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Malliß: Einblick in Eltern-Alltag : Hightech-Babys für Wochenendmütter

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Fünf Mädchen aus der Regionalen Schule haben ein aufregendes Wochenende vor sich. Sie sind freiwillig "Mütter auf Zeit" geworden. Schulsozialarbeiterin Gerda Kolodziejek hat das Projekt "Babybedenkzeit" angestoßen.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 07:14 Uhr

malliss | Fünf Mädchen aus der Regionalen Schule Malliß haben ein aufregendes Wochenende vor sich. Sie sind am Freitag freiwillig "Mütter auf Zeit" geworden. Schulsozialarbeiterin Gerda Kolodziejek hat das Projekt "Babybedenkzeit" angestoßen und dabei Unterstützung von der Pro-Familia-Beratungsstelle Ludwigslust bekommen. Deren Mitarbeiterinnen Gaby Schmidt und Julia Heinrich hatten das dazu nötige Equipment mitgebracht - elektronische Babys, die ihre "Mütter" das ganze Wochenende über zu Hause in ihren Familien auf Trab halten werden, aber auch die schönen Momente vermitteln sollen - fast genauso, wie es richtige Menschlein können. Nur dass sie sich nicht so anfühlen - aber einen kleinen Unterschied zur Realität darf es schließlich schon geben. Am Montag ist Auswertung. Dann kommen die Pro-Familia-Mitarbeiterinnen wieder in die Schule und werden mit den fünf Mädchen (drei sind 15, eine 14 und eine 17 Jahre alt) besprechen, wie es es sich angefühlt hat und anhand der Computerdaten auswerten, wo Fehler entstanden sind. "Wir wollen einen Einblick in die Realität vermitteln", sagt Gaby Schmidt. Eine Realität mit gemessener Gefühlsspanne von überschäumender Freude bis zum Stress.

Alkohol, Nikotin und Drogen in der Schwangerschaft tabu

Am Freitag gab es aber erst einmal eine gründliche Vorbereitung. Was ist in der Schwangerschaft tabu - Alkohol, Nikotin, Drogen sowieso. Gaby Schmidt löste Betroffenheit aus, als sie eine Puppe zeigte, die das typische Aussehen eines Alkohol-Babys aufwies. Im Gegensatz dazu ein gesundes Kind. Wie muss ein Baby festgehalten werden, was ist bei diesem speziellen elektronischen Nachwuchs zu beachten, wenn gefüttert oder gewickelt wird? Schließlich durften die Mädchen "ihre Babys" in den Arm nehmen. Ist es Junge oder Mädchen? Diese Frage war zuerst zu prüfen, denn das Geschlecht des Kindes kann man sich auch im richtigen Leben nicht aussuchen. Dann durften die Projektteilnehmerinnen ihren Kindern Namen geben und erhielten von den Pro-Familia-Beraterinnen jeweils eine Geburtsurkunde ausgehändigt.

Babys sind niedlich, aber sie erfordern Verantwortung - das ist die kurz gefasste Botschaft. Die 14-jährige Annemarie Köhler aus Dömitz macht mit, weil sie kleine Kinder toll findet. Roxane Jahnke (17) aus Conow möchte einfach nur probieren, wie es ist, Verantwortung für so ein kleines Wesen zu tragen. Gerda Kolodziejek sieht es so ähnlich. "Die Teilnehmerinnen lernen, was es heißt, ein Kind zu haben und sollen sich beizeiten die Frage stellen: Schaffe ich das?" Julia Heinrich erwartet, dass die Mädchen viel Spaß bei dem Projekt haben und sich eventuell auch Fragen stellen werden: Wie reagieren meine Eltern? Habe ich schon den richtigen Partner für einen Kinderwunsch? Könnte ich mir auch vorstellen, allein erziehende Mutter zu sein? Die Eltern der Teilnehmerinnen müssen übrigens ihre Einwilligung erteilen, bei dem Projekt mitzumachen.

Großes Interesse an dem Projekt

Das Interesse ist groß. Im September wird es die zweite Staffel geben. Potenzial für weitere gebe es außerdem, so Gerda Kolodziejek.

Ganz unvorbereitet sind die Mallisser Schülerinnen nicht in dieses Projekt gegangen. Die Schulsozialarbeiterin, die auch den Mallisser Jugendclub leitet, hat dort bereits mit Unterstützung der Neu-Kalisser Gynäkologin Dagmar Baumberger die Schwangerschaft zum Thema gemacht.

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