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Lokales

20. August 2017 | 19:33 Uhr

Helle Freude an schwarzen Schafen

vom

Stolpe | Gleich hinter Haus und Stallung liegt das in kleine Areale unterteilte Weideland. "Na, kommt!", ruft Kurt Luckmann lang gezogen. Und tatsächlich rennen, springen, trotten aus zwei Richtungen Schafe heran. Die in der größeren Herde sind allesamt schwarz, die anderen tragen weißes Fell, nur Kopf und Beine grenzen sich tiefdunkel ab. Dies sind Suffolk-Fleischschafe, zwölf reinrassige Muttertiere. In der Zucht aber will sich Luckmann künftig auf das Ostfriesische Milchschaf beschränken. Davon sei das mit weißem Fell bekannt und weit verbreitet, das in Schwarz wie auf Luckmanns Hof dagegen kaum. "Soviel ich weiß, gibt es dafür nur acht, neun Züchter in Deutschland", überlegt Kurt Luckmann. Seine Herde zählt derzeit 25 Muttertiere und zwei Böcke. Zwei davon sind von morgen bis Sonntag auf der 20. Landwirtschaftsausstellung (MeLa) in Mühlengeez zu sehen. Luckmanns nehmen über den Landesschaf- und Ziegenzuchtverband das siebte Mal als Aussteller teil.

Angefangen mit Kaninchen, Tauben und Gänsen

Der Schafe wegen siedelte das Ehepaar Ende 2002 von Salzhausen in der Lüneburger Heide nach Mecklenburg über. Fünf Jahre zuvor hatte es den Resthof bei Stolpe mit sechs Hektar Land gekauft und als Wochenend-Domizil genutzt. Die Vorbesitzerin, eine ältere Dame, war zu ihrer Tochter in der Nähe von Wismar gezogen. "Wir müssen was fürs Alter haben", waren sich Luckmanns einig, denn Ruhestand im wörtlichen Sinne konnten sie sich schlecht vorstellen.

Schon 1985 fing das mit den Schafen an, drei Jahre später wurde daraus eine Herdbuchzucht. Obwohl beide beruflich nie mit Landwirtschaft zu tun hatten. Er Tischlermeister und Architekt, seine Frau Marianne Außenhandelskauffrau - und beide aus Hamburg stammend, entdeckten aber zeitig ihre Liebe zum Landleben. "Das Erste in Salzhausen waren Kaninchen und Tauben. Dazu kamen Gänse, die wir auf einer Pachtweide hielten. Doch die schafften es nicht, das Gras kurz zu halten. Auf einer Kreistierschau sahen wir dann schwarze Milchschafe und haben gleich welche gekauft", erzählt der heute 70-Jährige.

Als die Herde auf 20 Tiere angewachsen war, reichte die eigene Weide nicht mehr. Doch es sei umständlich gewesen, die Schafe auf Flächen in der Umgebung zu transportieren. In Stolpe bewirtschaftet das Ehepaar jetzt acht Hektar im Nebenerwerb. Mit den notwendigsten Baumaßnahmen hatte es schon an den Wochenenden begonnen. Im Stallgebäude sind drei Zimmer samt Küche und Bad entstanden. Das Wohnhaus wird derzeit komplett saniert. "Ich schätze, in fünf Jahren ist es fertig", blickt der Hausherr frohen Mutes voraus. "Das Handwerk liche mache ich alles selbst. Unsere beiden Söhne wohnen leider zu weit weg."

Das Ehepaar fühlt sich in Stolpe heimisch, hat den Schritt dorthin keinen Moment bereut. "Natürlich muss man auf die Leute zugehen und nicht erwarten, an die Hand genommen zu werden", meint Marianne Luckmann. Land und Leute seien ihnen auch nicht fremd gewesen. "Zu DDR-Zeiten waren wir im kleinen Grenzverkehr regelmäßig hier, einmal im Jahr mit dem Sportverein im Kreis Ludwigslust, aber auch in Schwerin und Wismar", so Kurt Luckmann.

Auf dem Hof besteht Arbeitsteilung. Er melkt die Schafe, seine Frau macht daraus Käse und Joghurt, alles für den Eigenbedarf oder für Freunde und Bekannte. Aus fünf Litern Schafmilch entsteht etwa ein Kilogramm Käse. Sie sei wesentlich ergiebiger als Kuhmilch. Das liege am hohen Fettgehalt von fünf bis sieben Prozent und den Inhaltsstoffen. Lediglich Ziegenmilch komme hier annähernd heran, sagt Luckmann. Er melke am Morgen und Abend, zusammen um die zwei Liter pro Tier. Drei Wochen nach der Lammung sei die Milchleistung am höchsten, dann falle die Kurve ab. Doch mindestens fünf Monate müssten Zuchttiere gemolken werden. Der Milchkontrollverein ermittelt die 150-Tage-Leistung, die wie andere Parameter in die Zuchtpapiere eingeht. Daran kann später der Käufer eines gekörten Bockes ebenso wie ab morgen der MeLa-Besucher ablesen, was in dem Tier steckt, das er vor sich hat.

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erstellt am 14.Sep.2010 | 07:45 Uhr

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