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Lokales

16. Dezember 2017 | 14:08 Uhr

Heiße Debatte um Berger Grundschule

vom

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erstellt am 30.Sep.2010 | 08:53 Uhr

Berge | Thomas Glass redete auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung Klartext, denn er ist besorgt um den Fortbestand der Berger Grundschule. Noch unter dem Eindruck der Elternversammlung stehend, erklärte er, dass es so nicht weiter gehen könne, einige Eltern seien "schon drauf und dran, ihre Kinder von der Schule zu nehmen". Er schlug deshalb vor, das Staatliche Schulamt in die Gemeindevertretung einzuladen, um über die personelle Besetzung der Grundschule zu diskutieren.

Glass führte an, dass beispielsweise die jetzige Lehrerstellenbesetzung kaum Spielraum für Förderunterricht oder Arbeitsgemeinschaften lasse. "Das geben die Stunden nicht her".

Unterstützung erhielt Glass in der Diskussion von seinem Abgeordnetenkollegen Helge Dieckmann, der befürchtet, dass "es politisch so angelegt" sei, "bis keine Kinder mehr in die Schule kommen". Die Einladung des Schulamtes sei "überfällig". Gemeindevertreter Nayl Pöpke ging in seiner Kritik noch weiter: "Hier fehlen belastbare junge Lehrer, die auch mal was mit den Kindern unternehmen, nicht so häufig ausfallen". Die Gemeinde investiere viel Geld in die Schule, jetzt soll die Außentür erneuert werden, "aber es muss auch inhaltlich etwas kommen".

Amtsdirektor Gerd Ehrke schlug vor, nicht allein ein Treffen der Gemeindevertretung und des Staatlichen Schulamtes zu organisieren, sondern eine solche Zusammenkunft mit der Schulkonferenz zu verbinden, damit auch Elternvertreter und Lehrer ihre Meinung äußern können. Und er betonte hinsichtlich der Gemeindevertretung: "Sie müssen klar definieren, was sie wollen".

Auf jeden Fall wollen die Berger Abgeordneten die Grundschule, die sich in Gemeinde-Trägerschaft befindet, erhalten. Die Sorge um deren Fortbestand ist nicht unbegründet, denn die Fortschreibung des kreislichen Schulentwicklungsplanes bis 2012 beschreibt den Berger Schulstandort "auf Grund der voraussichtlich unzureichenden Anzahl von Einschulungen" als gefährdet. Ganze vier Mädchen und Jungen besuchen derzeit die erste Klasse. Zwar erhöhe sich die Zahl in den Folgejahren, reiche aber auf Dauer nicht aus.

Nach den Schülerzahlen richtet sich aber auch die Ausstattung mit Lehrerstunden. Darüber entscheidet das Staatliche Schulamt. "Wir haben die Berger Grundschule gut ausgestattet. Für die 55 Schüler gibt es sechs Lehrkräfte. Wir haben auch eine junge Fachlehrerin für Musik zugeführt", macht Schulrat Dieter Menzel vom Staatlichen Schulamt Perleberg deutlich. Da in Berge jahrgangsübergreifend unterrichtet wird, "haben wir die Schule mit zusätzlichen Teilungsstunden ausgestattet, beispielsweise sind für den Unterricht der 3. und 4. Klasse zu den 26 Pflichtstunden zehn Teilungsstunden dazu gekommen", zählt Menzel auf.

Die Kritik an der Schulqualität ist für ihn neu, wie der Schulrat dem "Prignitzer" gegenüber erklärte. Unabhängig davon stehe aber laut Plan in Kürze eine Überprüfung des Berger Unterrichtes an, die Visitation, wie es fachlich korrekt heißt. "Danach werden wir wissen, ob es sich um gefühlte oder wirkliche inhaltliche Probleme handelt. Doch wir sind natürlich jederzeit bereit, mit Gemeindevertretern, Eltern und auch Lehrern darüber zu diskutieren."

Menzel verschweigt nicht, dass es insgesamt sehr problematisch sei, junge Lehrer in die Prignitz zu bekommen. "Erst mal haben wir schon zu wenig, und die vorhandenen wollen meist nicht in Außenbereiche wie beispielsweise Berge." Das betreffe nicht nur den Landkreis Prignitz, sondern auch Außenbereiche in Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel. Und diese Situation verschärfe sich in den kommenden Jahren noch dramatisch, macht Menzel deutlich.

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