenfalls nicht wahrnehmen, denn zu diesen Zeitpunkt lag ich noch im Krankenhaus", erklärt die Pampowerin. Am 2. Juni sei ihr Sohn Joel* auf die Welt gekommen.

Für Manuela Lorenz waren die Aufregungen damit aber noch nicht vorbei. Am 23. Juni habe sie für sich und ihre insgesamt vier Kinder einen Hartz-IV-Folgeantrag beim Jobcenter gestellt - bis Anfang Juli aber kein Geld erhalten. Mit Datum vom 15. Juli erhielt die 36- Jährige folgende Mitteilung vom Jobcenter: "Leider muss Ihr Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Le bensunter halts nach dem Zweiten Buch Sozial gesetzbuch (SGB II) vom 23.06.2011 abgelehnt werden." Sie werde nun mit dem Vater ihrer drei jüngsten Kinder gemein sam in einer Bedarfsgemeinschaft veranlagt.

Der 37-jährige Kindesvater aus dem Raum Malliß hatte inzwischen auch Post vom Jobcenter bekommen: Die Behör de gehe nunmehr davon aus, dass er mit Manuela Lorenz in einer "Ver antwortungs- und Einstehensgemeinschaft" lebe. Dem widerspricht Lorenz entschieden: Der Vater ihrer Kinder habe einen eigenen Haushalt und sorge zudem noch für seine Mutter.

Manuela Lorenz legte Widerspruch gegen den Bescheid ein und zog vor das Sozialgericht.

Sozialgericht klärt Angelegenheit

"Ein sehr komplizierter Fall", sagt der Geschäftsführer des Jobcenters für den Landkreis Ludwigslust, Bernd Hentrich. Er bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es ein Verfahren vor dem Sozialgericht gibt. Manuela Lorenz habe das ihr zustehende Geld für den Juli nachgereicht bekommen, betont Hentrich. Auch für die Monate August und September werde das Jobcenter die Leistungen auf der aktuell vorliegenden Berechnungsgrundlage gewähren. Bis dahin habe das Sozialgericht voraussichtlich über die Angelegenheit entschieden, so Hentrich.

Dass Lorenz im Mai vom Jobcenter zu Gesprächen über ihre berufliche Zukunft eingeladen worden sei, begründet Hentrich mit einem angeblich fehlenden Nachweis ihres Mutterschutzes. "Aus unserer Sicht war der Status ungeklärt." In solchen Fällen sei es üblich, den betreffenden Kunden des Jobcenters zu einem Gespräch einzuladen, so Hentrich.

Manuela Lorenz beharrt allerdings auf ihrer Darstellung: "Es lagen alle notwendigen Unterlagen zum Mutterschutz beim Jobcenter vor."

*Namen von der Redaktion geändert

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