Heiße Tänze und freche Reden

Die Reetzer Minis zaubern die große Zirkuswelt auf den Saal im Gasthaus Muhs.
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Die Reetzer Minis zaubern die große Zirkuswelt auf den Saal im Gasthaus Muhs.

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20. Februar 2011, 05:15 Uhr

Lanz/Reetz | Im Februar ist auch im Landkreis des Knieperkohls und der Störche Karnevalszeit. So feierten am vergangenen Wochenende wieder zahlreiche Narren die fünfte Jahreszeit und sagten sich mit Kostümen, Tanz und Büttenwitz von den Alltagssorgen los.

Lanz

Ein schmuckes Prinzenpaar, fetzige Büttenredner, heiße Tanzeinlagen leichtbekleideter Mädels und ein Publikum in bester Feierlaune - mehr Zutaten brauchte es am Samstag nicht, um den Saal im Gasthaus Paes ler in einen Hexenkessel der guten Laune zu verwandeln. Hier feierten die Lanzer Narren gemeinsam mit rund 80 Gästen ausgelassen ihren ersten Büttenabend.

Doch auch im Spaß kam der Ernst nicht zu kurz, vor allem dann, wenn die Minister des Elferrats ihren verbalen Finger in politische und gesellschaftliche Wunden legten. "In Zukunft wird mein Amt schwer, wo bekomm ich die Kinder her?" stellte der Familien minister fest und verwies gleich darauf, dass lesbisch oder schwul heute cool ist, wie Außenminister und Bürgermeister beweisen. Verteidigungsminister Bunkermaus haderte mit der Gorch Fock, denn da gibt es "Ärger am Mast und am Waffenrock".

Umweltschutz heute: Mit Bier den Regenwald retten

Mit Hartmut Schulz stieg der Umweltschutz in die Bütt. Denn durch das Versprechen einer bekannten Brauerei, mit einem Kasten Bier einen Quadratmeter Regenwald zu retten, erwachte der in seinem tiefsten Inneren verborgene Umweltschützer. Bereits am Nachmittag mit der Leerung des Bierkastens und dem Waldschutz beschäftigt, kam es zum Disput mit seiner Frau und Schulz zur Erkenntnis, "dass ihr der Regenwald völlig egal ist". Schlüpfrig wurde es bei Rosi und ihrer Gummifreundin Suse, der Tochter von Beate Uhse. Klar, dass die schlüpfrigen Gags im Umkreis der Gürtellinie ins Schwarze treffen.

Natürlich kamen auch die Tanz- und Gesangseinlagen nicht zu kurz. Die Funkengarde in ihren orange-schwarzen Prachtuniformen zeigte Gardetanz vom Feinsten, die Lanzer Hofsänger brachten Schlagerstimmung in die Menge. Exotisch-erotisch wurde es beim aufreizenden Auftritt der Showtanzgruppe des LCC, und auch die Pink Ladies ließen mit viel Bein und wenig Stoff die Fantasie manches Herren Luftsprünge machen. Fast schon legendär auch das Lanzer Männerballett: Knackige Kerle im edlen Zwirn, der unter dem Jubel der weiblichen Besucher stückweise aufgeknöpft wurde.

Regiert werden die Lanzer in diesem Jahr von Stefan Schulz und Tina Peipp, beide eigentlich gar keine Mitglieder des Lanzer Carnevalclubs. "Es war wahrscheinlich eine Promillefrage, dass wir ja gesagt haben", verrät die Prinzessin, und ihr Gemahl ergänzt: "Aber es hat riesigen Spaß gemacht, die Stimmung war einfach super. Vielleicht wär der Carnevalsclub doch was für uns."

Reetz

"In Reetz, da gehts nun schon im 22. Jahr , denn 1989 gründete sich der Fachingsclub (RFC) und sorgt seit demzur Narrenzeit für gute Laune. Auch am Sonnabend bei der U-50-Party war der Saal im Gasthaus Muhs gut gefüllt, harrten die teilweise originell kostümierten Gäste auf das Programm. Und das begann pünktlich um 20 Uhr und wie gewohnt mit dem Radetzky-Marsch. Doch dann ging es munter zur Sache, denn die Reetzer Jecken, über 60 sorgen für Gesang, Tanz und so manch andere Einlage, haben sich auch in dieser Saison wieder eine Menge einfallen lassen.

Afrika-Feeling und Frauenversteher

Ob Stimmungslieder ala Achim Mentzel, der Frauenversteher in der Bütt oder das neue Schlatbachduo alias Rita Beckmann und Tobias Perabo, der Generalangriff auf die Lachmuskeln funktioniert, das Publikum amüsiert sich köstlich. Und dann die Minis. Sie tanzen wie die Grioßen, obwohl die Jüngste, die kleine Lisa, erst sechs Jahre alt ist. Sie machen in einem Moment aus dem Tanzboden eine afrikanische Savanne, im nächsten eine große Zirkusmanege. Kein Wunder, dass sie nicht ohne Zugabe vom Parkett entlassen werden. Ebenso die Rockets, junge Leute zwischen 13 und 17 Jahren, die eine wirklich kesse Sohle aufs Parkett legen und dabei auch akkrobatische Einlagen nicht scheuen.

Im Hintergrund fiebert Isolde Huhnstock mit. Seit es den Reezer Faschingsclub gibt, liegt die Choreografie für die Tänze in ihren Händen. Und es ist enorm, was sie jedes Jahr gemeinsam mit den Laien auf die Bühne zaubert.

Dabei müssen auch die Reetzer mit der Tatsache leben, dass junge Leute zunehmend Beruf und Arbeit nachziehen, ihre Heimat verlassen wie beispielsweise Eric Isernhagen. Er lebt jetzt in Hamburg, kann sich nicht mehr im RFC engagieren. Aber ganz vom heimatlichen Fasching will der junge Mann dann doch nicht lassen und erschien am Sonnabend als Teufel. Seine tolle Maskerade fiel auch der Jury ins Auge, die die besten Kostüme des Abends prämierte. Der war damit aber noch lange nicht zu Ende, das Programm bescherte dem Publikum noch weit mehr Höhepunkte wie beispielsweise das Männerballett oder die Showtanzgruppe. Auf jeden Fall ein gelungener Abend, dem nun noch zwei weitere am 26. Februar und 5. März folgen.

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