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Lokales

19. November 2017 | 18:55 Uhr

Heute Entscheidung über Megaanlage

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erstellt am 13.Okt.2010 | 06:51 Uhr

Krusendorf | Heute Abend wird durch die Mitglieder des Rates im Dorfgemeinschaftshaus in Dellien entschieden, ob die Bauleitplanungen für Darchau und Rosien auf den Weg gebracht werden oder nicht. Sie sind die Voraussetzung für den möglichen Bau zweier großer Biogasanlagen. Aus 17 Mitgliedern besteht der Rat, davon gehören sieben der CDU an, und zwei der FDP, die zusammen die Mehrheitsgruppe bilden. Vier Mitglieder gehören der SPD an, jeweils ein Mitglied gehört der BAN, der Linken und der UWL/Bündnis Rechte an. Bürgermeister Dieter Hublitz hat ebenfalls eine Stimme.

Abstimmverhalten sehr unterschiedlich

Doch das Abstimmverhalten wird sich nicht an Fraktionen halten, die Meinungen sind quer durch die Parteien sehr unterschiedlich. Das wurde schon während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im "Landhaus Elbwiesen" in Krusendorf deutlich. Henning Niemann, Gruppensprecher der CDU/FDP Fraktion machte den Anfang. "Wir haben einen lebendigen Diskussionsprozess erlebt, Meinungen haben sich geändert, so auch bei mir. Uns wird doch die Frage gestellt, wofür wir die Verantwortung tragen. Die Maßstäbe geben das Baugesetzbuch und das Biosphärenreservatsgesetz vor, die regeln, was wir als Gemeinde bei der städte baulichen Planung zu beachten haben. Die Belange Schutz der Natur und der Landschaft sind bei uns von besonderer Bedeutung. Auch im Hinblick auf den Tourismus ist es für mich nicht vertretbar, in Darchau eine so große Anlage zuzulassen!" Es täte ihm leid um die Leute, die dann nicht mit Fernwärme versorgt würden, sollte das Projekt scheitern. Anders sehe er die Sache in Rosien, die Lage sei nicht so exponiert. Hier habe er die Hoffnung, mit dem Betreiber einen städtebaulichen Vertrag schließen zu können, der auch vorsehe, die Geruchsbelästigung für die Rosiener einzudämmen.

Gerhard Wendel (SPD) widersprach mit zunächst eher allgemein gehaltenen Argumenten: " Die Zeit der fossilen Energien geht absehbar zu Ende, Sonne Wind und besonders Biogas sind die neuen Energiequellen. Dazu sollte man rückhaltlos ja sagen und günstige Bedingungen schaffen. Auch der Staat hilft. Man muss mutigen Investoren auch helfen, die Staatshilfen in Anspruch nehmen zu können." Gerhard Wendel wurde dann doch noch deutlicher: " An diesem Betrieb hängen fast 30 Arbeitsplätze und an die 100 Verpächter, die alle Einkommen aus ihren Einsatz (sprich der Verpachtung) erwarten. "

Kaarßener Ratsherr klagt über ständige Lärmbelästigung

Maik Rücker sprach sich dagegen aus und da spielt wohl die Erfahrung mit der Anlage in Kaarßen eine große Rolle. "Was ist mit unseren Straßen, die kaputt gefahren werden. Bei uns fühlt man sich zurzeit wie an einem Autobahnzubringer, die Transporter fahren Tag und Nacht." Thorsten Knebusch ist neu im Rat und hat versucht, sich als Unternehmer in die Denkweise der Investoren hinein zu versetzen. "Der Investor in Darchau hat ganz erhebliche Vorinvestitionen getätigt. Der wird seine Investition schützen wollen. Er wird trotzdem Mais anbauen und diesen dann nach Brahlstorf karren, wenn er hier nicht bauen kann." Knebusch spielt auf die Absicht eines heimischen Investors aus Brahlstorf an, auch hier eine große Anlage bauen zu wollen. Nach Aussage von Gunnar Drews vom Amt Boizenburg Land steht die Sache bauleitplanerisch aber noch in den Kleinkinderschuhen und es gebe hier große Bedenken wegen des FFH-Gebietes.

Thorsten Knebusch sprach auch die Bedenken an, der Investor in Darchau könne doch sein Biogas gleich per Pipeline in andere Regionen schicken und nicht verstromen, dann gebe es für Neuhaus keine Fernwärme. "Das muss natürlich garantiert werden."

Bernd Benthin sitzt als beratendes Mitglied im Ausschuss und hat auch mit vielen Bürgern gesprochen. "Die Frage spaltet ganze Dörfer. Ich finde eine Biogasanlage an dieser Stelle als unpassend. Das Einzige was wir haben, ist eine schöne Landschaft, wir bauen Radwege, setzen den Tourismus ganz oben an, das passt nicht zusammen. Auch was die genannte Anzahl der Transporte betrifft bin ich sehr skeptisch."

Ralf Makagon (CDU) holte weit aus, sagte aber letztendlich, dass man die Planung nicht verhindern sollte. Die Investoren würde so oder so Mais anbauen, sie könnten auch fünf kleine Anlagen statt einer bauen (stimmt nicht, nur eine pro Hofstelle ist erlaubt, Anmerkung Redaktion) und mit einem städtebaulichen Vertrag habe man als Gemeinde die Möglichkeit, zu kanalisieren, zum Beispiel ein Nachtfahrverbot zu erwirken, Fernwärme vertraglich abzusichern oder den Verzicht auf Ausgleich von Wildschäden abzusichern.

Bei der Abstimmung für Darchau waren Wendel, Makagon und Knebusch für die Planungen, Niemann und Rücker dagegen, bei Rosien waren vier dafür, nur noch Maik Rücker hielt dagegen.

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