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Lokales

18. Dezember 2017 | 14:01 Uhr

Hechte verlassen ihre Kinderstube

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erstellt am 02.Mai.2010 | 07:05 Uhr

Joachimsthal | Bei Fischer Volker Wolf am Werbellinsee kann es jeden Tag soweit sein: Die ersten jungen Hechte schlüpfen mit seiner Hilfe. Rund 800 000 winzige Fische werden dann in die Freiheit entlassen, um an Gewicht zuzulegen. Der 58-jährige Diplom-Fischingenieur sorgt seit fast zehn Jahren in Joachimsthal im Barnim selbst dafür, dass er sich über einen guten Fang freuen kann.

"Ich unterstütze das Ablaichen", erklärt Wolf, der sich als einer der wenigen Brandenburger Fischer damit beschäftigt. Der Hecht sei ein beliebter Speisefisch. Er weiß auch, dass sich Hobby-Angler über den Raubfisch freuen, weil er sportliche Herausforderung bietet. "Denn der Hecht kämpft an der Angel", sagt Wolf. "Doch die natürliche Reproduktion geht zurück." Die von dem Fisch als Laichgebiet beliebten Auenlandschaften und überschwemmten Wiesen - wo er in Ruhe Nachwuchs aufziehen könne - werden seltener.

Befruchtungsvorgang mit einer Gänsefeder

"Hier greift der Mensch unterstützend ein", erläutert der Fischwirt. Gezielt werden zunächst Hechte gefangen und weibliche und männliche Tiere separiert. Sind sie geschlechtsreif, werden die Weibchen durch Menschenhand abgelaicht. Wolf fängt den Rogen in einer Schüssel auf. Dann kommt das Sperma ("Milch") des männlichen Hechts dazu. Der Befruchtungsvorgang läuft dann ganz prosaisch mit einer Gänsefeder: Die Masse wird vorsichtig durchgerührt. Bei dem Vorgang ist Eile geboten - innerhalb von ein bis zwei Minuten muss die Befruchtung erfolgen. Die Hechteier kommen dann in ihre Kinderstube: spezielle, etwa sieben Liter Flüssigkeit fassende Glasgefäße. In das Gemisch wird vorsichtig das klare Wasser vom Werbellinsee eingespült. Dann schlüpfen die Jungfische. Bei 8 Grad dauert es etwa 14 Tage.

Bei Fischer Wolf stehen derzeit zehn Gläser mit Fischbrut. "Wenn alles gut wird, sind das 800 000 Hechte", sagt er. Etwa 8000 von ihnen werden durchkommen, die dann bei Wolf im Netz und später gekocht, gebraten oder gedämpft auf dem Tisch landen.

Wolf holt mit seinem Betrieb und zwei Mitarbeitern pro Saison etwa 1,5 Tonnen Hechte aus dem Wasser. "Hauptfisch ist jedoch die Kleine Maräne, der typische und beliebte Fisch des Werbellinsees", sagt er. Etwa drei Tonnen gingen da im Vorjahr ins Netz. Wolf ist der einzige Berufsfischer am See, sein Fang wird vor allem regional verkauft.

Nach Angaben des Landesfischereiverbandes gibt es in Brandenburg 160 hauptberufliche und 260 nebenberufliche Fischer. Sie bewirtschaften rund Dreiviertel der insgesamt 100 000 Hektar Wasserfläche im Land. Etwa 1200 Tonnen Fisch - vor allem Aal, nämlich 100 Tonnen, 78 Tonnen Hecht, 43 Tonnen Zander und 22 Tonnen Barsch - wurden im vergangenen Jahr aus dem Wasser geholt.

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