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Lokales

23. August 2017 | 11:58 Uhr

Hilferuf aus dem Betreuten Wohnen

vom

Dabel | Hilflosigkeit im Betreuten Wohnen: Mieter einer Wohnanlage im Dabeler Herrenweg sind verzweifelt. Seit Monaten gebe es keinen Kontakt mehr zum Vermieter. Tropfender Wasserhahn, defekte Tür - an wen sie sich wenden sollen, wissen die betagten Mieter nicht.

"Wir sind hilflos", beklagt sich Margarete Bujatzeck (71). Seit zehn Jahren wohne sie in der Anlage mit 20 Wohnungen, der Vermieter warb mit fürsorglicher Betreuung. Das sei anfangs auch so gewesen, berichtet Elsbeth Göllnitz (89), die 1999 einzog. Doch seit gut fünf Jahren gebe es vereinbarte Betreuungsangebote nicht mehr. "Das ist kein Betreutes Wohnen", sagt die Seniorin. "Das fiel alles in sich zusammen."

Beispiel: In einem "Betreuungsvertrag" sicherte der Vermieter neben dem Wohnraum auch diverse Angebote wie Beratung, Organisation von Feiern oder Hilfe bei Ämtergängen zu. "Das Büro ist aber leer", moniert Margarete Bujatzeck. Und nun das: Seit dem Frühjahr bleibe auch die Heizung im gern genutzten Gemeinschaftsraum kalt. 17 Grad zeigte die Quecksilbersäule gestern. "Das ist zu kalt für 80-Jährige", so Bujatzeck. Lange Erkältungen seien die Folge. Mehrfach hätten Mieter versucht, den Vermieter zu kontaktieren - vergeblich. Für die Nutzung des Raumes zahlen die Senioren extra, fixiert in Mietverträgen.

Kein Hausmeister vor Ort? "Das kann nicht sein", hält Michael Remus, Inhaber der Anlage, dagegen. Er verweist auf einen Verwalter, an den er die Geschäfte übergeben habe. Der wiederum erklärt: "Ich kann nichts tun." Es gebe finanzielle Probleme, dafür sei aber nicht er verantwortlich. Er habe sich bewusst noch nicht bei den Mietern vorgestellt, aber: "Ich wäre startklar." Nach Insider-Informationen soll eine Bank die Hand auf dem Geld des Vermieters haben.

Ob der Gemeinschaftsraum ein Problemfall ist; "kann ich so nicht sagen", so Remus. Er glaubt auch nicht die Geschichte von Edith Weber (81). Vor vier Tagen habe sie einen neuen Boiler bekommen. "Seitdem läuft der Wasserhahn", so Weber. Sie wisse nicht, was sie tun soll, da seit Monaten für sie kein Ansprechpartner zur Verfügung stehe. Sie wurmt auch: Die Eingangstür zum Haus knallt laut; umso mehr zu hören, seit junge Mieter im Betreuten Wohnen leben. Zündstoff unterm Dach: "Nachts knallt oft die Tür. Dann wache ich immer auf", so Weber. Auch Margarete Bujatzeck ärgert: Die Anlage mit Betreuungsangebot verliere ihr Profil. Vermieter Remus spricht von "überwiegendem Betreuten Wohnen".

Kommende Woche will Elsbeth Göllnitz ihren 90. Geburtstag im Gemeinschaftsraum feiern. Sie fragt: Geht die Heizung bis dahin wieder? Eine Antwort: "Kein Geld."

Dabels Bürgermeister Herbert Rohde wollte sich der Sorgen noch gestern annehmen.

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erstellt am 10.Sep.2010 | 07:46 Uhr

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