Heitere Klassik zum Kaffee

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19. Februar 2010, 01:57 Uhr

Parchim | Die Parchimer Kirchgemeinden St. Marien und St. Georgen haben gemeinsam mit ihren Fördervereinen eine gute Tradition begründet: Jeweils einmal im Monat verwandeln sich die Winterkirchen der Gotteshäuser in ein Kirchencafé. Die Gemeinden, aber auch Parchimer Kenner und Genießer haben sich darauf eingerichtet, sich an diesen besonderen Sonntagnachmittagen mit leckerem Kuchen verwöhnen zu lassen. Mit ihrer Spende unterstützen die Besucher die dringend notwendigen Bauarbeiten an den beiden imposanten und kunsthistorisch wertvollen Wahrzeichen der Stadt.

Beim jüngsten Kirchencafé in St. Marien gab es nicht nur Genüssliches zu kosten, sondern auch zu hören. Die Mitglieder des "Streichquartettes Plau am See" spielen seit längerem nicht nur im collegium musicum Parchim, sondern auch im privaten Kreise zusammen und stellten sich mit dem sonntäglichen Konzert erstmals der Öffentlichkeit vor. Volker Schubert (Cello) und Sigrun Hass (Bratsche) gehören als Instrumentallehrer (Blockflöte/ Cello bzw. Geige/ Bratsche) schon lange zu den Kulturträgern der Stadt. Das Ehepaar Ingemarie Samuelis-Hiller und Dr. Gotthold Hiller (beide Violine) hat sich für Plau als Wohnort nach dem Erwerbsleben entschieden.

Auf dem Programm standen zwei sehr unterschiedliche Werke, die jedoch (neben der Tonart F-Dur, in der sie gesetzt sind) eines verbindet. Sie entstanden auf Reisen. Das Streichquartett von Wolfgang Amadeus Mozart , KV 158 war eines von sechs gleichartigen Kompositionen, die der 17-Jährige in Italien während einer Konzertreise 1772 in Mailand schuf. 121 Jahre später komponierte Antonin Dvorak sein "Amerikanisches Streichquartett" opus 96 in Spillville, USA.

Mozart zeigt sich in diesem frühen Werk, das man leider nur selten zu hören bekommt, schon als der tiefgründiger Meister der "heiteren" Klassik. Insbesondere der zweite Satz führt mit seinem Fugenthema durch alle Facetten menschlichen Empfindens. Dvoraks Quartett kann und will seine Verwandtschaft mit dem wohl beliebtesten Werk des tschechischen Komponisten, seiner 9. Symphonie op.95, "Aus der Neuen Welt" , nicht verleugnen. Die Motive lassen grandiose Weite, Völkervielfalt und (bald schon nicht mehr) fremdartige musikalische Wege ahnen. Jedoch spürt man eine Leichtigkeit und Zartheit der musikalischen Linien, die nur einem Streichquartett eigen sein kann.

Dieser Nachmittag, der in einen nicht gar so grimmigen Wintertag eingebettet war, wird den Musikanten und Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben und hoffentlich eine Fortsetzung finden.

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