Hilfe für 4800 Analphabeten

Der Einsatz moderner Medien erleichtert es,  funktionalen Analphabeten  Wissen zu vermitteln.
Der Einsatz moderner Medien erleichtert es, funktionalen Analphabeten Wissen zu vermitteln.

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23. April 2010, 07:27 Uhr

Schwerin | Der TV-Werbespot von einem Lagerarbeiter, der das Regal falsch belädt und damit zum Einsturz bringt, weil er die ausgeschilderte Belastungshöchstgrenze nicht lesen kann, ist vielen bekannt. Doch auch in Schwerin hat das Problem des so genannten funktionalen Analphabetismus eine erschreckende Größe. Etwa 4800 Erwachsene leben hier, die nicht oder kaum lesen und schreiben können. Sie sind in besonders starkem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen oder bedroht. Deshalb haben sich jetzt vier Bildungsträger in einem Verbund zusammengeschlossen, um ihnen praktische Hilfe anzubieten.

"Das Problem ist, dass diese Menschen sich meist nicht trauen, ihre Schwäche einzugestehen und einen entsprechenden Kurs zu besuchen. Und ganz abgesehen davon sind sie meist ja nicht einmal in der Lage, sich über Hilfsangebote zu informieren, weil sie nicht lesen können", erläutert Pamela Buggenhagen, Geschäftsführerin des Innovationstransfer- und Forschungsinstituts Schwerin (itf). Die Kurse der Volkshochschule zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen seien für diese Bevölkerungsgruppe ohnehin zu hochschwellig. "Also haben wir gemeinsam mit Partnern eine Initiative gestartet zur Vermittlung berufsbezogener Grundbildung", sagt Buggenhagen. Mit im Boot im Projekt "Memo - Menschen motivieren" sind in der Startphase die Agentur der Wirtschaft, Regio-Vision und Abc-Bau, das Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft. Weitere Partner wie Arbeitsamt, Arge und Wirtschaftsministerium sollen hinzukommen.

Aus Sicht der vier Gründungsmitglieder sind die Chancen für die Bildungsvermittlung am größten, wenn sie gekoppelt ist an praktische Arbeit und in Gruppen erfolgt, deren Teilnehmer alle ähnliche Voraussetzungen haben. Nicht zuletzt deshalb sei eine Kooperation der Bildungsträger unumgänglich, betont Koordinatorin Buggenhagen.

Dem Projekt vorausgegangen war zunächst eine Analyse der grundlegenden Anforderungen für die moderne Arbeitswelt in den Berufszweigen, die für die Zielgruppe am ehesten arbeitsmarkttechnisch in Frage kommen, also der Niedriglohnsektor, häusliche Dienstleistungen oder der kommunale Beschäftigungssektor. Unter Berücksichtigung spezifischer ethnischer, regionaler und geschlechtsspezifischer Zugangsbarrieren und unter Einbeziehung vergleichbarer Erfahrungswerte wurden zielgruppenorientierte Bildungskonzepte erarbeitet, die nun umgesetzt und evaluiert werden sollen. Dass diese Bildungsinitiative ein besonders feinfühliges und komplexes Herangehen erfordert, darüber sind sich alle Beteiligten im Klaren, bestätigt Buggenhagen. Doch biete dieses Projekt nachholender Grundbildung der Zielgruppe außerordentlich gute Chancen der Persönlichkeitsentwicklung und beruflichen und gesellschaftlichen Integration.

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