Heldenhain: Erinnerung und Mahnung

Der große Findling bildet das Zentrum des Heldenhains.hans kenzler
Der große Findling bildet das Zentrum des Heldenhains.hans kenzler

von
23. November 2013, 03:08 Uhr

ludwigslust | Der Gedanke, für die im 1. Weltkrieg gefallenen Ludwigsluster einen Ehrenhain zu schaffen, geht in das Jahr 1915 zurück. Zu dieser Zeit gab es schon zahlreiche Opfer dieses wahnsinnigen Krieges. Am 8. November traf der neu gebildete Heldenhainausschuss unter Leitung des Plantagenbesitzers Klitzing im Parkhotel zur ersten Sitzung zusammen. Zum Ausschuss gehörten u.a.: Bürgermeister Jantzen, Senator Krüger, Forstmeister Iven, Architekt Drenkhahn, Eisenbahnassistent Rave, Taubstummenlehrer Jessel, Major von Troschke und Major Freiherr von Maltzan. In Erwartung der noch folgenden Toten wurde die Errichtung eines Ehrenhains bis Kriegsende verschoben. Im März 1919 wurden die Gespräche des Ausschusses im Parkhotel wieder aufgenommen. Als Standort für das Ehrenmal waren die Eichkoppel (Heldenhain), ein Platz am Luisenmausoleum oder an der Hofdamenallee sowie am Alexandrinenplatz im Gespräch. Die Mitglieder des Ausschusses Klitzing, Kaufmann Uelzen, Rektor Hasenbank sowie Major von Troschke sprachen sich für die Eichkoppel aus. Fabrikbesitzer Ernst Schulze wies auf die Kostenfrage hin. Bei der anschließenden Wahl sprachen sich 108 Wähler für die Errichtung des Haines aus, 171 waren dagegen und 300 enthielten sich der Stimme. Dieser Tag im März 1919 brachte kein Ergebnis. Später entschied sich der größte Teil derjenigen, die sich ihrer Stimme enthalten hatten, für die Eichkoppel. Der Großherzog stiftete dieses stadtnahe Waldstück kostenlos.

Als Vorsitzender setzte sich Plantagenbesitzer Klitzing unermüdlich und aufopferungsvoll für die Errichtung des Heldenhains ein. Er organisierte während dieser Zeit viele Aufbaustunden und eine rege Spendentätigkeit. Am 23. April 1920 sah er sich aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, den Vorsitz niederzulegen. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, der Einweihungsfeier des Heldenhains beizuwohnen, da eine schwere Krankheit schon im Sommer sein Leben auslöschte.

400 Gedenksteine wurden zu Ehren der Gefallenen unter 400 zum Teil alten Eichen aufgestellt. Die Eichen wurden im Voraus von den Familien der Gefallenen ausgelost. Berechtigt, hier einen Gedenkstein zu erhalten, waren alle Gefallenen, die 1. dem Feld-Dragoner Regiment Nr.17 angehörten, 2. zur Zeit ihrer Einberufung ihren Wohnsitz in Ludwigslust hatten, 3. deren Eltern in Ludwigslust wohnten, 4. die besondere Beziehungen zu Ludwigslust hatten.

Ein großer Findling, in Groß Laasch (Forst, Abteilung 69) gefunden, wurde an die Stelle gebracht, an der er sich noch heute befindet. Er erhielt die Aufschrift "Weltkrieg 1914-1919". Der 1. Weltkrieg endete aber bekanntlich schon im Jahre 1918. Wahrscheinlich ging man davon aus, dass die letzten Kriegsgefangenen erst 1919 heimkehrten.

Einige Steine waren versehen mit Namen, Dienstgrad, Todesjahr und Todesort (bezahlt von Angehörigen). Andere Steine trugen nur eine Nummer. Am 23. August 1920 fand die Einweihungsfeier unter größter Beteiligung der Ludwigsluster Einwohner statt. Es wurde betont, dass der Heldenhain nicht nur für die Gefallenen angelegt wurde. Er solle auch als Mahnung für die Lebenden dienen. In diesem Sinne passt die Gedenkstätte auch noch in die heutige Zeit hinein. Im Fundament des Findlings wurde eine Urkunde eingemauert, die die Entstehungsgeschichte des Heldenhains dokumentiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen