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Lokales

18. November 2017 | 01:49 Uhr

Hausaufgabe: Festival organisieren

vom

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erstellt am 14.Okt.2010 | 07:42 Uhr

Altstadt | Diese Aufgabe hat es in sich: Eine Gruppe Waldorfschüler lernt während ihrer Projektwoche, wie schwierig ist es, in Schwerin eine neue Veranstaltungsreihe vorzubereiten, durchzuziehen und womöglich zu etablieren. Sie begleiten das erste "Filmfest der Alternativen", das am Montagabend begann und die ganze Woche über jeweils von 17.30 Uhr an im Classic Café am Markt gesellschaftspolitisch ambitionierte Filme zeigt. Noch heute und morgen gibt es Dokumentationen mit anschließender Diskussion. Fazit nach der ersten Etappe: Filmfest-Veranstalter zu sein ist weitaus härter, als es scheint.

Besonders die Werbung hat es in sich. "Wir dachten anfangs, ein paar Plakate aufzuhängen, das würde schon reichen", sagt Olaf. Aber neues Publikum zu interessieren für Dokumentarfilme wie "Feed the world", "Monsanto - mit Gift und Genen" oder "Designing Society" gestaltet sich schwieriger als erwartet. Dabei finden die Schüler selbst die Filme und ihre Botschaften zur Weltwirtschaft extrem wichtig. "Es ist furchtbar zu sehen, wie Hühner industriell aufgezogen und am Fließband geschlachtet werden", sagt Merle. Und Fine fügt hinzu: "Wenn die Verbraucher mehr über die Fleischproduktion wüssten, würden sie vielleicht mehr Geld für ein Huhn ausgeben, das unter besseren Bedingungen gehalten wurde."

Viele der Jugendlichen kennen die beim Filmfest gezeigten Streifen schon aus dem Unterricht. Aber damit sind sie noch in der Minderheit. "Am besten wäre es aber, solche Dokumentationen auf RTL oder Pro7 zu zeigen, das gucken doch alle Leute den ganzen Tag", sagt Moritz. "Nur indem man ihnen die Probleme direkt vor die Nase hält, kann man sie zum Nachdenken bringen." Und viele Verbraucher würden ihr Verhalten ändern. Die Schüler jedenfalls haben das zum größten Teil schon getan. "Wir kaufen keine Produkte mehr von Nestlé", sagt Amadeus, nachdem er sich über das Geschäftsgebahren des Lebensmittelkonzerns vor allem in der Dritten Welt informiert und empört hat: "Der Geschäftsführer bestreitet das Recht der Menschen auf Wasser."

Engagiert sind sie auf jeden Fall, die acht Waldorfschüler, die sich jeden Nachmittag im Classic Café treffen und bis zum Ende der Film-Diskussion um 19 Uhr bleiben. Jetzt müssen sie noch lernen, mit den vielen kleinen Unwägbarkeiten eines Festivals umzugehen. Und die kommen schnell: Einer der im Programm angekündigten Filme wird vom Verleih nicht rechtzeitig ausgeliefert, der Überraschungsgast für Sonnabend droht abzusagen. Und Tobias, der seine Kamera zur Verfügung stellen wollte für einen Film, den die Schüler über ihre Projektwoche drehen und Freitag vorstellen wollten, ist krank und geht nicht an sein Handy. Bei Fisch TV gibt es momentan keine Kamera. Die Jugendlichen grübeln, besprechen und finden Lösungen für heute Abend, denn der Freitag gehört ihnen, das war schon zu Projektbeginn klar. "Geld für alle" heißt der Film, der heute gezeigt wird, vorher stellen die Schüler sich und ihr Projekt ausführlich vor und leiten die Diskussion, die sich an den Streifen anschließen soll. Vielleicht kommt sogar noch der eigene Schweriner Filmbeitrag zustande. René Zeitz, der das erste "Filmfest der Alternativen" organisiert, bleibt gelassen. "Es gibt immer einen Plan B", sagt er. "Und wenn der Überraschungsgast am Sonnabend nicht kommt, lassen wir uns eben überraschen, was bis dahin noch passiert."

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