Historisches Bauwerk versteigert

Die Dömitzer Eisenbahnbrücke auf einer historischen Postkarte. Museum Dömitz
Die Dömitzer Eisenbahnbrücke auf einer historischen Postkarte. Museum Dömitz

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12. April 2010, 07:04 Uhr

Dömitz | Die historische Eisenbahnbrücke an der Elbe bei Dömitz hat einen neuen Besitzer. Das Bauwerk wurde am Samstag in Berlin für 305 000 Euro versteigert, wie Auktionator Mark Karhausen von der Karhausen Immobilien Auktionen GmbH mitteilte. Damit ging die Brücke samt mehr als 70000 Quadratmeter Land für mehr als das 15-Fache des Startpreises weg.

Das Mindestgebot für die denkmalgeschützte Ruine an der Grenze zwischen Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern hatte bei 19800 Euro gelegen. Den Zuschlag erhielt der Inhaber einer niederländischen Immobilienfirma, der sich telefonisch mit einem zweiten Interessenten ein halbstündiges Bietergefecht geliefert hatte, wie Karhausen berichtete. Die beiden waren die einzigen Interessenten. Der Käufer habe sofort Bedenken aus der Region an der Elbe zerstreut, sagte Karhausen. Der neue Besitzer wolle die Brücke unbedingt erhalten und ein Konzept für eine Nutzung entwickeln. Zudem habe er angeboten, dabei mit dem unterlegenen Bieter zusammenzuarbeiten.

Die zwischen 1870 und 1873 errichtete Eisenbahnbrücke über die Elbe war einst mit rund einem Kilometer das längste Bauwerk Deutschlands. 1945 wurde sie durch einen alliierten Bombenangriff zerstört. Die deutsche Teilung verhinderte einen Wiederaufbau. Während die DDR die Reste auf östlicher Seite 1987 endgültig abriss, stehen die etwa 550 Meter aus 16 Bogenbrückenelementen am Westufer der Elbe unter Denkmalschutz. Auf gemauerten Pfeilern ruhen die genieteten Fachwerkträger der zweigleisigen Überführung.

Besitzer der Brücke war bislang die Deutsche Bahn. Initiativen wie der "Freundeskreis Dömitzer Eisenbahnbrücke" hatten sich bereits im Vorfeld der Versteigerung dafür eingesetzt, die Brücke auch nach einem möglichen Verkauf als Kultur- und Industriedenkmal zu erhalten. Die Vereinigung aus dem niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg warnt davor, die Brücke als reines Materiallager für Eisen und Steine zu betrachten und forderte ein erfolgreiches Nutzungskonzept für das Bauwerk. Auch der Landkreis Lüchow-Dannenberg und die Gemeinden, auf deren Gebiet die Brückenreste stehen, hoffen, dass der künftige Besitzer das historische Monument erhält und touristisch nutzt.

Der Dömitzer Freundeskreis, der sich jüngst eigens gründete, weist darauf hin, dass das Bauwerk seit 1986 als Einzeldenkmal in die Liste der niedersächsischen Denkmale - Landkreis Lüchow-Dannenberg - eingetragen sei. Die Wertung sei als Kultur- und Baudenkmal definiert. "Das Bauwerk selbst ist ein herausgehobenes Beispiel der aufblühenden Industriearchitektur. Eine Gefahr sieht der Freundeskreis darin, dass ein neuer Eigentümer möglicherweise den Wert der Brücke nicht erkennt und den derzeitigen Zustand belässt und sich kurz- und mittelfristigen Nutzungskonzepten verschließt. Die Brücke als reinen Material-Fundus zu betrachten, wäre eine grobe Fehlbewertung. Ein erfolgreiches Nutzungskonzept für ein so markantes Stück norddeutscher Eisenbahngeschichte, das gleichermaßen Symbol für die deutsche Teilung ist, kann nur in enger Zusammenarbeit mit den hiesigen Gebietskörperschaften und zuständigen Behörden und unter Einbeziehung des freiwilligen Engagements von Museen, Forschungs- und Arbeitskreisen sowie Eisenbahnfreunden erzielt werden. Zudem muss ein Nutzungskonzept der geographischen Lage des geschichtsträchtigen Bauwerks Rechnung tragen, befindet sich dieses doch im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue", schreibt Jürgen Scharnweber, der sich seit über 20 Jahren und eben jüngst mit seinen Getreuen in Tagungen, Publikationen und Vortragsveranstaltungen mit Geschichte, technischer Funktion, Wesen und literarischer Bedeutung der Brücke - mit großer Resonanz in der Öffentlichkeit - auseinandergesetzt hätte.

Der Freundeskreis Dömitzer Eisenbahnbrücke biete deshalb bereitwillig, so informiert Scharnweber weiter, der auch Leiter des Festungsmuseums ist, dem neuen Eigentümer sein Wissen und die Zusammenarbeit für ein zukunftsfähiges Nutzungskonzept an.

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