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Reihe: Leerstehende Denkmäler : Historisches Fachwerkhaus verfällt

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Eingeschlagene Scheiben und plakatbeklebte Fassaden - das Fachwerkhaus in der Puschkinstraße in Schwerin erinnert an eine Bruchbude. Doch die windschiefe Fassade hat mehr als 300 Jahre Geschichte hinter sich.

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erstellt am 20.Apr.2011 | 07:01 Uhr

Schelfstadt | Aschgraue Wände, eingeschlagene Scheiben und plakatbeklebte Fassaden - das Fachwerkhaus in der Puschkinstraße 20 erinnert an eine Bruchbude. Doch an der windschiefen Fassade sind mehr als 300 Jahre Schweriner Geschichte vorübergegangen. Vermutlich im Jahr 1697 erbaut, gehört das denkmalgeschützte Gebäude zu den ältesten Gemäuern der Schelfstadt. Der heute erhaltene giebelständige Fachwerkbau ist der Nachfolgebau eines nach dem Stadtbrand im Jahr 1693 vollständig zerstörten Wohnhauses, das an gleicher Stelle gestanden hatte. Die Lehmwände standen bereits, als die Schelfe im Jahr 1705 die Stadtrechte verliehen bekam.

Mehrere, teils umfassende Umbauten veränderten das Fachwerkhaus in den nachfolgenden Jahren stark. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt das Querhaus vermutlich die Tordurchfahrt. Im Erdgeschoss hatte sich eine großzügige Diele befunden, typisch für ein Handwerkerhaus. Eine zweite große Umbauphase schloss sich knapp hundert Jahre später an. Von 1824 an verkleidete eine neue Schaufassade das Haus - für Historiker ein Zeugnis, das die Arbeits- und Lebensweise der Schweriner im 19. Jahrhundert dokumentiert. Vor allem der Innenausbau mit Türen, Dielen und Paneelen spiegelt die Einrichtung und so das alltägliche Leben wieder. Während die Familie Havemann in der damaligen Königsstraße eine Brauerei-, Brennerei- und Likörfabrik betrieb, wurde das Erdgeschoss in den Jahren 1885/86 umfangreich ausgebaut. Dort befanden sich ein großzügiger Verkaufsraum und ein Kontorzimmer, das mit edlen Paneelen und Malereien ausgestattet wurde. "Diese sind heute fast einzigartig für Schwerin", sagt Denkmalpflegerin Steffi Rogin vom Amt für Stadtentwicklung. Solche seien in der Landeshauptstadt fast vollständig verloren. Die kostbare Wandverkleidung bewahrt Schwerin ihren Angaben nach zurzeit in einem Lager auf. In den folgenden Jahren fanden eine Bäckerei und während der DDR-Zeit der Volkseigene Betrieb Galvanik in der heutigen Puschkinstraße 20 ein Domizil.

Inzwischen steht das Fachwerkhaus seit Jahren leer und verwittert. Die Lehmwände saugen das Regenwasser auf und bringen die Statik des Gebäudes an ihre Grenzen. "Es wird Zeit, dass hier etwas geschieht", sagt Stefan Schlick, stellvertretender Leiter des Amtes für Liegenschaften. Er verhandelt mit etwas mehr als einer Hand voll Interessenten. "Der neue Eigentümer muss eine Menge Arbeit hineinstecken", sagt er. Allerdings liegt das mehr als 300 Jahre alte Gebäude der Stadt sehr am Herzen, so dass der neue Eigentümer mit erheblichen Fördermitteln rechnen kann. Die Auflagen der Denkmalpflege sehen vor, dass auch die alten Paneele im Erdgeschoss wieder an die Wand kommen. "Wir hoffen, dass der neue Besitzer noch in diesem Sommer mit den Baumaßnahmen beginnen kann, um dem Verfall zuvor zukommen", so Schlick.

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