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Lokales

18. Oktober 2017 | 13:24 Uhr

Hausschwamm bedroht Kirche

vom

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2010 | 07:20 Uhr

Marsow | Krisenstimmung beim Förderverein der Feldsteinkirche in Marsow: Seit Küster Klaus-Peter Wulff in der vergangenen Woche einen pizzagroßen Schwamm auf den Dielen unter einer Kirchenbank entdeckte, ist nichts mehr wie es war. Was auf den ersten Blick harmlos erschien, entwickelt sich von Tag zu Tag zur "großen Katastrophe", wie es Elisabeth Gladasch von der Parchimer Kirchenkreisverwaltung nennt. Denn der für alle sichtbare Schwamm war nur der Fruchtkörper des Pilzes, der sich jahrelang im Dunkeln unter dem Holzboden auf bis jetzt 15 Quadratmeter ausgebreitet hat. "Das ist wie mit der Spitze des Eisberges", sagt Detlef Westphalen. "Die Masse und die Gefahr befinden sich unter der Oberfläche."

Wie groß das Ausmaß des Pilzbefalls wirklich ist, das untersuchen seit gestern Holzgutachter, Statiker, Zimmerer, die Kirchenkreisverwalter und Mitglieder des Fördervereins in der Feldsteinkirche. "Wir haben die komplette Bestuhlung herausgerissen", berichtet Westphalen. "Ein Teil der Bänke war bereits beschädigt und muss verbrannt werden."

Einer der ersten vor Ort war Jörg Baschista. Er ist als Sachkundiger für Holzschutz im Land unterwegs und wird aktiv, sobald Schwämme und Pilze in Häusern bestimmt werden müssen. Beim Schwamm in der Marsower Feldsteinkirche genügte ein Blick. "Dafür braucht man kein Mikroskop", sagt der Holzgutachter. Die Art des Myzels und der Fruchtkörper lassen keinen Zweifel. Das ist der Echte Hausschwamm."

Detlef Westphalen und Elisabeth Gladasch von der Kirchenkreisverwaltung Parchim müssen zusehen, wie Zimmermann und Gutachter mit Äxten die Dielen herausreißen und die Balken für die Empore freilegen. "Der Pilz expandiert schnell", so Jörg Baschista. Er könne selbst durch Mauerwerk wachsen, wenn sich dahinter wieder Holz befindet.

"Das ist ein wahres Unglück für dieses Kirche", sagte gestern Elisabeth Gladasch. "Hier wird mit so viel Liebe und Kraft restauriert. Bis heute ist in Marsow über Jahre sehr viel geleistet und geschaffen worden. Und jetzt das."

Detlef Westphalen schreibt seit Tagen Briefe an Sponsoren, Firmen und Familien, die in den vergangenen Jahren für die Kirche Geld gaben. "Wir brauchen jetzt dringend jeden Cent", sagt er. "Ohne finanzielle Hilfe ist dieses Problem nicht zu lösen."

Die Feldsteinkirche bleibt für die Zeit der Abrissarbeiten geschlossen. Die in der Kirche vorgesehene Lesung mit Martina Rellin hat der Förderverein spontan in die gegenüberliegende Grabkapelle verlegt, der Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag muss ausfallen. Jörg Baschista spricht von einer "sehr zeitaufwendigen Sanierung". Jede Fliese müsse abgeklopft, jede Fuge ausgekratzt werden. "Wir müssen das Mauerwerk und die Holzkonstruktion trockenlegen." Zudem müssten gerade beim Echten Hausschwamm die befallenen Holzteile mit großem Sicherheitsabstand gesund geschnitten werden. Ersten Prognosen zufolge könnte die Marsower Kirche erst Mitte 2011 wieder geöffnet werden. Bis dahin wird Pastor Tim Anders die Gottesdienste in der benachbarten Grabkapelle halten.

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